Eigentlich, so denken viele, essen werdende Mütter in der Schwangerschaft einfach alles, worauf sie Lust haben. Doch die Realität sieht anders aus, denn auf Rohmilchprodukte sollte in der Schwangerschaft verzichtet werden.

Was zählt zu den Rohmilchprodukten?

Zu den Rohmilchprodukten zählt natürlich die so genannte Rohmilch als auch die so genannte Vorzugsmilch. Daneben gibt es verschiedene Käsesorten, die auch Rohmilch hergestellt werden.

Auf diese Käse sollten Sie in der Schwangerschaft verzichten

Schnitt- und Weichkäse aus Rohmilch: Camembert, Brie, Roquefort

Rotschmierkäse (Weichkäse mit Rotschmiere): Berner Bergkäse, Harzer Käse, Limburger, Munster, Reblochon, Romadur, Tilsiter, Taleggio, Weinkäse,

Sauermilchkäse: Harzer Rolle, Handkäse, Bauernhandkäse, Olmützer Quargel, Spitzkäse, Korbkäse, Mainzer Käse, Graukäse, Ennstaler Steirerkäse

Wegen der möglichen Keimbelastung sollten Sie in der Schwangerschaft auch auch Frischkäse, Feta, Schafskäse und Mozarella verzichten wenn diese auf dem Markt oder auf Buffets offen angeboten werden. Vorgefertige Reibekäse bieten Keimen ebenfalls eine große Angriffsfläche und sollten gemieden werden.

Darf ich in der Schwangerschaft Parmesan und Mozarella essen?

Lange gereifte Hartkäsesorten wie Parmesan oder Allgäuer Emmentaler sind unbedenklich. Der durch die lange Reifungszeit bedingte geringe Wassergehalt und der hohe Salzgehalt entziehen den Listerien die Lebensgrundlage.

Wichtig: Vor dem Verzehr Käserinde entfernen!

Da sich auch an der Käserinde gerne Listerien ansiedeln, enfernen Sie diese unbedingt vor dem Verzehr!

Bei verpacktem Mozarella aus dem Supermarkt handelt es sich meist um Mozarella aus pasteurisierter Kuhmilch. Verzichten Sie auf Mozarella der offen auf dem Markt angeboten wird. Anders als beim abgepackten Mozarella können sich Keime hier ungehindert vermehren. Die Variante aus Büffelmilch erkennen Sie meist schon am höheren Preis. Prüfen Sie im Zweifel die Verpackung, bei der Rohmilch-Variante muss der Mozarella entsprechend gekennzeichnet sein.

Warum sind Rohmilchprodukte schädlich fürs Kind?

Rohmilch und Rohmilchprodukte enthalten Listerien. Listerien sind Bakterien, die in fast allen tierischen oder tierisch erzeugten Lebensmitteln zu finden sind. Dadurch jedoch, dass Rohmilch und Rohmilchprodukte im Gegensatz zu anderen, pasteurisierten oder ultrahocherhitzten Milchprodukten während der Verarbeitung auf nicht mehr als 40° Grad erwärmt werden, werden hier die Listerien nicht abgetötet, sondern bleiben in Rohmilchprodukten erhalten und können sich auch während der Lagerung im Kühlschrank noch vermehren können.

Gefahr durch Listerien

Nimmt die werdende Mutter während der Schwangerschaft Rohmilchprodukte zu sich, können die darin enthaltenen Listerien durch die Plazenta zu dem ungeborenen Baby durchdringen und dort erheblichen Schaden anrichten, da das Immunsystem des Säuglings noch nicht auf eine Abwehr dieser Bakterien ausgerichtet ist. Eine Behandlung ist fast unmöglich, da die therapeutischen Möglichkeiten in diesem Fall mehr als begrenzt sind.

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Zu den möglichen Schäden, die eine Infektion mit der so genannten Listeriose während der Schwangerschaft verursachen kann, zählen: Bei einer Infektion mit Listeriose im letzten Schwangerschaftsdrittel kann es zu einer Früh- oder Totgeburt des Babys kommen, bei einer Infektion in einem früheren Schwangerschaftsstadium zu einer Fehlgeburt. Überlebt das Baby die Infektion sind Gehirn- und Gehirnhautentzündung mit geistigen und körperlichen Schäden als auch Organschäden die Folge.

