Circa 5% aller Kinder kommen mit abstehenden Ohren, so genannten Segelohren zur Welt. Dabei handelt es sich nicht einfach um eine Laune der Natur, sondern zumeist zum Leidwesen der Begünstigten um Vererbung. Denn: Die Form der Ohren wird ebenso weitergegeben wie viele andere kleine Merkmale, die später einmal zu einem unverwechselbaren Markenzeichen der eigenen Persönlichkeit werden können.

Trotzdem: Nicht jeder möchte oder kann mit einem solch herausragenden Körpermerkmal leben oder möchte auf dieses reduziert werden. Gerade in jungen Jahren können äußerliche Abweichungen von der Norm für ungewollten Spott und verletzenden Hohn sorgen. Abstehende Ohren gehören zu diesen äußerlichen Abweichungen leider dazu.

Eltern stehen deshalb oft vor der Frage, wie viel sie der kleinen Kinderseele zumuten können. Abstehende Ohren anlegen lassen? Wird der Nachwuchs seine Ohren später mögen oder unter ihnen leiden? Ist die Abweichung in der ästhetischen Wahrnehmung ein Grund für einen operativen Eingriff? Und wenn ja, wann sollte dieser am besten durchgeführt werden? Welche Risiken gehen damit einher?

Sind die abstehenden Ohren schon beim Neugeborenen zu erkennen, fällt die Entscheidung meistens leichter. Denn in solchen Fällen können individuell angepasste Verbände das Ohr in den ersten Lebenswochen des Kindes noch in die richtige Position rücken. Ein kleiner Aufwand mit einer großen Wirkung – und vor allem ganz ohne Vollnarkose und Skalpell. Ist das Kind jedoch bereits älter kommt es um einen operativen Eingriff nicht herum.

Die medizinischen Gründe für einen operativen Eingriff

Es gibt keine! Abstehende Ohren sind nichts anderes als eine Abweichung vom gängigen Schönheitsideal. Die veränderte Ohrform nimmt dabei keinen Einfluss auf das Hörvermögen des Kindes. Aus medizinischer Sicht gibt es also kein Argument, das für einen operativen Eingriff sprechen würde. Nichtsdestotrotz gehört das Anlegen der Ohren seit einigen Jahren zu den am häufigsten durchgeführten operativen Eingriffen, für die es jedoch nicht immer einen plastischen Chirurgen braucht, sondern die auch von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten, Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen oder “einfachen“ Kinderchirurgen getätigt werden können. Wichtig sind einzig und allein die Erfahrung und die Routine, die derjenige, der das Anlegen der Ohren vornehmen wird, mit dieser Art von Eingriff hat.

Abstehende Ohren: Die psychologischen Gründe für einen operativen Eingriff

Aus psychologischer Hinsicht gibt es natürlich Gründe, die für eine operative Korrektur der abstehenden Ohren beim Kind sprechen können. Insbesondere ab Kindergarten- und Schulpflichtalter können abstehenden Ohren für das Kind zum Problem werden. Denn gerade Kinder haben eine Antenne für Auffälligkeiten, prägen sich diese besonders gut ein und finden ganz schnell eine Entsprechung aus der Welt, die ihnen bereits vertraut ist.

Da wird der Junge mit den abstehenden Ohren ganz schnell zum fliegenden Elefanten “Dumbo“, das Mädchen mit den vielen Sommersprossen zu  “Pippi Langstrumpf“, und das Kind mit der Brille klassischerweise zur “Brillenschlange“.

Je nach Beliebtheit des betroffenen Kindes steckt dahinter nicht immer eine böse Absicht, sondern manchmal auch nur eine lieb gemeinte Neckerei. Dennoch: Die Kinderseele leidet, da die gesamte kleine Person auf dieses eine hervorstechende Merkmal reduziert wird. Steckt hinter den Spitznamen absichtliche Bosheit kann aus dem sonst so fröhlichen Kind sogar eine unsichere kleine Person werden, die sich für ihr Aussehen schämt, Angst vor anderen entwickelt, deshalb am liebsten nicht mehr aus dem Haus gehen würde und sich offen oder insgeheim nichts sehnlicher wünscht als so zu sein und so auszusehen wie die anderen Kinder. Natürlich ist das alles auch immer eine Frage, wie die Eltern ihr Kind unterstützen und bestärken. Fakt jedoch ist: Nicht jeder erträgt Kommentare zu seinem Aussehen mit stoischer Gelassenheit. Kinder am allerwenigsten!

