Die meisten Schwangeren kennen den kleinen Tritt im Bauch oder die Bewegungen unter der Bauchdecke, wenn sich das Ungeborene bewegt. Diese Ereignisse werden von den Frauen oft mit viel Begeisterung und Gefühl beobachtet. Die Haptonomie ist eine Form der Geburtsvorbereitung, die durch Berührungen der Eltern bereits in der Schwangerschaft intensiven Kontakt mit dem Baby aufnehmen soll. Der Begriff Haptonomie kommt aus dem Griechischen und steht für die „Lehre der Berührung“. Und genau darum geht es.

Die Geburt läuft heute zu technisch ab

Die Geburt von heute ist kaum noch vergleichbar mit dem ursprünglichen Geburtsvorgang. Heute läuft vieles nur noch technisch ab, die Frauen erhalten Schmerzmittel oder wünschen sich sogar direkt einen geplanten Kaiserschnitt. Den eigentlichen Geburtsvorgang erleben sie gar nicht. Sie helfen nicht mehr aktiv mit, sondern lassen ihr Kind auf die Welt holen.

Ihre Kinder kennen sie nur von den Ultraschalluntersuchungen und den kleinen Bildchen, die sie in ihrer Tasche aufbewahren. Während der Geburt erhalten sie Anleitungen und verlassen sich nicht mehr selbst auf ihre eigenen Gefühle. Die Selbstbestimmung rückt immer mehr in den Hintergrund. Dabei spürt die Frau am besten, was ihr und dem Kind gut tut. Die Geburt ist kein rein körperlicher Vorgang, sondern Gefühle und Emotionen spielen eine große Rolle. Hört die Frau darauf, kann die Geburt viel sanfter verlaufen.

Haptonomie: Beziehungaufbau vor der Geburt

Die Haptonomie soll den Frauen helfen, ganz ohne Technik und Medizin ihr Kind auf die Welt zubringen. In der Geburtsvorbereitung lernen die Schwangeren, durch Berührungen Kontakt zu ihrem Kind herzustellen. Das gelingt durch einen leichten Druck auf dem Bauch. Neben dem Auflegen der Hand gibt es noch andere zahlreiche Methoden, die die Eltern in den Alltag integrieren und so täglichen Kontakt zu ihrem Kind aufbauen können.

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Die Technik erlernen die Eltern in speziellen Kursen, die von Hebammen mit einer besonderen Ausbildung angeboten werden. Auch die Väter können so ganz aktiv Kontakt zu ihren Babys aufbauen. Denn auch auf die Berührungen der Väter reagieren die Kinder.

Dieser Kontakt lässt bereits in der Schwangerschaft Gefühle entstehen und Vertrauen herstellen. Die Eltern können schon bald einschätzen, in welcher Stimmung sich das Kind gerade befindet. Sie spüren, ob es müde ist, ob es verspielt ist oder ob es sich in die Hand der Mutter einkuscheln möchte. Die positive Wirkung des frühen, intensiven Kontaktes erleichtert den gemeinsamen Start, denn ein Stück Vertrauen ist bereits mit der Geburt vorhanden. Diese Art der Geburtsvorbereitung können die Eltern lernen, sobald der Fötus die 24. Schwangerschaftswoche erreicht hat.

Schmerzfreie Geburt

Frauen, die sich auf die Haptonomie einlassen, können die Geburt ganz oder mit weniger Schmerzen erleben. Geburten, die rein haptonomisch ablaufen sind zwar eher selten, aber auch als Unterstützung kann die erlernte Geburtsvorbereitung helfen.  Die Mütter haben gelernt zu spüren, wie es ihrem Kind geht, und können ihm aktiv helfen. Sie können sich auf ihr Becken konzentrieren und versuchen ihrem Kind den Weg zu erleichtern.

Medizinische und technische Versorgung kann dabei ebenfalls zum Einsatz kommen, ist aber oft gar nicht notwendig. Eltern erkennen ihre Kinder oft direkt nach der Geburt spontan wieder. Sie haben das Gefühl, als würden sie ihr Kind schon lange kennen. Und das ist ja auch der Fall.

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