Rund 96 Prozent aller männlichen Säuglinge kommen mit einer Vorhautverengung zur Welt. Das bedeutet, dass sich die Vorhaut – in der medizinischen Fachsprache Präputium genannt – nicht zurückschieben lässt. Das allerdings hat einen guten und vor allem naturgewollten Grund, denn: So ist die Vorhaut mit der Eichel verklebt und schützt sie gegen Reibung, Austrocknung oder unerwünschte Eindringlinge von außen, die zu Entzündungen führen könnten.

Im Normalfall löst sich die Verklebung in den ersten Lebensjahren der Jungen von selbst. Meistens zwischen dem ersten und vierten. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen sich der Ablöseprozess mehr Zeit – um nicht zu sagen – einige Jahre mehr Zeit lässt.

Umgangssprachlich: Vorhautverengung, Medizinisch: Phimose

Mit Phimose bezeichnen Mediziner das Handicap der Penisvorhaut über die männliche Eichel. In einfachen Worten: Durch eine Größendifferenz lässt sich die Vorhaut nicht über die Eichel bewegen.

Phimose bei Neugeborenen und Kleinkindern sind weder untypisch noch bedrohlich. Denn bis zum Alter von vier bis fünf Jahren gehören Vorhaut und Eichel zusammen. Treten keinerlei Beschwerden, wie Infektionen oder Schwellungen auf, besteht kein Handlungsbedarf. Hält die Verklebung bis zum Vorschulalter an, sollten Sie mit dem Kinderarzt sprechen.

Symptome erkennen

Fallen Ihnen bei Ihrem Sohn folgende Symptome auf, bitte nicht bis zur nächsten Kontrolluntersuchung abwarten:

  • spärlicher Urinstrahl
  • vergrößerte Vorhaut mit ballonähnlicher Schwellung (hauptsächlich während des Wasserlassens)
  • gerötete, entzündete Eichel oder Vorhaut

Wichtiger Hinweis: Versuchen Sie nicht, die festsitzende Vorhaut zu lösen. Meist wird diese Bemühung zur Belastungsprobe für Eltern und Kind; solche Strapazen stehen in keinem Verhältnis zum „Erfolg“. Nein, in der Regel richten sie mehr Schaden als Nutzen an. Winzige Einrisse an der empfindlichen Vorhaut führen zu kleinen Narben; eine erworbene (sekundäre) Phimose ist die Folge. Klemmt es dann auf Dauer, ist so eine Konstellation der ideale Herd für entzündete Harnwege oder spätere Erektionsbeschwerden.

Angeborene, zugezogene, vollständig oder teilweise Vorhautverengung?

Phimosen werden als primär (angeboren) oder sekundär (erworben) klassifiziert. Welche Art vorliegt, klärt der Arzt.

  • Physiologische Phimose

Ist die Vorhaut im Kleinkindalter verklebt, sprechen die Experten von einer physiologischen Phimose. Dieses natürliche Gebilde löst sich mit der Entwicklung und dem Heranreifen des Jungens. Da jeder Mensch ein Individuum ist, hat auch der Körper sein eigenes Tempo.

  • Paraphimose

Von einer Paraphimose ist dann die Rede, wenn die Vorhaut den Penisschaft einschnürt. Das tritt genau dann auf, nachdem die Vorhaut unter Mühe und Zug zurückgeschoben wurde und sie wie ein schmaler Gürtel das Gewebe unterhalb der Eichel einengt. Es kommt zum Stau, die Blutzufuhr der Eichel stockt, schnelles Handeln ist gefragt! Bleibt diese Barriere unbehandelt, sterben Zellen ab (Nekrosen). Suchen Sie bei Unsicherheiten den Rat eines Urologen oder Kinderarztes!

Wann besteht Handlungsbedarf?

Wie im Allgemeinen so üblich, hat jede Regel auch ihre Ausnahme. Denn in drei Fällen bedarf die Vorhautverengung doch einer Behandlung!

Fall 1:

Im ersten Fall ist die Vorhaut so eng mit der Eichel verklebt, dass sie sich nicht öffnen lässt, um die Harnröhrenmündung zu sehen. In einem solchen Fall ist davon auszugehen, dass Ihr Kind schon bald unter Entzündungen leiden wird. Denn wenn das Präputium an der Penisspitze zu eng ist, kann der Urin beim Wasserlassen nicht richtig abfließen. Reste bleiben unter der Vorhaut, weichen sie auf und machen sie anfällig für wiederkehrende und vor allem schmerzhafte Entzündungen oder für Infektionen der Harnwege.

