Auch wenn Sie grundsätzlich eine reibungslose Stillzeit haben, kann es manchmal zu kleineren Beschwerden an der Brust kommen. Dann kann es sinnvoll sein, wenn Sie die Brust ausstreichen. Dies löst einen Milchstau auf, die sich zu einer gefährlichen Brustentzündung (Mastitis) entwickeln würden. Es ist daher immer sinnvoll, sich bereits im Vorhinein mit der Technik zu befassen, wie man die Brust mit den Händen oder mit einer Milchpumpe entleeren kann.

Nachfrage und Angebot bei der Milchproduktion

Milcheinschuss

Kurz nach dem Milcheinschuss, wenn sich die Menge noch nicht angepasst hat, brauchen die Brüste manchmal etwas Hilfe, um sich richtig einzustellen. Brustausstreichen kann dann eine Erleichterung bei zu viel Muttermilch sein.

Wachstumsschub

Die Natur hat gut für Mutter und Kind gesorgt und beim Stillen die Nachfrage das Angebot regeln lassen. Das Baby wächst schubweise und benötigt dann entsprechend mehr Muttermilch für seine Ernährung. Das gilt zumindest im ersten halben Jahr, wenn Sie voll stillen. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, denn wenn Sie wirklich stillen möchten und in sich nicht zweifeln, dann reicht die Milch innerhalb weniger Tage wieder zur Ernährung Ihres Babys aus und Sie gelangen nach einer Phase mit sehr vielen kleinen Stillmahlzeiten wieder zu Ihrem gewohnten Stillrhythmus.

Beikoststart

Nach dem ersten Lebenshalbjahr kehrt sich der Trend dann wieder um: Sobald das Baby anfängt Beikost zu essen, reduziert sich ganz langsam automatisch die Muttermilchmenge mit steigendem Beikostanteil, bis das Baby entwöhnt ist.

So jedenfalls ist es in der Theorie und wenn Sie ein Beikostbuch besitzen oder an einem entsprechenden Kurs teilnehmen, wird man Ihnen genau diesen Idealfall schildern. Leider nehmen die Babys darauf manchmal keine Rücksicht und entscheiden sich einfach ganz plötzlich wieder um oder werden krank und wollen wieder voll gestillt werden. Danach möchten sie wieder ganz am Tisch mitessen und Sie sitzen mit Schmerzen in den Brüsten da und werden die Milchmenge nicht mehr los.

Will das Baby am Ende der Stillzeit ganz plötzlich nicht mehr so viel Muttermilch von Ihnen, dann hat Ihr Körper zu wenig Zeit, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Das Drüsengewebe produziert in diesen wenigen Tagen fleißig weiter die zuvor gewohnte Milchmenge, die aber nicht mehr abfließen kann. Dann können schmerzhafte Stellen und tastbare Knötchen in der Brust entstehen, die heiß werden und auch nach dem Stillen noch vorhanden sind. Manchmal kann man auf der Brustwarze dann auch ein weißes Bläschen (Milchbläschen) erkennen, hinter dem sich ein Stau gebildet hat.

Warum muss man die Brust ausstreichen oder Milch abpumpen?

Jetzt ist es wichtig, dass entweder das Baby die Milch abtrinkt, oder dass Sie der Brust durch Abpumpen oder Ausstreichen die Spannung nehmen und einen eventuell bereits bestehenden Stau auflösen. Wenn Sie sicher sind, dass Sie in Zukunft nicht wieder mehr Muttermilch benötigen, dann sollten Sie versuchen, nur so viel Milch auszustreichen, dass die Brüste nicht mehr schmerzen und dass der Stau (das tastbare, heiße Knötchen) weg ist. Nehmen Sie dann wenn möglich keine Milchpumpe, denn hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie den Milchfluss durch zu viel Abpumpen weiter anregen. Das Ausstreichen mit der Hand ist sanft und Sie können sehr leicht dosieren und entscheiden, wann die Brust weich genug ist. Anschließend können Sie einen Wickel aus kühlem Magerquark auflegen, um die Entzündung zu unterdrücken.

Nur dann, wenn Sie eine Stauung haben, aber das Baby voraussichtlich weiterhin viel Milch an der Brust trinken wird, sollten Sie die Brust vollständig oder fast vollständig entleeren. Hiermit wird dem Körper signalisiert, dass die Milchmenge weiterhin gebraucht wird. Da die vollständige Leerung der Brust am einfachsten mit der Milchpumpe gelingt, ist das Gerät in dem Fall die bessere Wahl.

