Wenn der Geburtstermin langsam näher rückt, drehen sich die Gedanken immer häufiger um das bevorstehende Ereignis. Wird mein Baby zum errechneten Termin zur Welt kommen? Wie wird die Geburt verlaufen? Werde ich die Schmerzen gut ertragen? Eine Ernährungsumstellung in den letzten Wochen vor der Entbindung soll einen positiven Einfluss auf den Geburtsverlauf haben: die sogenannte Louwen-Diät.

Was ist die Louwen-Diät?

Die Louwen-Diät ist keine klassische Diät zur Gewichtsreduktion. Das Abnehmen ist während der Schwangerschaft, außer in besonderen Ausnahmefällen, auch gar nicht erwünscht.
Diese Diät ist eine besondere Ernährungsform für Schwangere, die die Geburt erleichtern soll. Dafür soll die Schwangere in den letzten Wochen vor der Geburt auf bestimmte Kohlenhydrate verzichten. Hierbei handelt es sich um Kohlenhydrate, die sehr schnell ins Blut gelangen und den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen lassen. Das hat eine hohe Insulinausschüttung zur Folge. Sie stecken zum Beispiel in Weißbrot und Süßigkeiten. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem hohen glykämischen Index.

Der Verzicht auf Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index ist außerhalb der Geburtsheilkunde bereits bekannt. Er ist Grundlage bestimmter Diäten zur Gewichtsreduktion, wie zum Beispiel der Logi-Methode (Low Glycemic Index) oder der Glyx-Diät.

Wer hat sie erfunden?

Die Idee, diese spezielle Ernährungsform bei Schwangeren in den letzten Wochen vor der Geburt anzuwenden, hatte Prof. Dr. med. Frank Louwen. Er ist leitender Arzt für die Pränatalmedizin und Geburtshilfe an der Frankfurter Universitätsklinik. Der Hintergrund seiner Empfehlung ist jedoch nicht eine Gewichtsabnahme, sondern ein positiver Einfluss auf den Hormonhaushalt der Schwangeren und somit auf den Verlauf der Geburt.

Was bewirkt die Louwen-Diät?

Ziel ist es, die konkurrierende Wirkung von Insulin und Prostaglandin im Körper der Schwangeren zu verringern. Denn gegen Ende der Schwangerschaft (ab ca. der 35. Schwangerschaftswoche) wird vermehrt das Gewebshormon Prostaglandin ausgeschüttet, das eine wichtige Rolle bei der Geburt spielt. Es sorgt dafür, dass sich das Gewebe des Muttermundes auflockert („Reifung“) und dass sich der Gebärmutterhals verkürzt. Gemeinsam mit dem Hormon Oxytocin löst es die Wehen aus. Hierfür müssen die Prostaglandine allerdings an passenden Rezeptoren andocken. Dies sind jedoch dieselben Rezeptoren, mit denen sich auch das Hormon Insulin verbindet. Ist der Blutzuckerspiegel und somit auch der Insulinspiegel ernährungsbedingt häufig erhöht, konkurrieren die beiden Hormone um die Rezeptoren. Können sich nicht genügend Prostaglandine mit den Rezeptoren verbinden, können sie nicht wehenwirksam werden. Ungebunden im Blut sorgen Prostaglandine zudem für eine erhöhte Schmerzwahrnehmung.

Eine Ernährung reich an Kohlenhydraten, die den Blutzucker stark ansteigen lassen, kann demzufolge die Auslösung geburtsaktiver Wehen blockieren. Die Geburt beginnt möglicherweise später, die Schmerzwahrnehmung kann erhöht sein. Auch eine eventuell notwendige Einleitung der Geburt ist oft mit stärkeren Schmerzen verbunden. Prostaglandine finden übrigens als Vaginalgel bei der Geburtseinleitung Anwendung.
Durch die von Professor Louwen empfohlene Ernährungsumstellung auf sogenannte gute, komplexe Kohlenhydrate gegen Ende der Schwangerschaft soll die Blockade der Prostaglandin-Rezeptoren verhindert und eine termingerechte und weniger schmerzhafte Geburt ermöglicht werden.

Wann sollte mit der Louwen-Diät begonnen werden?

Die Ernährungsumstellung sollte nach Professor Louwen sechs Wochen vor dem berechneten Geburtstermin erfolgen. Auch Hebammen empfehlen, in den letzten Wochen und spätestens in den letzten 36 Stunden vor dem Geburtstermin kohlenhydratarm zu essen.