Das Vorgespräch

Gerade weil das Anlegen der Ohren streng genommen zu den Schönheitsoperationen zählt, sollten Eltern einen erfahrenen und routinierten Chirurgen aufsuchen, und detailiert mit ihm durchsprechen, wie sie sich das Ergebnis nach der OP vorstellen. Insbesondere, um herauszufinden, was überhaupt machbar ist und was nicht.

Denn oftmals gehen die Erwartungshaltungen nicht nur über die Möglichkeiten hinaus, sondern sind auch bei Chirurg, Eltern und Kind komplett verschieden. Damit das Ergebnis von Anfang an zufrieden stellend ist und um eine eventuelle Korrektur-OP als Folge zu vermeiden, hilft es, im Vorfeld all diese Dinge abzuklären. Ebenfalls sollten die Eltern rechtzeitig mit ihrer Krankenkasse in Kontakt treten, denn in der Regel wird die ästhetische Korrektur der Ohren von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen. Es sei denn, die Ohrmuscheln sind stark fehlgebildet. Gleiches gilt für privat Versicherte. Denn gerade bei den privaten Krankenkassen liegen keinerlei Bestimmungen vor, was sie übernehmen müssen und was nicht.

Der Eingriff

Für das Anlegen der Ohren gibt es zahlreiche Operationsmethoden, die sich nach der jeweiligen Form der Ohren und vor allem danach richten, warum sie eigentlich abstehen. Ist die Antihelixfalte der Auslöser? Steht vielleicht nur das Ohrläppchen ab? Oder ist die Ohrhöhle zu groß? Je nach Ursache variiert auch die Operationsmethode.

Generell ist jedoch davon auszugehen, dass jeder Eingriff pro Ohr ca. eine Stunde dauert und unter Vollnarkose durchgeführt wird. Sowohl bei kleinen als auch bei größeren Kindern oder Erwachsenen. Trotzdem können die Patienten schon am Tag der Operation wieder zurück nach Hause, sofern keine Komplikationen auftreten. Erfahrungsgemäß gehört das Anlegen der Ohren nicht zu den Eingriffen, die eine Vielzahl an Risiken in sich bergen oder Komplikationen nach sich ziehen. Dennoch kann es je nach Anlage zu Nachblutungen und Störungen in der Wundheilung kommen.

Auch wenn die chirurgische Korrektur der Ohren generell in jedem Alter möglich ist, sind sich Mediziner und Psychologen darüber einig, dass das beste Alter für Kinder kurz vor ihrer Einschulung liegt. Medizinisch gesehen ist das Alter von etwa sechs Jahren deshalb so geeignet, weil das Ohr fast ausgereift ist und dementsprechend kaum noch wächst. Trotzdem ist der Knorpel zu diesem Zeitpunkt noch weich genug, um sich ohne größere Eingriffe verformen zu lassen. Psychologen befürworten das Anlegen der Ohren vor der Einschulung, da somit der neue Lebensabschnitt als Schulkind beginnen kann, ohne dass das Kind auf Grund seines Aussehens Angst vor seinen neuen Mitschülern und ihrem Spott haben muss.

Die Nachbehandlung

Natürlich bringt jeder operative Eingriff Schmerzen mit sich – auch im Fall der Korrektur von abstehenden Ohren. Die Schmerzen halten ein paar Tage an,  und können mit schmerzlindernden und für Kinder geeigneten Mitteln abgeschwächt werden. Zusätzlich werden die Wunden in der ersten Woche durch einen Verband, in den darauf folgenden Wochen durch ein Stirnband geschützt. Das Schlimmste ist aber bereits nach wenigen Tagen schon wieder überstanden.