Die liebe Not mit dem „großen Geschäft“: Verstopfung (Obstipation) ist eine Zivilisationserscheinung bei den Erwachsenen. Doch Kinder kennen ebenfalls Tage, an denen der Darm streikt und der Stuhlgang nicht klappen will. Wie bekannt, ist der Darm ein sensibles, komplexes Gefüge. Mitunter bewirken kleine Veränderungen, z. B. in Sachen Ernährung, unerwarteten Dauerstress.

Drei Tage ohne – was nun?

Kein Grund zur Sorge. Jeder Mensch tickt in Sachen Stuhlgang anders. Einer geht mindestens zweimal pro Tag zum großen Toilettengang, ein anderer kann nur aller drei Tage. Es kommt auf die Regelmäßigkeit an. Normalerweise funktioniert ein gesunder Darm wie ein Uhrwerk; von Geburt an läuft das Geschäft wie geschmiert.
Säuglinge haben mehrmals täglich eine volle Windel. In Wachstumsphasen werden die breiigen Stühle weniger, dann sondert der kleine Körper nur „konzentrierte Reste“ ab. Bleibt die Windel über Tage leer und es geht dem Baby gut, besteht kein Anlass zur Unruhe. Vereinzelt kann dies bis zu 2 Wochen dauern. Hilfreich ist es, einige Besonderheiten zu kennen:

  • Sommerhitze macht durstig: Stillkinder regulieren mit verkürzten Stillabständen ihren Flüssigkeitshaushalt selbst. Häufigeres Trinken bedeutet wässrigere Muttermilch – die Natur hält den optimalen Durstlöscher bereit.
    Flaschenkinder hingegen sollten zusätzlich Tee oder Wasser angeboten bekommen. Denn Babynahrung wird nach Vorschrift zubereitet und ist immer von derselben Zusammensetzung.
  • Das erste Löffelchen Brei: Daran muss sich der Darm erst gewöhnen. Karotte und Banane verfestigen den Stuhl. Füttern Sie mit Bedacht zu.

Bei Kleinkindern sieht die Praxis anders aus. Meist müssen sie einmal am Tag „groß“. Geht es seltener auf’s Töpfchen oder auf’s Klo, gilt es den „Stand der Dinge“ genauer zu beobachten. Klagt das Kind über Bauchweh, schmerzhaftes Entleeren oder bedrückende Bauchgefühle, lassen Sie dies untersuchen.
Hin und wieder verhalten Kinder ihren Stuhl, der Darm kommt durcheinander. Spätestens, wenn das Ganze schmerzhaft und kräftezehrend ist, scheuen Große und Kleine die Toilette. Schreiten Sie ein, ehe Ihr Kind einen Bogen um das Klo macht oder „Hasenkötteln“ ausscheidet.

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Erste Hilfe bei Verstopfung

Bauchmassage und Milchzucker gibt es ganz ohne Rezept. Erinnert der kleine Bauch an einen Luftballon, massieren Sie sanft die Spannung weg. Dazu streichen Sie ohne Druck mit der flachen Hand im Uhrzeigersinn rund um den Nabel. Dieses Prozedere regt ganz natürlich die Peristaltik (Darmbewegung) an.
Die milde Wirkung von Milchzucker kannten schon unsere Großmütter. Ein Löffel genügt; die Lactobazillen vermehren sich, der Stuhl wird lockerer.
Sind die Hausmittel ausgereizt und der Darm weiterhin pausiert, bleibt der klassische Einlauf: unangenehm, aber effektiv. Entsprechende Salben, die vorher am After aufgetragen werden, lindern den Schmerz.
Gehen Sie bei Blutauflagerungen des Stuhles oder beharrlichen Schmerzen unbedingt zum Arzt! Hat die kindliche Verstopfung psychische Auffälligkeiten zur Folge, schaffen therapeutische Angebote Abhilfe.

Balance im Darm

Eigentlich ist alles ganz einfach: die richtigen Lebensmittel, ausreichend Bewegung und kein Druck! Mit simplen Kniffen und Tricks lassen sich Verstopfungen vorbeugen:

  • Vollkorn statt Weißmehl: Kinder lieben Milchbrötchen, Brezeln und Kekse. Schränken Sie den Konsum ein und bieten Sie körnige Alternativen an.
  • Die Milch macht’s: Joghurt, Quark und Käse sollten auf jedem Speiseplan stehen. Milchsäure und – zucker tun das Übrige.
  • Obst & Gemüse: Ballaststoffe fördern die Verdauung, Vitamine und Mineralstoffe stärken die Abwehr. So schlagen Sie mehrere Fliegen mit einer Klappe.
  • Trinken: Zuckerhaltige Softdrinks machen fest, dick und zappelig. Cola & Co. sollten eine Ausnahme sein. Mischen Sie selbst: Apfelschorle (1/3 Saft, 2/3 Wasser) oder Tee mit Saft. Diese Getränke sind preiswert, und eine eigene Trinkflasche cool!
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, unser Darm auch. Schnelle Happen zwischendurch bringen das Verdauungssystem aus dem Rhythmus.
  • Outdoor statt Indoor: Langes Sitzen macht den Darm müde. Wer läuft, springt oder Ball spielt, aktiviert gleichzeitig die Darmmotorik.
  • Darmtraining: Wer muss, darf auf’s Klo. Spezielle Toilettenzeiten in Schulen sind ein Relikt von gestern. Sprechen Sie das Thema bei Elternabenden an!