Welche Lebensmittel sollten gemieden werden, welche sind geeignet?

In den letzten sechs Schwangerschaftswochen sollten Sie Nahrungsmittel, die einen hohen glykämischen Index haben, von Ihrem Speiseplan streichen. Der glykämische Index gibt an, wie stark die Kohlenhydrate eines Lebensmittels den Blutzuckerspiegel erhöhen. Je höher der Index, desto schneller und stärker steigt der Blutzuckerspiegel und es wird umso mehr Insulin von der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet.

Vermeiden Sie insbesondere Kuchen und Gebäck, Pizza und Brot aus Weißmehl. Verzichten Sie auf polierten Reis, raffinierten Zucker, sehr zuckerhaltige Speisen und Getränke und auf Süßigkeiten.

Geeignete Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index [1] sind:

  • Hülsenfrüchte (Linsen, Erbsen, Bohnen, Kichererbsen)
  • Vollkornprodukte (Vollkornnudeln, Naturreis, Vollkornbrot mit einem hohen Anteil an Körnern)
  • Quinoa, Amaranth
  • Milch und Milchprodukte
  • Gemüse (zum Beispiel Brokkoli, Zucchini, Paprika) und Blattsalate
  • viele Obstsorten wie zum Beispiel Äpfel, Birnen, Orangen und Pfirsiche
  • Nüsse
  • Eier, Käse, Fisch und Fleisch beeinflussen den Blutzuckerspiegel kaum.

Einige Obstsorten wie zum Beispiel Ananas und Wassermelonen haben einen hohen Zuckergehalt. Essen Sie diese nur in Maßen.

Louwen-Diät. Was ist erlaubt? Gemüse, Milchprodukte, Vollkornprodukte, Obst,
Louwen-Diät: Geeignete Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index

Ihr Ernährungsplan für einen Tag könnte folgendermaßen aussehen:

Morgens: ungesüßter Joghurt mit Haferflocken und Heidelbeeren
Mittags: gedünsteter Lachs, Naturreis und Zucchini-Paprika-Champignon-Gemüsepfanne
Abends: Omelette mit Tomaten und Mozzarella
Zwischendurch: Obstsalat aus Äpfeln, Birnen, Orangen mit Walnüssen; Nuss-Mix zum Snacken

Achten Sie darauf, dass Ihre Ernährung während der Schwangerschaft immer so zusammengesetzt ist, dass Sie und Ihr ungeborenes Kind ausreichend mit allen Nährstoffen versorgt sind.

Die Louwen-Diät ist ungeeignet für Schwangere mit einer Stoffwechselerkrankung wie zum Beispiel Diabetes Typ 1. In diesem Fall sowie bei anderen Vorerkrankungen sollten Sie die Ernährung unbedingt mit dem behandelnden Arzt besprechen.

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Gibt es Studien?

Eine Studie an 1985 Frauen vom European Journal of Nutrition zeigte einen Einfluss einer niedrig-glykämischen Ernährung auf den Geburtstermin [2]. Aufgrund der niedrigen Zahl an Probandinnen ist sie jedoch nur wenig aussagekräftig.

Durch Ernährungsumstellung zu einer leichteren Geburt?

Eine Louwen-Diät während der letzten sechs Wochen der Schwangerschaft soll eine leichtere Geburt bewirken. Sie basiert darauf, auf Nahrungsmittel zu verzichten, die den Blutzucker- und damit den Insulinspiegel stark ansteigen lassen. Unabhängig von einem eventuellen Einfluss auf den Geburtsverlauf tuen eine zuckerarme Ernährung und der Verzicht auf Weißmehlprodukte dem Körper gut. Achten Sie bei einer Ernährungsumstellung auf Ihr Wohlbefinden, setzen Sie sich nicht unter Druck. Stimmen Sie sich eventuell mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme ab.

Quellen:
[1] Foster-Powell, K.; Holt, S. H. A.; Brand-Miller, J. C.: International table of glycemic index and glycemic load values: 2002. Am. J. Clin. Nutr. 76: 5-56 (2002).
[2] Zhang, R., Han, S., Chen, G. et al. Effects of low-glycemic-index diets in pregnancy on maternal and newborn outcomes in pregnant women: a meta-analysis of randomized controlled trials. Eur J Nutr 57, 167-177 (2018)

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Letzte Aktualisierung am 24.05.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API