Auch wenn sich Krebs-Erkrankungen mittlerweile als Zivilisationskrankheit darstellen und es den Anschein erweckt, als würde es früher oder später jeden treffen, ist die Diagnose “Myom“ noch lange kein Grund, in Panik zu verfallen. Denn: Zuerst einmal ist ein Myom nichts weiter als eine Wucherung an der Gebärmutter – genauer gesagt in der Muskelschicht der Gebärmutter. Nicht mehr und nicht weniger.

Klar gehört diese Wucherung dort nicht hin, entwickelt sich aber im Gegensatz zu Krebszellen aus einer einzigen Muskelzelle heraus. Und das bedeutet: Von rund 300 diagnostizierten Myomen ist nur eines bösartig. Bei den restlichen rund 299 anderen Myomen handelt es sich um gutartige Wucherungen, die auch nur dann von den Frauen selbst bemerkt und als störend empfunden werden, wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben und andere Organe wie beispielsweise die Blase, den Darm oder die Nieren in ihrer Funktion beeinträchtigen und in Folge dessen auch Schmerzen verursachen.

Kurz noch einmal zum eindringlichen Verständnis: Nur in 0,5% aller Fälle der Myom-Diagnose handelt es sich um ein bösartiges Myom und damit um einen bösartigen Tumor. Und da diese Zahl wirklich gering ist, gibt es auch erst einmal keinen Grund, in Panik zu verfallen.

Myome – Dinge, die die Welt nicht braucht

Myome – oder auch Gebärmuttergeschwülste – gehören zweifelsohne zu den Dingen, die die Welt nicht braucht, insbesondere deshalb, weil es bisher auch noch nicht gelungen ist, herauszufinden, worin Myome ihre Ursache haben. Dementsprechend unmöglich ist eine Vorbeugung. Myome kann man also weder verhindern noch ihnen in irgendeiner Form aus dem Weg gehen.

Bisher ist nur bekannt, dass Myome sich aus einer normalen Muskelzelle der Gebärmutter entwickeln. Das Warum ist unklar, das Wie hingegen zeigt, dass genau an diesen Stellen immer eine erhöhte Wachstumsneigung nachgewiesen werden kann. Diese Wachstumsneigung erhöht sich insbesondere durch die weiblichen Östrogene, die für Myome so etwas wie ihr Energielieferant sind. Genau deshalb werden Myome auch gerne als  “hormonabhängige Tumore“ bezeichnet und treten häufig in der Schwangerschaft auf. In diesen besonderen Fällen erhöht ein sonst erst einmal harmloses Myom auf Grund einer erhöhten Wehenbereitschaft leider das Risiko für eine Fehl- oder Frühgeburt und kann, wenn es sehr tief in der Gebärmutter sitzt, sogar hinderlich für die natürliche Geburt des Babys sein.

Am häufigsten betroffen: Frauen zwischen 35 und 50 Jahren

So unnütz Myome sind, so häufig sind sie leider auch. Etwa ein Drittel aller Frauen, die zwischen 35 und 50 Jahre alt sind, haben oder hatten schon einmal ein oder mehrere dieser Wucherungen. Nicht alle davon erfordern jedoch eine Behandlung. Die Erfordernis hängt immer davon ab, wo sich das Myom angesiedelt hat, wie groß es ist, wie schnell es wächst und natürlich davon, ob es Beschwerden verursacht. Dementsprechend unterschiedlich kann auch die Behandlung sein. Dazu jedoch später mehr.

Vor dem 25. Lebensjahr treten Myome in der Gebärmutter eher selten auf, bei Mädchen, die noch nicht in der Pubertät sind, sogar gar nicht. Das liegt vor allem daran, dass Myome Östrogene brauchen, um entstehen und wachsen zu können. Diese werden im weiblichen Körper jedoch erst mit Eintritt in die Geschlechtsreife in den Eierstöcken und auch nur so lange, bis die Frau in der Menopause ist, produziert. Kinder sind vor Myomen also bis zum Eintritt in die Pubertät erst einmal geschützt, ebenso wie Frauen, die nichts mehr mit Menstruation & Co. am Hut haben.

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Genetik bei der Entstehung von Myomen einen maßgeblichen Einfluss zu haben scheint. So haben Untersuchungen ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der unerwünschten Geschwülste wesentlich häufiger ist bei Frauen, bei denen auch schon die Mütter von Myom-Bildungen betroffen waren.

Myom oder nicht Myom – das ist hier die Frage

Myome verursachen oftmals keinerlei Beschwerden, so dass viele Frauen zwar eine Wucherung in ihrer Gebärmutter haben, davon aber gar nichts wissen. Solange das Myom keinen Stress macht, ist das auch nicht weiter schlimm. Selbst dann nicht, wenn es zufällig im Rahmen der regelmäßigen Untersuchung beim Frauenarzt entdeckt und diagnostiziert wird. Es sollte dann nur alle drei bis sechs Monate kontrolliert werden, um seine Entwicklung im Auge behalten zu können.

