Es gibt Dinge an und in unserem Körper, an die wir nicht den Hauch eines Gedankens verschwenden. Oder haben Sie sich schon einmal intensiv mit ihrem Zungenbändchen auseinandergesetzt? Sehen Sie! Dennoch sollten Sie dem Zungenbändchen Ihres Babys besondere Aufmerksamkeit schenken. Ein verkürztes Zungenbändchen Ihres Babys kann das Saugen an der Brust und das Schlucken der Muttermilch merklich beeinträchtigen.

So ergab eine Studie, dass ca. 16 Prozent aller Babys, bei denen das Stillen nicht so richtig klappen wollte, ein verkürztes Zungenbändchen hatten. Denn die Zungenbandverkürzung verhindert, dass die Zunge weit genug aus der Mundhöhle herausgeschoben werden kann.

Das wiederum ist wichtig um richtig an die Brustwarze heranzukommen und an ihr saugen zu können. Das Baby bekommt so nicht ausreichend Milch, da es eigentlich nur auf den Brustwarzen herum kaut, was den Milchfluss nicht anregt, sondern im Gegenteil nur dafür sorgt, dass Mamas Brustwarzen wund werden und die Milchkanäle verstopfen können. Eine äußerst unbefriedigende und vor allem anstrengende Prozedur für Mutter und Kind.

Zugenbändchen: Verkürzt, angewachsen oder auch Ankyloglosson genannt

Leider lässt sich ein verkürztes Zungenbändchen nicht immer sofort nach der Geburt feststellen, auch wenn die Erstuntersuchung des Neugeborenen – die sogenannte U1 – auch die Zunge berücksichtigt und kontrolliert, ob sie richtig im Mundraum sitzt. Ob das Zungenbändchen dabei ein wenig zu kurz geraten ist, zeigt sich jedoch oftmals erst später.

Entweder bei den bereits erwähnten Stillproblemen oder aber, sobald das Kind zu sprechen beginnt. Denn ein verkürztes Zungenbändchen bedeutet, dass die Zunge viel tiefer und fester im Mund verankert ist als normalerweise üblich. Dadurch ist ihr Bewegungsradius eingeschränkt. Umgangssprachlich spricht man hier auch von einer “angewachsenen Zunge“, der medizinische Fachbegriff hingegen lautet “Ankyloglosson“.

Verkürztes Zungenbändchen erkennen

Die Anzeichen für ein verkürztes Zungenbändchen machen sich folglich am ehesten beim Stillen bemerkbar. Beobachten Sie Ihr Kind genau:

  • Lässt es sich gut anlegen oder rutscht es immer wieder von Ihrer Brust ab?
  • Saugt es richtig oder kaut es eigentlich nur auf Ihren Brustwarzen herum?
  • Macht Ihr Baby beim Saugen merkwürdige Klick- oder Schnalzgeräusche?
  • Schläft Ihr Baby während des Stillens immer wieder ein und verlangt beim Aufwachen sofort erneut nach Ihrer Brust?
  • Dauert das Stillen weitaus länger als Ihnen und Ihrem Baby gut tut?
  • Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Baby, obwohl Sie es ausreichend stillen, nur langsam und mühsam an Gewicht zulegt?
  • Leidet es dabei häufig unter Koliken oder Blähungen?
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Und wie sieht es bei Ihnen selbst aus?

Sind Ihre Brustwarzen durch das Still-Szenario in Mitleidenschaft gezogen, sind sie wund, entzündet und schmerzen? Oder sind gar Ihre Milchkanäle verstopft und Sie leiden an einer sogenannten Mastitis (Brustentzündung), einer bakteriellen Infektion der Milchdrüsen?

Wenn Sie eine Vielzahl dieser Symptome bei Ihnen und/ oder Ihrem Kind bestätigen können, könnte ein verkürztes Zungenbändchen die Ursache dafür sein.

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Verkürztes Zungenbändchen: Behandlung

Bei der Behandlung des verkürzten Zungenbändchens scheiden sich die Geister. Die einen befürworten einen frühen operativen Eingriff, in dem das Zungenbändchen durchtrennt wird, andere hingegen erst dann, wenn es dem Kind Schwierigkeiten beim Sprechen bereitet, und Sprachtherapien nicht die gewünschte Wirkung zeigen.

Dennoch gilt das Durchtrennen des verkürzten Zungenbändchens als eher harmlose OP, die nur Sekunden dauert und auch nicht mit Nachblutungen einhergeht. Zumindest dann nicht, wenn der behandelnde Arzt beim Durchtrennen des Zungenbändchens darauf achtet, dass an der Stelle, an der er den Schnitt zur Durchtrennung setzt, kein Blutgefäß sitzt.

Die OP selbst kann, muss aber nicht unter Vollnarkose gemacht werden – je nachdem, wie alt das Kind zum Zeitpunkt des Eingriffs ist. Je älter das Kind, desto wahrscheinlicher wird jedoch die Vollnarkose. Entsprechend dieser Option variiert auch, ob die Operation ambulant durchgeführt wird oder ein stationärer Aufenthalt des Kindes in einer Klinik erforderlich wird.

Soll das Kind – oder in diesem Fall besser das Baby – nicht operiert werden, kann es auf Milch aus dem Fläschchen umgestellt werden. Denn bei diesem Saugvorgang haben auch Kinder mit einem verkürzten Zungenbändchen keinerlei Schwierigkeiten. Eventuell dauert es auch hier ein wenig länger, bis das Fläschchen leer ist oder es kommt zu einem vermehrten Speichelfluss, aber zumindest legen die Kleinen dank der für sie einfacheren Handhabung des Saugers ganz normal an Gewicht zu.

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