Bald ist es wieder so weit: Es klingelt an der Wohnungstür und dann heißt es wenig charmant: „Süßes, sonst gibt’s Saures! Wahrscheinlich laufen die Vorbereitungen der magischen Wesen wie Hexen, Vampire, Trolle, Geister und Teufel, aber auch bei den schaurigen Kreaturen der Dunkelheit, den Skeletten, Dämonen, Fledermäusen, Eulen und Spinnen schon jetzt auf Hochtouren, um in der Nacht vom Süßes, sonst gibt’s Saures: Die Geschichte von Halloween. Oktober auf den 1. November endlich mal wieder Halloween feiern und ausgiebig um die Häuser ziehen zu können. Oder besser gesagt: von Tür zu Tür.

Halloween – Ein Festtag, älter als unsere Zeitrechnung

Die Geschichte von Halloween ist über 5000 Jahre alt und begann bei den damals natürlich noch heidnischen Kelten. Nach ihrem Glauben begann in der Nacht vom 31. Oktober auf den 01. November der Wechsel der Jahreszeiten. Davon gab es im keltischen Kalender genau zwei: den hellen, warmen, fruchtbaren und vor allem lebendigen Sommer sowie den dunklen, kalten und toten Winter. Und damit war dieses Datum viel mehr als nur der Beginn einer neuen Jahreszeit; es war sogleich der Jahreswechsel, die “Samhain“ (übersetzt: “Sommers Ende“) genannte Neujahrsnacht. Doch der elfte Neumond des Jahres, mit dem der Sommer zu Ende ging und der Winter begann, war nicht nur Jahresende, Jahresanfang und eine Art Erntedankfest zugleich, sondern auch die Nacht der Toten. Denn die Kelten waren davon überzeugt, dass in dieser Nacht die Seelen derjenigen, die bereits gestorben waren, noch einmal auf die Erde zurückkehren konnten und würden, da die Welten des Diesseits und des Jenseits nie weniger voneinander getrennt waren – und in dem keltischen Glauben auch heute noch sind – als in dieser einen Nacht.

Halloween – Die Nacht der Lebenden und der Toten

Wie man sich denken kann, sollten Tote und Lebende jedoch nicht unbedingt aufeinander treffen, da die Kelten vor allem daran glaubten, dass die Seelen der Verstorbenen in dieser Nacht eines lebendigen Körpers benötigten. Aus diesem Grund sind zahlreiche Traditionen und Bräuche entstanden, mit denen die Schleier zwischen den Welten zwar gelüftet, aber die Toten gleichzeitig abgeschreckt werden sollten, dem eigenen Haus und vor allem dem eigenen Körper zu nahe zu kommen. Denn natürlich wollte niemand, dass gerade er von einer verstorbenen Seele dazu auserwählt wurde, die Nacht mit ihr zu verbringen. Deshalb und aus dem weit verbreiteten Glauben heraus, dass Geister das Feuer fürchteten, wurden am Vorabend des Samhain vor allem große Getreidefeuer auf den Hügeln bzw. vor der Stadt angezündet. Des Weiteren wurden Speisen und Getränke außerhalb des Hauses aufgestellt, um die Seelen der Toten zwar gastfreundlich willkommen zu heißen, sie aber gleichzeitig, wenn auch weniger gastfreundlich, aber sehr charmant, aus dem eigenen Haus fernzuhalten. Später dann kamen die in Möhren – und heute in Kürbisse – geschnitzten Fratzen hinzu, die den Toten signalisieren sollten, dass in dem jeweiligen Haus schon eine verdammte Seele wohnen würde. Ähnlich erfinderisch zeigten sich die Iren bzw. setzen diese noch eins obenauf. Denn ihnen verdanken wir die heute mehr denn je angesagten schaurig-schönen Grusel-Kostüme. Denn in der Samhain-Nacht versuchten die Iren den Toten so ähnlich wie möglich zu sehen, damit sie nicht als “Lebende“ erkannt wurden. Was heute also die pure Lust am Verkleiden ist, war damals nichts anderes als der Versuch, die Seelen der Toten von der eigenen Person abzulenken und sie in die Irre zu führen.

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Heidnisches Halloween vs. katholischem Allerheiligen-Feiertag

Die heidnischen Traditionen waren der katholischen Kirche natürlich ein Dorn im Auge. Vor allem, da sie sich trotz Christentum und neuer Zeitrechnung oftmals dennoch nicht ausrotten ließen. Das Samhain-Fest war einer dieser hartnäckigen Bräuche, die alljährlich wieder auflebten. Um das Jahr 800 führte Papst Gregor IV. deshalb das Fest “Allerheiligen“ ein, mit dem der Verstorbenen zukünftig gedacht werden sollte. Als schlauer Schachzug wurde Allerheiligen natürlich ebenfalls auf den 1. November gelegt, um durch den christlichen Feiertag die heidnischen Bräuche und Traditionen des Samhain zu eliminieren. Letztendlich wurden sie aber wohl eher christianisiert.

Vom All Hallowed Evening (kurz: All Hallow’s Eve) zu Halloween

Im 16. Jahrhundert prägte die protestantische Kirche den Begriff “All Hallowed Eve“, auch als “All Hallow’s Eve“ bekannt. Von diesem ursprünglichen bis zu seinem heutigen Namen war es nur ein kurzer Schritt, der vor allem den Satanisten zugeschrieben wird. Angeblich waren es die Anhänger des Satans, die den englischen Allerheiligen-Begriff auf das heutige “Halloween“ herunterkürzten. Satanische Wurzeln und Kürzel hin oder her: Während man Halloween in Amerika schon vor langer Zeit zu einem Spektakel ohne spirituellen Hintergrund erhoben hat, erfreut sich die Geister- und Gruselnacht auch in Deutschland seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Frei nach dem Motto: Man muss die Feste feiern wie sie fallen. Und warum auch nicht, denn gerade die Kids lieben Halloween! An diesem einen Tag im Jahr dürfen sie sich nicht nur verkleiden und um Süßigkeiten betteln, sondern auch gleichzeitig den Erwachsenen einen Streich spielen, die ihnen die geforderten Süßigkeiten fieser Weise verwehren. Denn die Warnung ist eindeutig: “Süßes, sonst gibt’s Saures!“