In den ersten Wochen und Monaten ihres Lebens benötigen Babys ausschließlich Muttermilch. Sie enthält am Anfang alles, was das Kind für eine gesunde Entwicklung braucht. Während der ersten Monate der Stillzeit bleiben Kinder folglich komplett breifrei. Doch dann kommt eines Tages der Zeitpunkt, an dem das Baby bereit ist, zusätzlich zur Milch auch feste Kost zu sich zunehmen. Wann das genau ist, wird Ihr Kind Ihnen signalisieren – und zwar mit Hilfe der sogenannten Beikostreifezeichen.

Was sind eigentlich Beikostreifezeichen?

Hinter diesem vermeintlich komplizierten Begriff verbergen sich ganz einfach bestimmte Signale, die Ihnen Ihr Kind sendet, wenn es beikostreif ist. Und es zeigt Ihnen damit: Jetzt ist es Zeit, jetzt bin ich bereit und würde gerne auch mal etwas feste Nahrung probieren. Wie der Begriff Beikostreife schon sagt, verlangt der Beikostbeginn eine bestimmte Reife. Das bedeutet, Ihr Nachwuchs muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt in der Lage zu sein, ein Löffelchen Brei aufzunehmen.

Die meisten Kinder erfüllen die Bedingungen für den Beikostbeginn mit etwa sechs Monaten. Das ist aber lediglich ein Durchschnittswert. Und es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass Babys in diesem Alter noch gar kein Interesse an Beikost zeigen. Für Sie also kein Grund, beunruhigt zu sein.

Manch ein Baby erreicht die Beikostreife vielleicht erst im neunten Lebensmonat, andere bereits mit fünf Monaten. Beobachten Sie die Entwicklung Ihres Kindes ganz in Ruhe. Übereifer ist beim Thema Beikostbeginn am Anfang jedenfalls völlig fehl am Platze.

Viele Babykosthersteller vermitteln frühen Beikoststart

Warum der Start ab dem 4. Monat aber gar nicht empfehlenswert ist

Wenn Sie beim Einkaufen den Blick über die Regale schweifen lassen, werden Sie vielleicht verunsichert sein. Viele Hersteller werben auf ihren Gläschen mit Babybreien damit, dass die Produkte bereits für Kinder ab dem vierten Lebensmonat geeignet sind. Hier gilt: Bitte keinen Stress! Ihrem Schatz wird es sicher an nichts fehlen, wenn Sie mit der Beikosteinführung den einen oder anderen Monat später beginnen.

Im Gegenteil. Je länger Sie stillen, umso besser. Wenn Sie während der Stillzeit voreilig mit dem Füttern von Babynahrung beginnen, kann sich das sogar negativ auswirken. Manche Zusätze in Fertigprodukten – beispielsweise Kuhmilch – ebnen den Weg für Nahrungsmittelallergien und Unverträglichkeiten, vor allem, wenn Sie selbst als Eltern entsprechend vorbelastet sind.

Auch Zucker steht unnötigerweise nur allzu oft auf der Zutatenliste. Das empfindliche Verdauungssystem Ihres Kindes wird durch einen verfrühten Beikostbeginn schlicht und einfach unnötig belastet. Sie dürfen also bei derartigen Empfehlungen davon ausgehen, dass hier kommerzielle Beweggründe eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Es ist besser, wenn der Baby-Speiseplan in den ersten sechs Monaten breifrei bleibt.

Eine frühzeitige Beikosteinführung hat übrigens auch keinen Einfluss darauf, ob Ihre Kinder länger oder besser schlafen. Ein paar Löffelchen Obst- oder Getreidebrei machen sie am Anfang nicht satter!

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Die Beikostreifezeichen: Woran können Eltern sie erkennen?

Die Sitzhaltung

Wer nicht im Sitzen isst, der verschluckt sich leichter. Diese im Grunde allgemeine Aussage lässt sich durchaus schon auf die Allerkleinsten übertragen. Denn die Fähigkeit, aufrecht sitzen zu können, ist wichtig und eine Voraussetzung dafür, um beikostreif zu sein. Das bedeutet nicht, dass Ihr Nachwuchs bereits ganz frei sitzen muss – das können die meisten Kinder ohnehin erst mit einem Dreivierteljahr. Das Baby sollte Kopf und Oberkörper stabil kontrollieren und mit etwas Unterstützung bequem auf Ihrem Schoß sitzen können.

Ein Tipp: Wenn Sie verunsichert sind, dann schauen Sie, ob Ihr Nachwuchs sich bereits selbst in die Bauchlage und wieder zurück drehen kann. Das ist ebenfalls ein Hinweis auf eine entsprechende Stabilisierung der Muskulatur.

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Hand-Mund-Koordination

Das Zusammenspiel von Hand und Mund ist wichtig: Wer etwas essen möchte, greift mit der Hand danach und steckt sich die Nahrung in den Mund. Wenn Ihr Baby es schafft, seine Hände, die Augen und den Mund entsprechend zu koordinieren, ist dies ein weiteres Beikostreifezeichen.

