Die gute Nachricht zuerst: Ein Nabelbruch ( lat. Hernia umbilicalis et paraumbilicalis) bei Neugeborenen ist keine Seltenheit. Bei etwa jedem zehnten Säugling zeigt sich die typische Beule am Nabel. Die meisten Eltern sind verängstigt. Sie fragen sich, ob sie Schmerzen bereitet oder gar kritisch für das Kind werden kann. Ärzte und Hebammen geben hier Entwarnung. Umbilikalhernien im Neugeborenenalter sind keineswegs vergleichbar mit Nabel- oder Leistenbrüchen beim Erwachsenen. Eher sind sie eine Laune der Natur.

Schwachstelle Bauchdecke

Babys kommen mit einigen „Besonderheiten“ auf die Welt. Neben den Fontanellen (flexibler Schädel) festigen sich auch erst im Laufe der Zeit die geraden Bauchmuskeln. Die Bauchdecke rund um den Nabel ist noch weich, tiefer gelegenes Gewebe kann sich durch eventuelle Zwischenräume drücken. Sobald der Säugling kräftig schreit – damit aktiv seine Bauchpresse einsetzt – wird die Schwellung deutlich sichtbar. Entspannt sich die Muskulatur, z. B. in beim Schlafen, verschwindet sie wieder. Das Prozedere ist weder schmerzhaft noch besteht Behandlungsbedarf. Trotzdem sollte der Kinderarzt den Nabel sehen, den Bauch abtasten und das Ganze beobachten. Cornelia Katzorke, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Erzgebirgsklinikum Annaberg-Buchholz verweist auf die berühmte Ausnahme: „Es kann passieren, dass Teile des Darms durch die Lücke im Gewebe gedrückt werden und schlimmstenfalls absterben.“ (1) Aber Achtung: Falls sich die Wölbung verfärbt oder akute Schmerzen bestehen, muss das Baby dringend zum Doktor!

Nabelbruch: Geduld üben statt operieren

Nabelbrüche erledigen sich normalweise von selbst. Spätestens dann, wenn das Kind sicher aufrecht steht oder vielleicht schon läuft, stabilisiert sich die Körpermitte. Die straffere Bauchmuskulatur verhindert das Durchtreten von Bauchgewebe; der Nabelbruch heilt in 98% von alleine aus. Manchmal dauert dieser Vorgang etwas länger. Bei Hernien, die im Alter von 2 Jahren unverändert sind oder Exemplaren von großer Ausdehnung wird eine Operation empfohlen. Denn dann ist es möglich, dass sich nach dem Trinken Darmanteile im Bruchsack verschlingen und Schmerzen bereiten.
Für Kinderchirurgen ist diese Operation ein Routineeingriff, der gewöhnlich im Vorschulalter vorgenommen wird. Ein kleiner Schnitt unter Vollnarkose und innerhalb von 15 Minuten sitzt alles wieder an Ort und Stelle. Klingt unproblematisch und ist es auch: Bruchstelle aufsuchen, Knubbel nach innen korrigieren und Bauchmuskeln mit selbstauflösendem Nahtmaterial zusammenziehen. Der stationäre Aufenthalt dauert meist nur einen Tag, der Hautschnitt verblasst nach reichlich einem halben Jahr.

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Bauchbinden, Pflaster & Co.

Not macht erfinderisch: Unsere Großmütter halfen ihren Kindern selbst; manchmal mit recht ungewöhnlichen Methoden. Beliebt war die „Knopf-Therapie“. Dazu wickelt sie Knopf oder Münze in Mull oder in ein frisch gewaschenes Taschentuch ein, machten daraus ein Päckchen. Diese wurde dann auf dem Nabelbruch positioniert; eine Bauchbinde gab den nötigen Halt. Nach einigen Wochen war die Wulst verschwunden. Manchmal kamen auch Pflaster zum Einsatz.  Heute gelten die Behandlungsweisen als erfolglos und die Ärzte raten eher zu Gelassenheit.