Fall 2:

Der zweite Fall tritt ein, wenn sich die Vorhautverklebung nicht von alleine lösen will. Das heißt: Bis zum Eintritt ins Schulalter, spätestens jedoch bis zum 10. Lebensjahr des Kindes sollte der Ablöseprozess abgeschlossen sein. Bis dahin sollte sich also das Präputium bis hin zum Beginn des Penisschaftes zurückschieben lassen. Gelingt das nicht, kann es mit Eintritt in die Pubertät zu Schmerzen bei der Erektion kommen. Denn da der Penis nicht nur wächst, sondern sich bei einer Erektion auch noch um ein Vielfaches vergrößert, muss die Vorhaut diesem Ausdehnungsprozess standhalten können und dementsprechend geschmeidig und dehnbar sein.

Fall 3:

Der dritte Fall ist einfach erklärt. Er tritt genau dann ein, wenn das Kind – gleich welchen Alters – über Schmerzen beim Wasserlassen klagt. In diesem Zusammenhang sollte die Beschaffenheit der Vorhaut auf jeden Fall vorsorglich abgeklärt werden.

Vorhautverengung im Schulalter:  Oh wie peinlich!

Gerade für Jungen ist es oftmals schwierig, über das zu reden, was die Pubertät so mit sich bringt. Schmerzen beim Wasserlassen oder eine Erektion sind nicht unbedingt die Themen, die am Frühstückstisch diskutiert werden möchten. Zumindest nicht seitens des Pubertierenden.

Eher würden Jungen im Erdboden versinken, als ihren Eltern zu erklären, dass sie das Gefühl haben, dass da irgendetwas am Penis nicht stimmt. Denn viel zu groß ist die Angst, sich zu blamieren, weil sie vielleicht etwas falsch gemacht haben. Beispielsweise bei dem ersten Versuch, zu onanieren. Oh Gott, wie peinlich, den Vater oder die Mutter fragen zu müssen, wie es wohl richtig und vor allem schmerzfrei geht!

Eltern, die vorbeugen möchten, schicken ihr Kind deshalb zwischen dem 8. und 10. Lebensjahr noch einmal vorsorglich zum Kinderarzt. Denn dieser ist dafür ausgebildet, beurteilen zu können, ob die Vorhaut so ist, wie sie sein sollte, um mit den kommenden Entwicklungs- und Pubertätsschritten mithalten zu können.

Die Behandlung

Wenn sich die Vorhautverengung bei ihrem Sohn nicht von selbst zurückbildet und Beschwerden beim Wasserlassen auftreten, spätestens dann sollten Sie beim Kinderarzt vorsprechen. Der Arzt wird nach der Untersuchung entscheiden, ob eine Behandlung notwendig ist, oder noch abgewartet werden kann.

Für die Behandlung einer Vorhautverengung stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

  • Konservative Therapie mit kortisonhaltiger Salbe

Wurde bei Ihrem Sohn eine Phimose diagnostiziert, richtet sich die Behandlung nach den Symptomen. In den meisten Fällen wird sich der Arzt zunächst für eine „konservative Therapie“ entscheiden. Darunter versteht man die mehrwöchige Behandlung mit Hormonsalben, bei der die Vorhaut gleichzeitig immer wieder sanft gedehnt wird. In den meisten Fällen führt diese Maßnahme schon zum gewünschten Erfolg und die Verklebung löst sich. Hartnäckigere Fälle bedürfen der Beobachtung; nur in wenigen Fällen wird ein operativer Eingriff notwendig.

  • Operativer Eingriff

Der operative Eingriff, der nicht mit einer Beschneidung gleichgesetzt werden kann, da erstes Ziel sein muss, die Vorhaut – wenn möglich – zu erhalten. Deshalb wird die Vorhaut bei diesem Eingriff “nur“ eingeschnitten und neu vernäht, so dass eine Weitung entsteht. Nur wenn die Vorhaut durch vorangegangene und wiederholte Entzündungen schon stark geschädigt wurde oder vernarbt ist, wird sie entfernt. Ob vollständig oder nur teilweise hängt von ihrem Zustand ab. Insgesamt dauert der Eingriff weniger als eine Stunde, weshalb das Kind nur selten in der Klinik verbleiben muss. Meist darf es noch am selben Tag wieder mit Mama und Papa zurück nach Hause.