Für viele frisch gebackene Mütter ist es ein Schock, wenn das Stillen nicht so funktioniert, wie sie es sich erträumt haben. Was folgt, sind Ernüchterung und in vielen Fällen ein schlechtes Gewissen. Vor allem ein Thema bringt junge Mamas immer wieder an ihre Grenzen – das Clusterfeeding.

Was versteht man unter Clusterfeeding?

Ein Neugeborenes hat noch keinen Rhythmus, weder was Schlafens-, noch was Fütterungszeiten angeht. Die Stillmahlzeiten sind nicht nur unregelmäßig, sie können auch lange andauern. Lässt sich der Säugling nicht ablegen und stillt, gerade während der Abendstunden, praktisch ununterbrochen, spricht man von Clusterfeeding.

Doch ist das normal? Sollten Säuglinge nicht alle drei bis vier Stunden gestillt werden? Kann man ihnen nicht einen Rhythmus anerziehen?

Es gibt solche „Anfängerbabys“, die fast von Beginn an große Stillabstände haben, nur kurz trinken und meist zufrieden sind. Die Regel ist dieses Verhalten allerdings nicht. Clusterfeeding ist etwas ganz Normales und Mütter sollten sich nicht verunsichern lassen, wenn sie einen Säugling haben, der mehr braucht als der ihrer Freundin.

Ihr Kleines als Stilllehrling

Zunächst muss ein Säugling nach einer anstrengenden Geburt zu Kräften kommen. Daher kann es sein, dass es stundenlang trinkt und dabei immer wieder einschläft. Hier hilft sanftes Wecken.

Kitzeln Sie die Fußsohlen Ihres Neuankömmlings und ziehen Sie ihn nicht zu warm an. Denn hat er es zu kuschelig und dämmert immer wieder weg, fällt das aktive Trinken an der Brust natürlich nicht so leicht. Wechseln Sie die Seite, sobald Ihr Kleines einzuschlafen droht, und versuchen Sie es mit Brustkompression. Dies simuliert den Milchspendereflex, so dass Ihr Schatz wieder aktiver zu saugen beginnt.

Außerdem will das Trinken an der Brust erst einmal gelernt sein. Sowohl Mama als auch Neugeborenes müssen ein eingespieltes Team werden. Da hilft vor allem eins: immer wieder üben!

Um zu verstehen, warum gerade Neugeborene und wenige Monate alte Säuglinge clustern, muss man einen Blick auf die Vorgänge während der Milchproduktion werfen.

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Clusterfeeding und Milchproduktion

Angebot und Nachfrage in der Stillbeziehung

Die Milchmenge jeder Frau ergibt sich aus dem Prinzip „Angebot und Nachfrage“. Das bedeutet, je öfter ein Baby an Mamas Busen trinkt, desto mehr Milch wird produziert. Auch dies ist ein Grund für das Clustern.

Wachstumsschübe

Kinder wachsen in Schüben, die mehrere Tage bis hin zu fünf Wochen anhalten können. Der erste spürbare Wachstumsschub erfolgt mit etwa fünf Wochen. Gerade während eines solchen Schubes ist stundenlanges abendliches Saugen ganz normal. Ihr Kleines signalisiert damit: Ich brauche mehr, denn ich wachse!

Danach dauert es bis zu 24 Stunden, bis die Milchproduktion sich auf den höheren Bedarf eingestellt hat. Meist ist das Clustern nach wenigen Tagen vorbei, ein gesteigertes Nähebedürfnis kann jedoch noch länger bestehen bleiben. Und da Mamas Busen mehr als nur den Hunger stillt, möchte Ihr Schatz vielleicht noch einige Zeit öfter saugen als zu normalen Zeiten.

High Need Baby

Von diesen Punkten abgesehen, gibt es Babys, die von Natur aus einfach mehr brauchen – mehr Mama, mehr Nähe, mehr Aufmerksamkeit. All dies erhalten sie unter anderem durch das Stillen. Solche High Need Babys fordern ihre Eltern sehr, gerade wenn sie wieder einmal stundenlang an Mamas Busen hängen möchten.

Wann genau solche Zeiten vorbei sind, ist so individuell wie die Entwicklung Ihres Kindes. Es gibt Babys, die überhaupt nicht clustern, und solche, die selbst nach Monaten noch nicht so zufrieden sind wie Mama und Papa es sich wünschen würden. Manchmal brauchen Eltern einfach einen langen Atem.

Weniger Muttermilch am Abend?

Viele Frauen berichten von dem Gefühl, abends weniger Milch zu haben als am Tag. Dies kann daran liegen, dass die Milchproduktion auch vom Stresslevel der Mutter abhängt. Morgens sind Sie wahrscheinlich ausgeruhter als am Abend. Dann ist es gut möglich, dass Ihr Kind vielleicht wirklich einmal nicht ganz satt wird und auch nach ausgedehntem Trinken noch Hunger verspürt. Allerdings gilt auch hier: Entspannt bleiben. Denn solange es gut gedeiht, machen Sie alles richtig!

Sich regelmäßige Pausen zu gönnen, ist essentiell. Versuchen Sie, Ihren Schatz im Liegen zu stillen, und ruhen Sie sich dabei aus. Schlafen Sie, wenn Ihr Baby schläft. Es kann nur im Tragetuch einschlafen? Auch Papas und Omas können Tücher binden! Holen Sie sich Entlastung, wann immer es möglich ist. Der Haushalt kann warten – Ihre Bedürfnisse und die Ihres Babys nicht.

