Ebenso eingehend, sorgfältig und liebevoll wie nach dem Vornamen, sollte die werdende Mutter auch nach dem geeigneten Geburtsort für sich und das kleine Wesen in ihrem Bauch suchen. Denn nur dort, wo sie sich gut aufgehoben und betreut fühlt, vor allem dort, wo sie vertrauen und loslassen kann, kann sie dem intimen – und vielleicht intimsten – Moment ihres Lebens auch entspannt und voller Vorfreude entgegen sehen. Eine Möglichkeit, sich gut aufgehoben zu fühlen, stellt das Geburtshaus dar, von denen es in Deutschland insgesamt ca. 100 gibt.

Fakten

Betreiber eines Geburtshauses sind entweder ausschließlich mehrere Hebammen oder Hebammen in Kooperation mit einem Arzt oder einer Ärztin. Zum größten Teil liegen sie nicht weit von einer Klinik und einer Kinderklinik entfernt, um im Notfall eine schnelle medizinische Versorgung garantieren zu können. Die Anzahl der Kinder, die in einem Geburtshaus zur Welt kommen, hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, da sich viele Frauen eine private und persönliche Atmosphäre wünschen, in der ihr Baby das Licht der Welt erblickt. Generell jedoch gibt es Geburtshäuser bereits seit Ende der 70er-Jahre. Die Entbindung in einem Geburtshaus zählt zu den ambulanten Entbindungen, da Mutter und Kind schon nach wenigen Stunden – vorausgesetzt beide sind kerngesund, und es bestehen keinerlei medizinische Bedenken – zurück nach Hause dürfen, um sich in vertrauter Umgebung erholen und einander ungestört genießen und kennen lernen zu dürfen.

Atmosphäre und Anspruch

In einem Geburtshaus wird jede Geburt als naturgegebener Vorgang gesehen, auf den der Körper der Frau entsprechend ausgerichtet ist und im Normalfall keiner invasiven, also keiner von außen eingreifenden und die Geburt unterstützenden schulmedizinischen Hilfe bedarf. Entsprechend ist auch die Atmosphäre in den zumeist kleineren Einrichtungen natürlich, wohltuend und persönlich ausgerichtet. Geprägt von einer warmen Beleuchtung, freundlichen Farben und sanfter Musik. Dennoch finden sich hier ebenso zahlreiche Hilfsmittel, um die richtige Gebärposition für sich und Ihr Kind zu finden wie in einem klassischen Kreißsaal. Ein gutes Geburtshaus verfügt zudem über einen Herzwehenschreiber, der gleichzeitig die Herzfrequenz des Babys und die Wehentätigkeit der Mutter aufzeichnet und sollte für den Notfall auch ein Sauerstoffgerät bereithalten. Zur Linderung des Geburtsschmerzes und zur Unterstützung von Mutter und Kind werden ausschließlich so genannte “sanfte“ Methoden eingesetzt. Sie sind auch als alternative Methoden bekannt und reichen von Homöopathie und Akupunktur über Wärmeanwendungen und Autogenem Training bis hin zur Aroma- und Bachblütentherapie.

Leistungen

Das Leistungsangebot kann wie bei einer Klinik von Geburtshaus zu Geburtshaus variieren. So sind zumeist Kaiserschnitte hier nicht möglich, oftmals aber, sofern dies erforderlich werden sollte, eine schnelle Beendigung der Geburt durch Saugglocke oder Zangenlöffel. Generell haben Geburtshäuser das Ziel, jede Frau und damit jede Schwangerschaft so individuell zu betreuen wie möglich. Entsprechend sind die Hebammen dazu berechtigt, die gesamte Vorsoge zu übernehmen. Ausgenommen sind allerdings die erforderlichen Ultraschalluntersuchungen als auch die so genannte U2 im Anschluss an die Entbindung.  Anmerkung: Bei der U2 muss das Baby zwischen seinem dritten und zehnten Lebenstag einem Kinderarzt vorgestellt werden, um nachzusehen, ob mit dem kleinen Wonneproppen auch wirklich alles in Ordnung ist.