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Gerade, wenn Sie abstillen, benötigen Sie sehr viel Zeit und Geduld, wenn Sie es schaffen möchten, ohne die Brust auszustreichen oder Muttermilch abzupumpen. Homöopathika und entwässernde Tees können unterstützen. Aber die ausgestrichene Muttermilch ist nicht verloren: Sie können das wertvolle Gut in vorsterilisierten Muttermilchbeuteln einfrieren und später verwenden, z. B. um einen Getreidebrei anzurühren.

So funktioniert das ausstreichen der Brust

Wenn Abpumpen nicht in Frage kommt, müssen Sie die Muttermilch händisch ausstreichen. Regen Sie am besten mit einem feucht-warmen Umschlag die Durchblutung des Brustgewebes an, damit die Milch leichter fließen kann. Das gilt besonders, wenn Sie bereits einen beginnenden Milchstau vermuten.

Anschließend greifen Sie die gesamte Brust mit der einen Hand und arbeiten mit der anderen von der Basis bis zur Brustwarze rundherum in massierenden Bewegungen. Bleiben Sie immer sanft und versuchen Sie, so entspannt wie möglich zu werden und nicht zu rubbeln oder zu quetschen, um das empfindliche Brustgewebe nicht zu verletzen. Sie können die massierende Hand entweder flach lassen, die Hand zur Faust ballen und die Fingerknöchel nutzen oder auch mit den Fingerspitzen massieren.

Ist das Brustgewebe so vorbereitet greifen Sie mit dem Daumen, dem Zeige- und Mittelfinger um den Warzenvorhof herum. Die drei Finger bilden eine C-Form, wobei der Daumen etwa drei Zentimeter oberhalb, Zeige- und Mittelfinger entsprechend weit unterhalb der Brustwarze greifen.

Heben Sie die Brust nun leicht an und drücken Sie die Hand im C-Griff etwas an den Brustkorb. Nun ahmen Sie die Bewegung des kindlichen Kiefers beim Stillen nach und drücken die Finger sanft zusammen, immer zur Brustwarze hin. Dabei schiebt sich der Warzenvorhof zusammen und die Finger rutschen nicht auf der sensiblen Haut hin und her.

Lockern Sie nun wieder den C-Griff und versetzen Sie die Finger ein wenig, bevor Sie die Bewegung wiederholen. Dabei wandern die Finger im Uhrzeigersinn um die Brustwarze, sodass Sie nach und nach alle Milchkanäle der Brüste durch die Massage entleeren.

Die Hand kann zwischendurch selbstverständlich gewechselt werden. Bleiben Sie immer liebevoll mit ihrem empfindlichen Brustgewebe und quetschen Sie es nicht. Das Ausstreichen mit beiden Händen kann schmerzhaft sein, daher sollten Sie sich die Zeit nehmen und die Massage immer nur mit einer Hand durchführen.

Wie viel Muttermilch sollte man aus der Brust ausstreichen?

Entnehmen Sie nur so viel Milch, wie nötig. Der Bedarf des Babys regelt die Menge an Muttermilch, die das Drüsengewebe in einer bestimmten Zeit bildet. Wenn Sie die Brust ausstreichen, verändern Sie künstlich den Bedarf und stören das Gleichgewicht. Versuchen Sie also immer den Zeitpunkt zu treffen, wenn die Brust wieder weich genug ist, sodass keine Schmerzen mehr zu spüren sind und Sie keinen Milchstau bekommen. Das geht mit den Händen leichter als mit der Milchpumpe.

Lagern Sie bei Bedarf die abgepumpte oder ausgestrichene Milch im Gefrierschrank in sterilen Muttermilchbeuteln oder verbrauchen Sie sie aus dem Fläschchen im Kühlschrank noch am selben Tag. Wundern Sie sich nicht, wenn sich die Milch innerhalb kurzer Zeit in zwei Phasen auftrennt. Da Muttermilch nicht homogenisiert ist, ist das ein normaler Vorgang. Das Fett vermischt sich wieder mit der wässrigen Phase, wenn Sie die Milch erwärmen und leicht schütteln. Erhitzen Sie die Muttermilch nie in der Mikrowelle, sondern immer nur in einem warmen Wasserbad.