Manchmal haben es Kinder eiliger ihre Ein-Zimmer-Wohnung in Mamas Bauch zu verlassen als es der werdenden Mutter lieb ist. Dazu gehört natürlich eine Frühgeburt, die des Öfteren vorkommt, aber auch eine Sturzgeburt, die zu den selteneren und vor allem unerklärlichen Phänomenen der Schwangerschaft gehört.

Bei einer Sturzgeburt wird oft auch von einer “Spontangeburt“ gesprochen. Die zweite Namensgebung unterstreicht dabei, dass diese Schnell-Geburt, in der alle Regeln des natürlichen Geburtsverlaufs außer Kraft gesetzt werden, fast nicht vorherzusagen ist. Bisher beobachtet werden konnte lediglich, dass eine Sturzgeburt

  • häufiger bei Schwangeren auftritt, die bereits mehrere Kinder zur Welt gebracht haben, und bei der sich in Folge kurzer Schwangerschaftsabstände die Gebärmutter nicht richtig zurückbilden konnte und das Bindegewebe insgesamt sehr weich und elastisch ist
  • bei Erstgebärenden auftritt, wenn die Schwangerschaft verdrängt bzw. ausgeblendet wurde oder die ersten Wehen falsch gedeutet wurden, da sie zu weit auseinander lagen
  • sehr kleine Säuglinge eher via Sturzgeburt auf die Welt kommen als ein normal entwickeltes und durchschnittlich großes Kind

Viele Frauen würden sich wahrscheinlich wünschen, von den ersten Wehen gar nichts mitzubekommen und von Null auf Hundert in weniger als zwei Stunden ihr Kind zur Welt zu bringen. Doch gerade eine Sturzgeburt – auch wenn in den meisten Fällen alles gut geht – ist nicht risiko- oder komplikationslos. Ebenso sind die ohne Vorwarnung einsetzenden Presswehen um ein Vielfaches schmerzhafter, da die Geburt nicht optimal durch den Körper der Frau vorbereitet werden konnte. Zu den Risiken einer Sturzgeburt gehören:

  • Nicht rechtzeitiges Erreichen von Krankenhaus, Geburtshaus oder Hebamme
  • Geburt des Babys im Fahrstuhl, im Treppenhaus oder sonst denkbar ungeeigneten Orten
  • Mangelnde Versorgung des Säuglings nach der Geburt
  • Verwicklungen der Nabelschnur um den Säugling
  • Nabelschnur-Komplikationen insgesamt
  • Sauerstoffmangel des Kindes
  • Platzen von Blutgefäßen im Kopf des Kindes mit späteren Behinderungen auf Grund des unglaublichen Drucks beim Passieren des engen und oftmals nicht entsprechend geweiteten Geburtskanals und Muttermundes
  • Innere Verletzungen der Mutter durch den übereilten Geburtsvorgang
  • Hoher Blutverlust auf Seiten der Mutter
  • Psychisches/ Traumatisches Schockerlebnis für die Frau, auf Grund der fehlenden Vorbereitungszeit auf Presswehen und Ausstoßungsphase
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Insgesamt kommen Sturz- oder Spontangeburten jedoch nur in den seltensten Fällen vor, in denen dann zumeist auch alles gut geht. Manche Hebammen sind davon überzeugt, dass bei einem Kind, das es so eilig hat, überhaupt keine Zeit für Komplikationen ist.

Sollte dennoch auch Ihr innig erwarteter Nachwuchs spontan beschließen, einen neuen Geburtsrekord zu brechen, versuchen Sie die Presswehen wegzuhecheln und atmen Sie vor allem tief aus. Das kann Ihnen und Ihrem Baby wertvolle Minuten bringen. Ist der Druck der Presswehen hingegen zu stark, vergessen Sie, dass Sie vielleicht ein paar Minuten gewinnen könnten und verlassen Sie sich einfach auf ihr Gefühl.

Wenn es verlangt, dem Druck nachzugeben, dann tun Sie das einfach. Sie sind die Mutter des kleinen Sprinters und werden intuitiv wissen, was Ihnen und dem Baby gut tut. 

Hecheln Sie aber weiter, so wie Sie es im Geburtsvorbereitungskurs gelernt haben, um den Damm noch so gut wie möglich zu dehnen. Sobald das Baby da ist, legen Sie es auf Ihre Brust und decken Sie sich und ihr Baby zu, damit es schön warm gehalten wird und sich keine Unterkühlung einfängt. Um alles andere kann sich dann der benachrichtige Notarzt oder die Hebamme kümmern.