Karneval, Fasching oder Fastnacht stehen nicht nur in der Karnevalshochburg Mainz oder Köln vor der Tür. Definitiv ist die fünfte Jahreszeit nicht jedermanns Sache. Doch was viele Erwachsene oftmals mit einer nachlässigen Handbewegung abtun, ist für Kinder oftmals mindestens so wichtig wie das Warten aufs Christkind. Kinder fiebern dem närrischen Treiben ebenfalls voller Vorfreude entgegen und malen sich oftmals nicht selten bereits Wochen vorher ihre Kostümierung aus. Denn sie lieben es, sich zu verkleiden und dadurch in eine andere Haut und vor allem in eine andere Rolle schlüpfen zu können – und vor allem auch: in diese, ohne mit hochgezogenen Brauen beäugt zu werden, schlüpfen zu dürfen.

Auch wenn man mittlerweile weiß, wie wichtig Rollenspiele gerade für jüngere Kinder sind, scheinen viele Eltern diese Erkenntnis gerade an Karneval zu vergessen. Deshalb passiert es solchen Eltern auch nicht selten, dass sie erst am Sonntagnachmittag vor Rosenmontag in hektischer Eile noch all das zusammenklauben, was irgendwie nach einem Kostüm für ihr Kind aussehen könnte. Und was natürlich leider nicht selten mit Tränen am Abend endet, weil das so genannte Kostüm so gar nicht den Vorstellungen des Kindes entspricht.

Das bedeutet nicht, dass jedes einzelne Kostümierung von vorne bis hinten durchdacht und maßgeschneidert oder teuer gekauft werden muss. Doch es bedeutet, dass das Kind mit entscheiden dürfen sollte, in welche Rolle es an Karneval schlüpfen möchte. Denn Kinder mögen nicht nur das Verkleiden an sich, sondern insbesondere, die Rolle oder die Figur, in die sie schlüpfen, mit Leben zu füllen, sie zu interpretieren und mit all ihren kindlichen Facetten in ihr aufzugehen. Kinder lieben und brauchen es, einmal jemand ganz Anderes sein zu dürfen.

Denn nur so wird aus dem schüchternen kleinen Mädchen eine mutige und heldenhafte Fee, aus dem tollpatschigen Mäuschen eine elegante Prinzessin, aus dem zurückhaltenden kleinen Jungen ein heldenhafter Ritter, und aus dem wenig selbstbewussten Buben ein wagemutiger Superheld oder ein Zauberer mit magischen Kräften. Genau deshalb fördern Rollenspiele – und demzufolge auch das Verkleiden an Fasching oder Karneval – nicht nur Fantasie und Kreativität, sondern vor allem auch soziale Kompetenzen und Selbstbewusstsein.

Wer also noch immer kein Kostüm für Söhnchen oder Töchterchen hat, sollte die verbleibende Zeit bis zum Rosenmontag – oder wann auch immer die erste Kostümierung in Kindergarten oder Schule ansteht – nicht weiter abwartend vertrödeln, sondern damit beginnen, nicht das perfekte, aber das kreative und vor allem gemeinsam durchdachte Kostüm zu planen und zusammenzustellen. Und womit mag diese Planungsphase wohl beginnen?

Richtig: Fragen Sie Ihr Kind, als was es sich zu Karneval verkleiden möchte. Denn dieser Wunsch sollte Ihnen die Richtung vorgeben – ganz gleich, ob Sie persönlich Karneval hassen oder nicht. Ihr Kind liebt es, und Sie lieben Ihr Kind. Also: Worauf warten Sie noch? Machen Sie den oder die Kleine glücklich!