Handlungsbedarf besteht, wenn die Wucherung nicht nur sehr groß ist, sondern auch sehr schnell wächst und so unmittelbar auf andere Organe Einfluss nimmt, Zyklusstörungen verursacht oder aber beim Sex mit Schmerzen reagiert. Myome können in der Tat nicht selten bis zu einer Größe von 30 Zentimetern – und damit bis zu der Länge eines normalen Lineals – heranwachsen, im weit fortgeschrittenen Fall sogar den Bauchraum fast vollständig ausfüllen und somit den Anschein erwecken, als sei man hochschwanger.

Wie aber herausfinden, ob die Schmerzen, die man hat, wirklich auf ein Myom als Übeltäter zurückzuführen sind? Die Antwort ist ganz einfach: Achten und hören Sie auf Ihren Körper. Insbesondere dann, wenn Ihr Zyklus durcheinander gerät und/ oder die Regelblutung wesentlich stärker ausfällt als normalerweise, wenn Ihre Fruchtbarkeit beeinträchtigt zu sein scheint oder auch, wenn Sie unter Blutarmut leiden. Ebenso, wenn Sie verstärkten Harndrang oder Verstopfungen haben. Gleiches gilt für Harnwegs- oder Niereninfektionen. Auch Rückenschmerzen oder wiederholte Ischias-Beschwerden können mit einem Myom zusammenhängen.

Allerdings: Die meisten behandlungsbedürftigen Myome treten erst auf, wenn man älter als 45 Jahre ist. Eigentlich logisch, denn bis dahin hatten sie genügend Zeit, um zu entstehen und vor allem, um zu wachsen.

Die Behandlungsmethoden bei einem Myom

Da es sich bei einem Myom zumeist um eine gutartige Wucherung handelt, sind die Behandlungsmethoden entsprechend vielfältig – auch ohne Operation. Sind die Geschwülste jedoch sehr zahlreich vorhanden und wachsen zudem sehr schnell, dann ist die operative Entfernung der Gebärmutter, die sogenannte Hysterektomie – vor allem, wenn es sich noch dazu um bösartige Myome handelt –, oftmals die letzte Möglichkeit, dem Geschehen im Körperinneren Herr zu werden. Doch dies ist wirklich der letzte Schritt, der niemals leichtfertig, sondern nur dann durchgeführt wird, wenn die Gebärmutter beim besten Willen nicht erhalten bleiben kann.

Bei gutartigen und nicht allzu großen Myomen bieten sich vorab andere Methoden an.  Angefangen bei der Ausschälung über die Embolisation oder die MRT-gelenkte fokussierte Ultraschallbehandlung bis hin zur Hormontherapie. Allerdings: Jede dieser Methoden ist abhängig von der Größe, der Lage und der Anzahl der Geschwülste.

Die Ausschälung – auch Spiegelung oder Enukleation genannt

Liegt nur ein einzelnes Myom vor, wird zur Behandlung häufig die Spiegelung oder Enukleation eingesetzt, mit der die Wucherung aus der Gebärmutter herausgeschält wird, ohne den Uterus selbst in seiner Funktion zu beeinträchtigen. Einer späteren Schwangerschaft steht nach einer solchen Behandlung also in der Regel nichts im Wege. Denn: Die Gebärmutter bleibt vollständig erhalten und in ihrer Funktion unangetastet.

Bei dieser Ausschälung handelt es sich um einen kleinen operativen Eingriff, der als einfach und risikoarm gilt. Allerdings gibt es hier verschiedene Verfahren, die davon abhängig sind, wo genau in der Gebärmutter das Myom sitzt. So kann die Ausschälung über eine Bauchspiegelung (im medizinischen Fachbegriff: Laparoskopie), eine Gebärmutterspiegelung (im medizinischen Fachbegriff: Hysteroskopie) oder über einen Bauchschnitt (im medizinischen Fachbegriff: Laparotomie) erfolgen.

Vorteil der Therapie: Sie gilt als einfach, risikoarm und in den meisten Fällen als dauerhaft erfolgreich. Zudem bleibt die Gebärmutter erhalten und vor allem auch gebärfähig.

Nachteil der Therapie: Sie ist nur bei einem einzelnen Myom anwendbar.

Die Embolisation

Die Myom-Embolisation gilt als nicht-operatives Verfahren zur Behandlung der unerwünschten Wucherungen, ist aber dennoch minimal-invasiv und macht deshalb auch einen etwa zwei- bis dreitägigen Krankenhausaufenthalt erforderlich.

Ziel der Embolisation ist es, die Blutgefäße, die das Myom mit Blut versorgen, zu veröden und so der Geschwulst keine Möglichkeit zu geben, weiter zu wachsen. Im Gegenteil: Das Myom wird dazu angeregt, sich quasi rückwärts zu bewegen und zu schrumpfen.

