Fehlbildungen während der Schwangerschaft. Spina bifida – Offener Rücken. Eine Schwangerschaft ist ein langer und komplizierter Prozess. Eine Ei- und eine Spermienzelle vereinigen sich zu einer Zelle und beginnen den Prozess der Teilung. Bei jedem Durchgang verdoppelt sich die Anzahl der Zellen und Geweben und Vorläufer von Organen beginnen sich zu differenzieren. Komplizierte Prozesse und Entwicklungsstadien werden durchlaufen, bevor nach neun Monaten das Kind ein Entwicklungsstadium erreicht hat, in dem der Enwicklungsvorgang im Mutterleib abgeschlossen ist und das Kind die Größe, Erscheinungsform und das Gewicht angenommen hat, welches wir von einem normalen und gesunden Baby erwarten.

Leider können während des Entwicklungsprozesses, also während der Schwangerschaft, viele Fehlentwicklungen entstehen. Sowohl Alkohol als auch Nikotin, Koffein und andere Suchtstoffe oder Drogen können zu Störungen führen, die oftmals im Nachhinein nicht mehr zu beheben sind und zu teils schweren Behinderungen führen. Eine dieser Fehlentwicklungen nennt sich „Spina bifida“ oder „Offener Rücken“.

Was ist ein „Spina bifida“?

Diese Bezeichnung bedeutet, auf Deutsch übersetzt, gespaltener Dorn und bezeichnet eine Störung zwischen dem 22. und 28. Schwangerschaftstag bei der Bildung des Neuralrohrs, aus dem u.a. das Rückenmark und die Wirbel hervorgehen. Als Konsequenz bedeutet dies, dass die Rückenwirbel nach hinten nicht geschlossen sind und eine erheblich verminderte Schutzfunktion ausüben können.

Welche Formen dieser Krankheit gibt es?

Einerseits gibt es eine leichte Form, die Spina-bifida-occulta, welche nach außen nicht zu erkennen ist und nur selten Symptome zeigt. Oftmals kann bei bettnässenden Kindern diese Ausprägung diagnostiziert werden.
Andererseits gibt es nun die Spina-bifida-aperta, welche wiederum in drei Unterarten eingeteilt werden kann. In unterschiedlich starker Ausprägung treten durch den Wirbelspalt die Rückenmarkhäute und bei den schwereren Formen auch das Rückenmark hervor, was sich als Zyste oder Blase am Rücken bemerkbar macht. Bei der schwersten Form des offenen Rückens aber wird das austretende Rückenmark nicht durch Bindegewebe und Haut bedeckt, sodass es ungeschützt an der Körperoberfläche liegt.

Wie wird ein Spina bifida diagnostiziert

Pränatal, d.h. vor der Geburt, kann ein Spina bifida durch eine Ultraschalluntersuchung entdeckt werden. Oftmals wird zusätzlich der Triple-Test angewandt. Dabei wird die Konzentration von drei Hormonen im Blut der Schwangeren untersucht und auf Basis der Ergebnisse eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer solchen Krankheit getroffen.
Nach der Geburt hingegen kann einer Spina bifida aperta leicht diagnostiziert werden, da die Fehlbildungen am Rücken leicht zu entdecken sind. Die okkulte Form allerdings wird zumeist durch Zufall diagnostiziert.

Welche Folgen sind zu erwarten?

Durch das Rückenmark verlaufen die Nervenstränge für den gesamten Körper unterhalb des Kopfes. Wenn es nun auf einer bestimmten Höhe durch Einquetschung oder Verletzung beschädigt wird, kann es zu motorischen Lähmungen und Sensibilitätsausfällen im gesamten Körper unterhalb der betroffenen Stelle kommen. Deshalb ist es gefährlich, wenn das Rückenmark nicht wie beim gesunden Menschen durch intakte Wirbelkörper geschützt wird. Dies bedeutet einerseits, dass eine Querschnittslähmung entstehen kann. Andererseits kann der Betroffene beispielsweise regelmäßig einnässen oder den Darm unbewusst entleeren.
Zusätzlich kann es durch die Entwicklung eines Wasserkopfes zu einer geistigen Behinderung kommen.

Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es?

Ein Neugeborenes sollten spätestens einige Tage nach der Geburt operiert werden, wobei der Rücken chirurgisch verschlossen wird.

Welche Vorsorgemöglichkeiten gibt es?

Nach aktuellen Untersuchungen kann das Risiko, dass dieser Defekt auftritt, durch Einnahme von Folsäurepräparaten zum Zeitpunkt der Befruchtung verringert werden. Dieses Vorgehen sollte allerdings mit dem Arzt abgeklärt werden.