Vorteile des Geburtshauses

  • Sie und ihr Baby werden während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett von ein- und derselben Hebamme betreut und können so ein intensives und bedingungsloses Vertrauensverhältnis zu ihr aufbauen.
  • Das Ambiente im Geburtshaus ist angenehm warm und persönlich.
  • In einem Geburtshaus wird Ihnen und Ihrem Baby die Zeit zugestanden, die sie beide für die Geburt benötigen.
  • Hebammen im Geburtshaus erscheinen oftmals geduldiger als Hebammen oder Ärzte in einem Krankenhaus, die noch eine Vielzahl weiterer Patienten zu betreuen haben.
  • Sie und Ihr Baby laufen nicht Gefahr, im Klinikalltag unter zu gehen.
  • Sie und Ihr Baby geraten nicht in den Schichtwechsel von Ärzten und Hebammen wie es bei einer Klinikentbindung möglich sein und die den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung erschweren kann.
  • Ihre betreuende Hebamme ist ausschließlich für Sie und Ihr Kind da.
  • Schulmedizinische Mittel zur Linderung der Geburtsschmerzen, die sich negativ auf das Neugeborene auswirken können, werden im Geburtshaus nicht eingesetzt.
  • Schmerzlinderung und Geburtsunterstützung wird ausschließlich mit “sanften“ Methoden zu erreichen versucht wie Akupunktur, Homöopathie, Wärmeanwendungen, Massagen, Aroma- und Bachblütentherapie und Autogenem Training
  • Eine individuelle und vor allem private und persönliche Gestaltung der Geburt ist möglich.
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Nachteile des Geburtshauses

  • Es können Komplikationen eintreten, die eine Überweisung in ein Krankenhaus erforderlich machen, um die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen
  • Eine notwendige Verlegung in die Klinik kann unter Umständen wertvolle Zeit kosten
  • Die betreuende Hebamme könnte im Laufe der Geburt ihres Kindes mindestens so müde und erschöpft sein wie Sie selbst, wodurch es gerade bei einem sehr lang andauerndem Geburtsvorgang schwierig wird, neuen Schwung hineinzubringen.
  • Die Entscheidung, welche Schwangerschaft risikolos genug erscheint, um die Möglichkeit, im Geburtshaus zu entbinden auch wirklich nutzen zu können, treffen ausschließlich die dort betreuenden Hebammen.
  • Kaiserschnitt- oder Risikogeburten sind in Geburtshäusern generell nicht möglich.
  • Der Einsatz schulmedizinischer Schmerzmittel wie PDA, PCA oder Spiralanästhesie wird in Geburtshäusern ebenfalls generell abgelehnt.
  • Die Betriebskosten für das Geburtshaus werden seitens der Krankenkassen nicht übernommen, so dass Sie anteilig dafür aus eigener Tasche aufkommen müssen.
  • Krankenkassen übernehmen nur die Kosten für die eigentliche Hebammenleistung.

Risikofaktoren

Nicht jede Frau kann oder sollte ihr Baby in einem Geburtshaus zur Welt bringen. Die alternative Einrichtung ist eher für Frauen gedacht, deren Schwangerschaft normal, oder besser gesagt: problemlos, verläuft, bei der also keine Komplikationen zu erwarten sind – auch wenn diese im Vorfeld nie komplett ausgeschlossen werden können. Frauen, die als risikoschwanger gelten sollten ebenso wenig die Entbindung ihres Babys in einem Geburtshaus planen wie Frauen, die eine Mehrlingsschwangerschaft austragen oder Frauen, deren persönlicher gesundheitlicher Zustand nicht garantiert werden kann, beispielsweise Frauen mit Erkrankungen wie Diabetis, Frauen die bereits eine oder mehrere Fehlgeburten und damit verbundene Ausschabungen hinter sich haben, Frauen, deren Becken Verformungen aufweist (so genannte Beckenanomalien). Und ebenso sollten Raucherinnen über die Möglichkeit zur Entbindung in einem Geburtshaus noch einmal Rücksprache mit ihrem Gynäkologen halten.

Tipp

Wenn Sie eine Geburt im Geburtshaus planen oder zumindest in Betracht ziehen, nehmen Sie so früh wie möglich Kontakt dazu auf. Je früher, desto mehr Zeit haben Sie, die Angebote zu vergleichen und zu entscheiden, wo Sie und das Baby sich am besten aufgehoben fühlen werden. Zudem haben Sie, sobald Sie sich entschieden haben, ausreichend Zeit, Ihre persönliche Hebamme kennen zu lernen und ihr wirklich alle Fragen zu stellen, die Ihnen auf der Seele brennen und die Sie beschäftigen. Denn je intensiver und vertrauensvoller die Beziehung zu Ihrer Hebamme ist, desto mehr werden Sie sich bei der Geburt entspannen und vor allem loslassen können.