Dafür wird ein dünner Katheter in die Beckenarterie (auch: Leistenschlagader) eingeführt, mit dessen Hilfe Kunststoffkügelchen zu genau den Blutgefäßen geführt werden, die das Myom in der Gebärmutter mit Blut versorgen. Die Kunststoffkügelchen veröden diese Gefäße und schneiden der Wucherung so ihre Nährstoffquelle ab.

Auch wenn sich die Symptome schon einen Monat nach der Behandlung bessern, braucht es insgesamt zwischen drei bis sechs Monate, bis das Myom seine maximale Schrumpfung erreicht hat und/ oder komplett abgestoßen wird.

Vorteil der Therapie: Sie erfordert keine Vollnarkose und bringt bei 80 bis 90 Prozent der behandelten Frauen den gewünschten Effekt.

Nachteil der Therapie: Sie macht einen zwei- bis dreitägigen Krankenhausaufenthalt erforderlich und kann in den ersten Stunden nach dem Eingriff zu Krämpfen, Schmerzen, Fieber und Infektionen führen. Auch kann es passieren, dass die Gebärmutter während der Embolisation verletzt wird.

Der MRT-gelenkte fokussierte Ultraschall

Der MRT-gelenkte fokussierte Ultraschall gilt als moderne und vor allem als nicht-invasive Methode in der Myom-Therapie, kann allerdings nur dann zum Einsatz kommen, wenn die Wucherung günstig platziert ist und ihr Umfang nicht mehr als acht Zentimeter beträgt.

Wie der komplizierte Name bereits vermuten lässt, findet diese Behandlung in einem MRT (einem Magnetresonsanztomographen) statt, mit dessen genauen Aufnahmen die exakte Lage und Dichte des Myoms sichtbar wird und die es ermöglichen, die Ultraschallwellen gezielt auf die Gebärmuttergeschwulst auszurichten. Denn mit Hilfe der Ultraschallwellen wird das Myom weggeschmolzen. Das dauert natürlich seine Zeit, da zwischen den einzelnen Ultraschallwellen immer wieder Phasen der Abkühlung einkalkuliert werden müssen. Insgesamt ist bei dieser Art der Behandlung mit einer Dauer von ca. drei Stunden zu rechnen.

Vorteil der Therapie: Sie greift bei einzelnen Myomen und hat eine hohe Aussicht auf Erfolg.

Nachteil der Therapie: Sie ist nicht ganz schmerzfrei und kann mit leichten Verbrennungen einhergehen.

Die Hormontherapie

Die Behandlung von Myomen mit Hilfe der Hormontherapie ist ebenfalls nicht bedingungslos anwendbar und wird meistens bei Frauen eingesetzt, deren Eintritt in die Wechseljahre unmittelbar bevorsteht. Denn: Innerhalb der Hormontherapie werden dem Körper Anti-Östrogene zugeführt, die ihm vortäuschen, bereits in den Wechseljahren zu sein.

Durch die zugeführten Anti-Östrogene und Gestagene verliert das Myom seinen Nährboden und wird dazu veranlasst, wieder zu schrumpfen.

Vorteil der Therapie: Sie gilt als sanft.

Nachteil der Therapie: Sie wird bei jüngeren Frauen selten eingesetzt, da das Myom nach Absetzen der Anti-Östrogene unter Umständen sein Wachstum erneut aufnimmt.

Die Hysterektomie

Der letzte Ausweg aus den Wucherungen der Myome ist definitiv die Hysterektomie, also die operative Entfernung der Gebärmutter. Ein Schritt, der eine Vielzahl an Konsequenzen nach sich zieht und deshalb gerade bei jüngeren Frauen konsequent zu vermeiden versucht wird. Einfach, damit sich der Kinderwunsch trotz Myom doch noch erfüllen kann – ganz gleich, ob früher oder später.

Auch ist es in der Regel so, dass bei Frauen unter 50 Jahren bei einer Hysterektomie nur die Gebärmutter, nicht aber die Eierstöcke entfernt werden, wenn diese noch einwandfrei funktionieren. Damit bleibt der Hormonhaushalt so stabil wie möglich, auch wenn die monatlichen Blutungen nach einer Gebärmutterentfernung verständlicherweise ausbleiben.

Das Fazit

So unerwünscht sie ist und so lästig sie sein kann, die Diagnose Myom ist keine Seltenheit. Jede dritte Frau trägt eine solche Gebärmuttergeschwulst in sich – meistens erst einmal unbemerkt.

Um Myome im Auge behalten zu können, ist es deshalb ratsam, die frauenärztlichen Untersuchungen ernst zu nehmen und regelmäßig durchführen zu lassen. So kann ein Myom zwar immer noch relativ unbemerkt entstehen, aber langfristig nicht unkontrolliert wachsen. Doch auch, wenn es wächst und für Beschwerden sorgt, sind diese Wucherungen in der Regel gutartig und können auf verschiedene Arten und Weisen behandelt werden, ohne dass gleich das Schreckgespenst der Gebärmutterentfernung über einem schwebt.

Myome gehören zum Frau-Sein anscheinend fast genauso dazu wie die monatliche Blutung. Und die ist manchmal mindestens genauso lästig, oder?

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