Was versteht man unter Symphysenschmerzen?

In der Schwangerschaft und sogar danach kann es zu Symphysenschmerzen im Bereich des Schambeins kommen. Als Symphyse bezeichnen Mediziner die Knorpelmasse, welche zwei Knochen des Körpers verbindet. Diese Region kann bei Frauen in anderen Umständen starke Beschwerden verursachen.

Nicht mit Wehen zu verwechseln

Symphysenschmerzen sollten aber keinesfalls mit Wehen verwechselt werden. Starke Schmerzen erleiden vorwiegend diejenigen Frauen, die bereits eine oder mehrere Schwangerschaften hinter sich haben. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass auch Erstgebärende betroffen sind.

Manche Frauen bleiben, von solchen Schmerzen im Unterleib ganz verschont. Die genauen Gründe, warum es die eine Frau trifft und die nächste nicht, liegen auf der Hand. Der Körperbau von Frauen ist unterschiedlich. Knochenmasse und Knorpelmasse können stabiler oder auch schwächer und poröser sein. Auch der Ernährungszustand und die körperliche Fitness können bei der Entstehung des Symphysenschmerzes eine Rolle spielen.

Wie kommt es zu Symphysenschmerzen in der Schwangerschaft?

In der Schwangerschaft ändert sich der gesamte Hormonhaushalt der Frau. Denn der Körper stellt sich nun auf diesen Ausnahmezustand ein. Im Unterleib setzt nun ein regelrechter Umbau ein, der Muskeln, Bänder und Sehnen dehnt und den Körper gezielt auf die Geburt vorbereitet.

Symphysenlockerung

Die ausgeschütteten Hormone sorgen für die sogenannte Symphysenlockerung und genau sie ist es, die Beschwerden verursacht. In seltenen Fällen kommt es nach einer Symphysenlockerung sogar zu einer sogenannten Symphysensprengung. Dann bricht die Knorpelverbindung der Schambeinfuge auseinander.

Symphysensprengung

Bei ungefähr jeder tausendsten Geburt kommt es sogar zu einer bedauerlichen Symphysensprengung, die später operativ beseitigt werden muss. Eine Symphysensprengung kann aber nicht nur in der Spätschwangerschaft oder während der Geburt auftreten. Insbesondere bei Verkehrsunfällen kommen solche Verletzungen auch immer wieder vor.

Während der Frühschwangerschaft bleibt die werdende Mutter noch von Symphysenschmerzen verschont. Aber nach der Hälfte der vierzig Wochen, also ab der neunzehnten oder zwanzigsten Woche kommt es bei Betroffenen erstmals zur spürbaren Symphysenlockerung. Denn nun ist das Baby ja schon ganz schön gewachsen und der Druck auf das Schambein nimmt zu. Es ist also die Gewichtszunahme, welche zusätzlich zur Lockerung des Knorpels für Beschwerden sorgen kann.

Wo befindet sich die Symphyse?

Die Symphyse, von der wir bei der schwangeren Frau sprechen, befindet sich in der Schambeinfuge. Dort laufen das rechte und das linke Schambein zusammen. Diese werden in der Mitte von einer normalerweise dichten und festen Knorpelmasse verbunden und zusammengehalten. Eine Symphyse gibt es aber nicht nur am Schambein, sondern überall dort im Körper des Menschen, wo zwei Knochen verbunden werden müssen. Diese spezielle Stelle, deren Dehnung die Ursache für das Ziehen in der Schwangerschaft ist, befindet sich also in etwa in der Höhe der Scham.

Symphysenschmerz: Wie fühlt er sich an?

Betroffene Patientinnen beschreiben ihn als ein Ziehen, das durch Bewegung, aber auch im Ruhezustand auftreten kann. Es kann mehr oder weniger schmerzhaft in den gesamten Unterleib und in den Rücken ausstrahlen. Manche werdende Mamis spüren es deutlicher, so dass ein regelrechter Leidensdruck entsteht. Andere empfinden diese Schmerzen aber auch als leicht. Häufig strahlt der Schmerz auch bis in die Wirbelsäule aus. Die Patientin sollte allerdings von einer Selbstdiagnose und eigenmächtiger Behandlung absehen. Denn ein ähnliches klinisches Bild könnte auch bei einer anderen gesundheitlichen Störung auftreten.

Wann treten Symphysenschmerzen auf?

Häufig treten die Beschwerden erstmals nach in etwa viereinhalb Monaten auf. Es kann aber in seltenen Fällen auch bereits ab dem Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels zu Symptomen wie diesem ziehenden Schmerz kommen. Bei Frauen, die mit Mehrlingen schwanger sind, kann der Symphyseschmerz auch früher eintreten, da sie mehr an Körpergewicht zulegen Mehrere Babys brauchen viel Platz und so kann der Druck auf das Schambein noch größer sein als bei nur einem Baby.