Zungenstoßreflex

Der sogenannte Zungenstoßreflex ist verschwunden: Dieser Reflex schützt Babys davor, Fremdkörper aufzunehmen. Solange das Kind nicht bereit ist, einen „Fremdkörper“ wie ein Löffelchen mit Brei in seinem Mund zu dulden, sollten Sie noch abwarten. Es ist einfach noch nicht beikostreif. Es hat keinen Zweck, Fütterungsversuche zu beginnen, wenn Ihr Schatz den Löffel reflexartig mit der Zunge wieder hinausschiebt.

Darmreife

An den Zungenstoßreflex gekoppelt ist die sogenannte Darmreife. Lässt dieser Reflex nach, ist dies ein Signal, dass auch die Darmflora in der Lage ist, etwas anderes als Muttermilch zu verdauen. Entsprechend ist dies ebenfalls in der Regel erst um den sechsten Lebensmonat herum der Fall.

Kaubewegungen

Ihr Kind macht Bewegungen, als würde es Nahrung zerkauen – auch, wenn es noch gar keine Zähne hat. Ein weiteres Beikostreifezeichen.

Interesse am Essen

Wenn Sie am Familientisch sitzen und essen, beobachtet Ihr Nachwuchs Sie genau. Am liebsten möchte er schon nach Ihrer Mahlzeit greifen und sich etwas davon ins Mündchen stecken.

Was sind keine Beikostreifezeichen?

Am Anfang mag es Ihnen schwierig erscheinen, die Signale Ihres Kindes zu erkennen. Um Verwechslungen auszuschließen, sind hier einige Merkmale, die nicht auf eine Beikostreife hindeuten.

  • Ihr Sohn oder ihre Tochter schauen Ihnen neugierig bei den Mahlzeiten zu. Mit dem Essen möchten er oder sie aber lieber spielen als es zu probieren. Warten Sie noch ab!
  •  Auch Schmatzgeräusche sind kein Zeichen für Beikostreife. Das gilt auch, wenn Ihr Nachwuchs an den Händchen nuckelt und lutscht.
  • Ihr Schatz wächst nicht mehr so schnell und möchte weniger schlafen: Um den vierten Monat herum ist dies eine ganz normale Entwicklungsphase. Mit dem Wunsch nach einem veränderten Nahrungsangebot hat dies nichts zu tun. Der Speiseplan sollte weiterhin breifrei bleiben.

Beikost zu früh eingeführt? Was jetzt?

Eine voreilige Einführung der Beikost kann mehr schaden, als dass sie zu einer gesunden Entwicklung beiträgt. Allergien, Nahrungsunverträglichkeiten und Verdauungsstörungen können die Folge sein, wenn das empfindsame Verdauungssystem ihres Babys überfordert wird. Im ersten Lebenshalbjahr sollte die Ernährung daher möglichst breifrei bleiben.

Davon unhabhängig gilt es daran zu denken, dass Brei & Co. während der Stillzeit tatsächlich zunächst nur eine „Beigabe“ sind. Sie sind erst einmal zum Probieren gedacht, nicht zum Sattmachen. Muttermilch oder Fläschennahrung bleiben im ersten Lebensjahr Ihres Kindes wichtiger Bestandteil seines „Menüplans“.

Durch einen frühen Beikostbeginn schlafen Kinder auch nicht besser!

Haben Sie einmal mit Beikost angefangen und Ihr Baby toleriert den Brei, macht plötzliches „Zurückrudern“ allerdings keinen Sinn. Auch dann nicht, wenn Sie bemerken, dass der Zeitpunkt vielleicht zu früh gewählt wurde und Ihr Nachwuchs noch nicht beikostreif ist. Setzen Sie die Beikosteinführung fort, aber bewusst und ganz in Ruhe. Vergessen Sie ausreichendes Stillen nicht! Muttermilch bleibt auch weiterhin ein wichtiger Faktor!

Fazit

Gehen Sie die Einführung der Beikost bitte möglichst gelassen an: Geben Sie sich und Ihrem Nachwuchs Zeit. Das ist wichtig, denn in den ersten sechs Monaten seines Lebens benötigt Ihr Baby in aller Regel noch keinen Brei. Durch Muttermilch oder alternativ auch Pre-Nahrung erhält Ihr Schatz während der Stillzeit alles, was er für eine gesunde Entwicklung benötigt. Beobachten Sie ihr Baby genau. Sobald es für Brei und Co reif ist, wird es Ihnen durch die entsprechenden Beiskostreifezeichen signalisieren.

Wenn Sie verunsichert sind und nicht wissen, ob Ihr Sohn oder Ihre Tochter beikostreif sind oder nicht, warten Sie lieber noch etwas ab. Den richtigen Zeitpunkt „verpassen“ können Sie nicht. Nicht selten benötigen Kinder einfach noch länger Zeit, bevor sie festere Nahrung probieren möchten. Schaden richten Sie höchstens durch zu große Ungeduld an, denn das empfindliche Verdauungssystem Ihres Babys könnte sonst gestört werden. Auch durch Etiketten auf Babygläschen sollten Sie sich nicht irritieren lassen.

Letzte Aktualisierung am 6.04.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API