Neben den Listerien können auch weitere, in Rohmilch und Rohmilchprodukten enthaltene Bakterien und Keime wie Escherichia coli-Bakterien, Tuberkulosebakterien oder Salmonellen negative Auswirkungen auf die Gesundheit des im Mutterleib heranwachsenden Kindes haben.

Kennzeichnungspflicht von Rohmilch und Rohmilchprodukten

Kennzeichnung von Rohmilchprodukten Laut EU-Verordnung gilt, dass seit Januar 2006 Rohmilch und Rohmilchprodukte im Handel entsprechend gekennzeichnet sein müssen. Diese Kennzeichnung mit dem Aufdruck “Aus Rohmilch hergestellt“ kann sich auf dem Produkt selbst (zum Beispiel in der Käsetheke), auf der Folie oder der Verpackung finden. Finden sich keine entsprechenden Hinweise, ist davon auszugehen, dass das Produkt aus pasteurisierter Milch hergestellt wurde. An der Käsetheke jedoch gilt: Fragen Sie zur Sicherheit nach! Kann die Verkäuferin keine kompetente Aussage zur Herstellung machen, verzichten Sie lieber auf den Kauf und den Verzehr.

Rohmilchprodukte und ihre Kennzeichnung im Ausland

Rohmilchprodukte müssen seit dem 01. Januar 2006 laut EU-Verordnung gekennzeichnet werden. Für werdende Mütter, die vor der Entbindung noch einmal einen Familienurlaub einplanen, bedeutet das, dass sie auch im europäischen Ausland darauf achten können, keine Rohmilchprodukte zu sich zu nehmen und damit die Infektion ihres ungeborenen Babys mit Listerien verhindern können.

Deutschland: Milch trägt die Aufschrift “Rohmilch“, Rohmilchprodukte hingegen werden mit dem Aufdruck “mit Rohmilch hergestellt“ gekennzeichnet.

Frankreich: Kennzeichnung Milch: “lait cru“, Kennzeichnung von Rohmilchprodukten: “au lait cru“.

Spanien: Kennzeichnung Milch: “leche cruda“, Kennzeichnung von Rohmilchprodukten: “elaborado con leche cruda“.

Italien: Kennzeichnung Milch: “latte crudo“, Kennzeichnung von Rohmilchprodukten: “fabbricato con latte crudo“.

Niederlanden: Kennzeichnung Milch: “rauwe melk“, Kennzeichnung von Rohmilchprodukten: “bereid met rauwe melk“.

Milch- und Milchprodukte: Auf Nummer Sicher gehen

Die meisten im Handel erhältlichen Milch und Milchprodukte werden auf Grund von Qualitätsgründen pasteurisiert oder ultrahocherhitzt, so dass sie in der Regel – mit einer Richtwert von 99% – keimfrei sind. Hierzu zählen Milch, Joghurt, Frischkäse und Quarkprodukte. Frisch- und Schimmelkäse jedoch halten einen optimalen Nährboden für Listerien bereit, so dass es zu einer verspäteten Übertragung kommen kann.

Entsprechend sollten beide innerhalb von 2-3 Tagen nach der ersten Öffnung verbraucht werden. Auch können Bio-Produkte von der Herstellung mit pasteurisierter Milch abweichen und aus Rohmilch hergestellt sein. Achten Sie deshalb auf die Kennzeichnung. Generell unverzichtbar – nicht nur in der Schwangerschaft, aber in dieser Zeit besonders – ist der hygienische Umgang mit Lebensmitteln und insbesondere ihrer Kühlung. Dazu gehört die getrennte Lagerung von rohen und erhitzen Lebensmitteln, die regelmäßige Reinigung des Kühlschranks als auch die regelmäßige Kontrolle seiner Temperatureinstellung von höchstens 6° Grad.