Wer schwanger ist, hat ein erhöhtes Risiko für Krampfadern. Während einer Schwangerschaft werden Krampfadern konservativ mit Kompressionsmaßnahmen therapiert. Eine Verödungsbehandlung oder Operation sollte frühestens sechs Monate nach der Entbindung in Erwägung gezogen werden, denn manchmal verschwinden die Krampfadern wieder von alleine.

Schwangerschaftsbedingte Veränderungen der Venen

Warum Frauen Besenreiser oder Krampfadern entwickeln, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Eine große Rolle dürfte die genetische Veranlagung spielen, denn in 60-70 % der Fälle treten Krampfadern familiär gehäuft auf.

Aber auch hämodynamische Einflüsse durch turbulente Blutströmungen in den Beinvenen, langes Stehen und wenig Bewegung können wegbereitend für eine Venenerkrankung sein. Bei entsprechender Veranlagung kann das Risiko einer Krampfadererkrankung zusätzlich durch intensive UV-Exposition, Dampfbad und Sauna erhöht werden.

Das Risiko steigt allerdings auch während und nach einer Schwangerschaft. Das Auftreten von Krampfadern in der Schwangerschaft ist die Folge von zahlreichen Veränderungen des mütterlichen Organismus und wird in erster Linie durch die gravierenden hormonellen Umstellungen verursacht.

Bereits in der 6. Schwangerschaftswoche kommt es zu einem Anstieg des Blutvolumens, das verglichen mit dem Volumen vor der Schwangerschaft kontinuierlich um 40 bis 50 % während einer Schwangerschaft zunimmt. Ab der 24. Schwangerschaftswoche wird eine Zunahme des Blutvolumens beobachtet, das pro Minute vom Herz in den Kreislauf gepumpt wird und zu einem erhöhten Druck in den Beckenvenen führt, was einen Blutstau in den Beinvenen zur Folge hat. Dieser Effekt wird durch die Größenzunahme der Gebärmutter im Verlauf der Schwangerschaft noch verstärkt.

Venen sind ausgesprochen elastisch und geben dem stauungsbedingten Druck nach, wodurch sich der Durchmesser der Venen vergrößert und die Venenklappen, die den Blutfluss Richtung Fuß verhindern sollen, nicht mehr dicht abschließen können, was medizinisch als Klappeninsuffizienz bezeichnet wird.

Das Erschlaffen der Venen wird allerdings nicht nur durch die Erhöhung des venösen Drucks verursacht, sondern auch durch hormonelle Veränderungen im ersten Schwangerschaftsdrittel. Den größten Einfluss auf die Venenwände haben Progesteron und Östrogene, die zu einer Erschlaffung der glatten Muskelzellen innerhalb der Gefäßwände führen und die Klappeninsuffizienz verstärken.

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Durch die Vielzahl der Mechanismen, die die intakte Funktion der Beinvenen beeinflussen, kann der Durchmesser der Venen um bis zu 40 % zunehmen. Die Wahrscheinlichkeit, Krampfadern in der Schwangerschaft zu entwickeln, hängt auch davon ab, wie viele Schwangerschaften eine Frau hatte: Bereits in der ersten Schwangerschaft kommt es bei 34%, in der zweiten bei 60% und ab der dritten bei 70% der Frauen zur Ausbildung einer Krampfadererkrankung.

Behandlungsmöglichkeiten von Krampfadern in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft sollte man sich auf eine konservative Kompressionsbehandlung beschränken, von Verödungsmaßnahmen und operativer Behandlung ist abzusehen. Die Kompressionsbehandlung sollte möglichst frühzeitig beginnen, insbesondere bei Frauen mit familiärer Belastung oder eventuell sogar vorbestehenden Krampfadern.

Dazu stehen Kompressionsstrümpfe zur Verfügung, die idealerweise bis zum Oberschenkel reichen sollten. Alternativ bieten sich Kompressionsstrumpfhosen an, die es speziell für Schwangere mit verstellbarem Bund gibt.

Nach der Geburt erst einmal abwarten

Verödungsmaßnahmen oder Operationen sollten frühestens sechs Monate nach der Geburt in Erwägung gezogen werden, da sich das Venenproblem in den ersten Monaten nach der Entbindung durchaus bessern kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Krampfadern nach der Geburt zurückbilden, nimmt jedoch mit der Anzahl von Schwangerschaften deutlich ab.

Für die Behandlung von Besenreisern und feinen Krampfadern, den sogenannten retikulären Varizen, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Besenreiser und die meisten retikulären Varizen können mit einem hervorragenden kosmetischen Ergebnis medikamentös verödet werden.

Während der Stillzeit sind Verödungsmaßnahmen kontraindiziert und auch eine erneute Schwangerschaft muss sicher ausgeschlossen sein. Bestehen nicht nur kosmetisch störende Besenreiser oder retikuläre Varizen, sondern ein ausgeprägtes Krampfaderleiden, sind nach einer sorgfältigen Diagnostik die kranken Venenabschnitte operativ zu entfernen.