Ökologisch und nachhaltig zu leben ist in den letzten Jahren immer populärer geworden. Hatten unsere Großmütter oft noch nicht die Wahl zwischen Wegwerfprodukten und Stoffwindeln, so entscheiden sich heute wieder viele Eltern bewusst für die Stoffvariante. Selbst wenn Eltern das erste Kind in Wegwerfwindeln gewickelt haben, entscheiden sie sich manchmal bei den weiteren Kindern für die liebevoll „Stoffies“ genannten Windelsysteme aus Stoffwindeln.

Wenn Sie selbst schon überlegt haben, vielleicht Stoffwindeln zu verwenden, dann tauchen Fragen über Fragen auf:

  • Ist das was für mich?
  • Wie hoch ist der Aufwand für die waschbaren Windeln und müssen wir uns in irgendeiner Weise einschränken?
  • Riecht das unangenehm?

All diese Fragen werden noch größer, wenn Freunde und Verwandte auf Sie einreden und Partei ergreifen.

Pro und contra: Stoffwindeln sorgen für Geprächsstoff

Eine Windel zum Wegwerfen ist sehr praktisch im ersten Moment. Der Babypopo wird mit gekauften Feuchttüchern saubergewischt, das Tuch gleich in die dreckige Windel eingepackt und die Duftbombe im Müll entsorgt. Der allergrößte Nachteil dieser Produkte ist jedoch die extreme Menge an Chemie, die darin steckt.

Moderne Wegwerfwindeln bestehen zum größten Teil aus Plastik. Die hohe Saugfähigkeit des Windelkerns wird über hochabsorbierendes Kunststoffgranulat gesichert. Damit auch der Geruch gebunden wird, ist weitere Chemie enthalten, ebenso wie chemische Duftstoffe, Weichmacher und andere gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe.

Wegwerfwindeln: Für die Umwelt eine Katastrophe

Der Müll verrottet noch lange Zeit vor sich hin, wenn Ihre eigenen Enkel und Urenkel schon lange nicht mehr sind. Für die Umwelt sind diese Windeln also eine Katastrophe. Etwa 6000 Stück pro Kind werden in die Tonne geworfen, bevor es trocken ist. Hinzu kommen die ebenfalls voller Chemikalien steckenden Feuchttücher und Einmal-Wickelunterlagen. Plastik über Plastik, das man sich sparen könnte.

Welches Windelsystem ist günstiger?

Ein Stoffwindelsystem kostet je nach Produkt zwischen 250 und 500€. Das klingt viel, ist es auch erstmal. Rechnet man dies aber auf die gesamte Nutzungsdauer, dann sind Stoffwindeln sehr viel günstiger. Selbst wenn Sie eine Pauschale für das Waschen hinzurechnen und kompostierbares Windelvlies zum Schutz der Stoffwindel kaufen, kommen Sie mit Stoffies billiger als mit einem No-Name-Produkt zum Wegwerfen.

Wer nicht direkt so viel ausgeben will, aber gerne experimentieren möchte, kann sich in einem Fachgeschäft beraten lassen oder einige Stoffwindeln kaufen und zunächst parallel mit Wegwerfsystem arbeiten. Die schrittweise Umstellung von Plastik auf Stoff erfordert aber Disziplin, denn Stoffies müssen gewaschen werden und manchmal muss man dann natürlich lästige Wege gehen, wo der Griff zum Wegwerfprodukt schneller und einfacher wäre.

Mit Stoffwindeln unterwegs und in der Kita

Unpraktisch werden die Stoffies aber, wenn man unterwegs ist. Es lässt sich nach einiger Zeit mit größeren Kindern nicht leugnen, dass die Aufnahmekapazität begrenzt ist. Eine schief angelegte Überhose führt unweigerlich zum Auslaufen und es muss öfter gewickelt werden. Auch entsteht bei älteren Kindern bereits der typische Uringeruch. Ein sogenanntes Wetbag sollte man dann immer dabei haben, um die müffelnden Windeln schnell wegzupacken. Stoffwindeln brauchen unterwegs einfach mehr Platz, denn sie sind mit Saugeinlagen, Überhosen usw. einfach voluminöser.