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Zu wenig Muttermilch? Warum Ratschläge Schläge sein können

Oft sind Eltern verunsichert, wenn ihr Schatz mehrere Stunden am Stück gestillt werden möchte oder einfach keinen Rhythmus entwickelt. Dann suchen sie Antworten auf ihre Fragen: Mache ich etwas falsch? Ist das so normal? Schadet das meinem Kind?

Ihr erster Ansprechpartner ist meist die Hebamme oder der/die Kinderarzt/-ärztin. Leider findet sich guter Rat oft nicht in den Reihen des Fachpersonals. Noch immer ist die überwiegende Anzahl an Kinderärzten der Meinung, es müsse unbedingt ein Stillrhythmus von mindestens drei, wenn nicht sogar vier Stunden eingehalten werden. Auch heute noch halten sich Stillmythen wie die Mär von den Bauchschmerzen, die durch das Aufeinandertreffen von alter und frischer Milch verursacht werden.

Selbst Hebammen, sonst Meisterinnen ihres Fachs, verbreiten zum Teil noch immer veraltete oder schlicht falsche Tipps. Oft erhalten Mütter dann nicht die Antworten, die sie sich erhofft haben. Die Behauptung, ein Kind müsse sofort nach der Geburt erzogen werden, hält sich bei so mancher Hebamme noch immer hartnäckig.

Eltern stehen dann vor der Entscheidung, dem Fachpersonal zu glauben oder es auf eigene Faust zu versuchen. Die Verzweiflung wächst bei der frisch gebackenen Mutter, wenn ihre Hebamme sofort zum Zufüttern rät. Tut sie es, ist ihre Stillbeziehung in Gefahr. Tut sie es nicht, hat sie vielleicht das Gefühl, ihrem Kind zu schaden.

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Die Tücken künstlicher Sauger

Das Saugen an der Brust fordert das Baby sehr, denn es ist ein kraftvoller und erschöpfender Akt. Das Saugen an der Flasche hingegen ist sehr viel leichter, gerade wenn ein Sauger mit großer Öffnung benutzt wird. Der Säugling merkt schnell, dass er sich bei der Flasche nicht so anstrengen muss wie an Mamas Brust.

Gleichzeitig erfordert dies eine völlig andere Technik als der Saugakt beim Stillen, wodurch Letzterer manchmal regelrecht verlernt wird. Es kommt zur Saugverwirrung und das Stillen klappt vielleicht gar nicht mehr.

Wie bereits beschrieben, reguliert sich die mütterliche Milchproduktion außerdem nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Jeder Milliliter, der zugefüttert wird, ist ein Milliliter, den das Baby nicht aus der Brust trinkt. So geht die Muttermilch nach und nach zurück. Es muss mehr zugefüttert werden, wodurch es wiederum zu einer Verringerung der Milchproduktion kommt. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist.

Das Wichtigste beim Stillen: Der Glaube an sich selbst

Selbstzweifel sind der Feind der erfolgreichen Stillbeziehung. Sind Sie verkrampft, weil Sie Angst haben, Ihr Baby werde nicht satt, kann es zu einem verzögerten Milchspendereflex und einer Reduzierung der Milchmenge kommen.

Solange Ihr Baby vier bis fünf nasse Windeln pro Tag und rosige Haut hat, in den Wachphasen munter wirkt und gut zunimmt, erhält es ausreichend Nahrung. Dies gilt auch für Phasen des Clusterfeedings. Sind Sie unsicher, leihen Sie sich eine Babywaage aus der Apotheke aus und wiegen Sie Ihren Schatz alle zwei bis drei Tage. Stillproben – das Wiegen des Säuglings vor und nach dem Trinken – sind jedoch veraltet und verunsichern oft nur noch mehr.

Lassen Sie sich von einer Stillberaterin helfen. Sie finden bei der La Leche Liga oder der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen ehrenamtliche Stillberaterinnen, die Ihnen gern bei Problemen zur Seite stehen.

Das Wichtigste ist, sich zu entspannen. Sagen Sie sich immer wieder, dass das Clusterfeeding nicht bedeutet, dass zu wenig Muttermilch vorhanden ist. Es ist etwas ganz Normales, was viele Babys tun und das auch wieder vorbeigeht.

Clusterfeeding: Und wann hat Mama Zeit für sich?

Jede Mutter braucht auch babyfreie Zeiten. Diese sollten Sie einfordern und ohne schlechtes Gewissen genießen. Was aber tun, wenn Ihr Schatz wieder einmal clustern möchte?

Nutzen Sie auch diese Zeit für sich. Machen Sie es sich bequem und greifen Sie zu Tablet, Handy oder einem guten Buch. Schlafen Sie eine Runde oder telefonieren Sie mit der besten Freundin. Ihr*e Partner*in kann Ihnen ein paar Häppchen zubereiten und Sie vielleicht mit einer Nackenmassage verwöhnen.

Ihr Kleines möchte ganz nah bei Mama sein, Sie aber haben einen Termin – oder Geschwisterkinder zu betreuen? Im Tragetuch das Baby anzulegen braucht ein wenig Übung, erleichtert Ihnen jedoch erheblich das Leben. Eine Trageberaterin kann Ihnen zeigen, wie es geht, und Ihnen wertvolle Tipps geben.

Wie bei allen Phasen heißt es auch beim Clusterfeeding, Geduld zu haben. Jede Phase geht nach einigen Wochen vorbei, sei sie auch noch so anstrengend. Entspannen Sie sich – Sie sind eine gute Mutter und das Clustern bedeutet nicht, dass Sie zu wenig Milch haben.

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