Wann zum Arzt?

Wenn eine Frau ein Baby erwartet und sie einen Schmerz im Unterleib, im Becken oder der Wirbelsäule verspürt, sollte sie die Diagnose keinesfalls selbst stellen. Sie sollte auch niemals ohne Erlaubnis ihres Arztes oder der Hebamme irgendwelche Schmerzmittel oder sonstige Medikamente einnehmen, denn sie setzt die eigene Gesundheit und die des Kindes aufs Spiel. Auch andere Heilmittel wie Kräuterauszüge sollten nicht einfach verwendet werden. Der Arzt ist der richtige Ansprechpartner und nur er kann die Ursache herausfinden und die exakte Diagnose stellen.

Ein Ziehen im Becken, Unterleib oder Rücken kann völlig harmlos sein. Aber es könnte auch eine andere, behandlungsbedürftige Krankheit oder gesundheitliche Störung dahinterstecken. Ist die Diagnose gesichert, so wird der Gynäkologe der Schwangeren eventuell erste Tipps mit auf den Weg geben, um das Leiden zu lindern. Auch die Hebamme ist eine sehr große Hilfe, denn sie kennt die Übungen, die Entlastung für den Beckenboden bringen.

Was tun bei Symphysenschmerzen in der Schwangerschaft?

Nachdem die Diagnose gesichert ist, kann die Schwangere viel dafür tun, dem Beckenboden Entlastung zu verschaffen. Es gibt eine ganze Reihe von Tipps und Tricks, die sehr hilfreich sind. Zunächst sollte sie mit dem Arzt oder der Hebamme die Therapie abklären.

Zum Beispiel das Tragen eines Symphysegurtes für Schwangere kann hilfreich sein und diese Behandlung starke Beschwerden lindern. Der Physiotherapeut bezeichnet diesen stützenden Gurt auch als Orthese.

Außerdem sollte sie ruckartige Bewegungen vermeiden. Auch das Überstrecken und Überdehnen des Körpers, sowie häufiges Bücken kann schmerzhaft sein. Sie sollte sich also angewöhnen, sich kontrolliert, sanft und sehr bewusst zu bewegen.

Unnötiges Treppensteigen sollte sie für ihren Beckenboden genauso vermeiden wie überlange Spaziergänge. Das An- und Ausziehen der Bekleidung sollte sie im Sitzen und nicht mehr im Stehen erledigen.

Abhilfe kann auch durch Yogaübungen und durch spezielle Schwangerschaftsgymnastik geschaffen werden. Frauen. die andere Sportarten betreiben, sollten auf jeden Fall mit ihrem Arzt darüber sprechen. Denn genau wie Hausarbeit oder körperliche Belastung im Job kann auch übertriebene sportliche Betätigung den Schmerz des Schambeins auslösen. Kurze Spaziergänge sind langen Wanderungen vorzuziehen.

Ein warmes, aber nicht zu heißes Bad kann eine Hilfe sein.

Genauso anzuraten ist eine Behandlung mit Rotlicht, wenn der Arzt diese Therapie erlaubt. Manche Patientinnen berichten auch, dass Schwimmen Erleichterung bringt.

Das Rückenschwimmen ist in diesem Fall dem Brustschwimmen vorzuziehen, weil dabei die Beine nicht gespreizt werden müssen.

Im Liegen kann sie das Ziehen in Unterleib und Wirbelsäule selbst lindern, indem sie ein weiches Kissen zwischen die Oberschenkel klemmt. Insbesondere in der Spätschwangerschaft, wenn selbst das Liegen unbequem wird, kann das Kissen dem beanspruchten Becken und der Wirbelsäule sehr helfen.

Auch zur Ernährung in der Schwangerschaft möchten wir hier ein paar Worte sagen. Essen Sie nicht für zwei und achten Sie auf ihr Gewicht. Denn mit zunehmendem Gewicht steigt auch die Gefahr, dass das lästige Ziehen immer wieder auftritt.

Das hilft: Tipps bei Symphysenschmerzen

  • Symphysengurt bzw. Orthese tragen
  • Yogaübungen
  • Rückenschwimmen
  • Schwangerschaftsgymnastik
  • Überdehnen und Überstrecken vermeiden
  • Häufiges Bücken und Stehen vermeiden
  • Kein schweres Tragen
  • Keine ruckartigen Bewegungen
  • Ein warmes Bad hilft
  • Im Sitzen an- und ausziehen
  • Keine langen Wanderungen – kurze Spaziergänge
  • Arzt fragen – Therapie mit Infrarotlicht
  • Keine übermäßige Gewichtszunahme