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An die geringere Saugkraft der Stoffies muss man sich mithilfe von Routinen gewöhnen. Wenn Sie Ihr Baby immer zu den gewohnten zeiten wickeln, laufen auch die Stoffwindeln normalerweise nicht aus.

Über Nacht kann man spezielle Nachtwindeln nutzen oder einfach mehr Saugeinlagen einlegen. Die Wäsche kann auch mehrere Tage im Wetbag bleiben, bis sie gewaschen wird. Der Urin verhindert die Bildung von Stockflecken. Besser ist es natürlich, täglich die Waschmaschine in Gang zu setzen.

Wird das Kind älter und es reicht eine Einlage nicht mehr, um alle Flüssigkeit aufzunehmen, dann werden die Windelpakete sehr voluminös. Im Kindergarten ist das Personal vielleicht nicht sehr aufgeschlossen für das Wickeln in Stoff. Wenn viele Wickelkinder zu versorgen sind, bedeutet das in einer Einrichtung nämlich einen großen Aufwand und den guten Willen aller Erzieher.

Richtige Höschenwindeln aus Stoff sind zudem kaum zu bekommen bzw. sie nehmen nicht genug Urin auf, um genauso „sicher“ zu sein. Ein Kind, das also anfängt zur Toilette zu gehen, kann sich kaum schnell genug aus einer solchen Trainings-Windel befreien, um rechtzeitig auf der Toilette zu sitzen. Geht das Geschäft daneben, sind nicht nur alle Sachen nass. Auch das große Geschäft aus einer waschbaren Höschenwindel bzw. aus einer Stoff-Trainings-Windel herauszubekommen ist unangenehm. Dessen muss man sich bewusst sein. Wem aber der ein oder andere Pipi-Unfall nichts ausmacht, der kommt damit gut zurecht.

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Waschbare Windelsysteme im Überblick

Pocketsysteme/All-in-one-Systeme

Grob kann man bei den Stoffies zwei Systeme unterscheiden: Pocketsysteme/All-in-one-Systeme arbeiten mit Überhosen, in die man Einlagen einlegt oder einschiebt.

Zum Waschen werden die Einlagen wieder entfernt. Bei einigen dieser Systeme kann die Überhose mehrfach verwendet werden, wenn sie nichts abbekommen hat.

Prefolds- bzw. Mullwindelsysteme

Bei den Prefolds- bzw. Mullwindelsystemen werden vorgefaltete oder normale Mullwindeln um Babys Po gelegt und mit Klammern (sogenannten Snappies) oder mithilfe einer Überhose fixiert.

Pocketwindeln eignen sich auch für ungeübte Eltern. Ist die Überhose mit Einlage versehen, geht das Wickeln genauso schnell wie mit Wegwerfprodukten.

Auch Omas und Opas, die sich nicht mit Stoffwindelsystemen auskennen, können das problemlos. Bei Prefolds und Mullwindelsystemen wird es da schon schwieriger. Sind die Großeltern aber nicht generell gegen diese Art des Wickelns, können sie auch das leicht lernen.

Wieviele Stoffwindeln anschaffen?

Egal, welches System Sie ausprobieren möchten, Sie sollten pro Baby mit etwa 20 Pocketwindeln oder vergleichbarer Menge Prefolds etc. rechnen. Damit kommen Sie gut aus, ohne jeden Tag waschen zu müssen.

Fazit:

Ja, Stoffwindeln bedeuten mehr Aufwand und mehr Wäsche. Will man zusätzlich die Feuchttücher selbst herstellen oder ganz darauf verzichten, dann gerät das Projekt vielleicht sehr zeitintensiv. Wer jedoch gar nicht erst zum Wegwerfprodukt greift und es gar nicht zu Hause hat, der gewöhnt sich schnell Routinen an und nimmt den Mehraufwand nicht wahr. In großen Städten gibt es außerdem Windelservices, die das Reinigen übernehmen. Auch Sie müssen nicht ganz allein die Welt vor der Plastiklawine retten. Wenn Sie es nicht schaffen, Ihr Kind völlig ohne Wegwerfwindeln großzuziehen, dann ist trotzdem jede Stoffwindel ein Gewinn für die Umwelt.