Viele frischgebackene Mütter klagen über Stillprobleme. Neben zu wenig Milch zeigt sich rasch nach der Geburt ein weiteres bekanntes Phänomen: wunde Brustwarzen. Um diese zu schonen, werden den Müttern häufig Stillhütchen angeboten. Doch schnell zeigt sich, dass deren Nutzen nicht unbedenklich für die Stillbeziehung ist.

Was ist ein Stillhütchen?

Still- oder Saughütchen können Sie sich als eine Art künstliche Brustwarzen vorstellen, die die natürlichen Brustwarzen bedecken. Sie bestehen aus Latex, Silikon oder Gummi und erinnern vage an den Sauger eines Schnullers.

Häufig werden der jungen Mutter noch in der Geburtsklinik Saughütchen angeboten, sobald die ersten Stillprobleme auftreten. Dabei wäre es oftmals ein Leichtes, Letztere zu beheben – mit sanfter Zuwendung, Zeit und Geduld. Die heutigen modernen Krankenhausroutinen erlauben der Hebamme sowie dem Pflegepersonal jedoch oft nicht das längere Verweilen am Bett einer Stillanfängerin. So wird oft zum Stillhilfsmittel gegriffen, um der Stillanfängerin den Start zu erleichtern: dem Stillhütchen. Mehr noch, dieses wird in manchen Fällen als unverzichtbares Equipment für das Stillen angepriesen.

Dabei ist seine Verwendung nicht ungefährlich für die Stillbeziehung. Neben einer Saugverwirrung beim Neugeborenen kann es sogar zu einer Reduktion der Milchmenge kommen, da die Brust nicht auf die gleiche Art stimuliert wird wie beim natürlichen Stillen ohne Brusthütchen.

Stillhütchen können in einschlägigen Drogerien oder im Internet erworben werden. In den seltenen Fällen, in denen ein Brusthütchen notwendig ist, sollte in jedem Fall ein Markenprodukt, beispielsweise von Medela* , erworben werden. Bei solchen Namen sind Sie, was Qualität und Material des Produkts anbelangt, auf der sicheren Seite. Selbstverständlich bieten Firmen wie Medela auch eine Beratung an.

Bei welchen Stillproblemen sind Stillhütchen nicht sinnvoll?

Nach der Geburt können, gerade beim ersten Baby, Stillprobleme auftreten. Die Startschwierigkeiten beim Stillen lassen sich jedoch in Zusammenarbeit mit einer guten Stillberaterin und viel Geduld in der Regel lösen. Folgende Probleme können auftreten:

  • Zu geringe Milchmenge

Häufig klagen frischgebackene Mütter über zu wenig Milch. Dabei findet der eigentliche Milcheinschuss erst etwa fünf Tage nach der Geburt statt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es absolut normal, dass Ihr Baby nur wenige Tropfen pro Mahlzeit trinkt.

  • Wunde Brustwarzen

Ihre Brust muss sich zunächst an die Belastung durch das Saugen gewöhnen. Dies kann mit leichtem Unwohlsein einhergehen. Schmerzen die Brustwarzen jedoch stark und werden sie wund, kann das oft an einer falschen Anlegetechnik liegen. Saughütchen sind hierbei kontraproduktiv. Damit wunde Brustwarzen schneller abheilen empfehlen Stillberaterinnen sogenannte Silberhütchen. Diese werden tagsüber oder auch nachts getragen und helfen bei der Wundheilung.   

  • Schwaches Saugen

Ein zu schwaches Saugen an der Brust kann auch von einem zu kurzen Zungenbändchen her rühren. Daher sollte dieses unbedingt kontrolliert werden, damit es gegebenenfalls von einem Arzt durchtrennt werden kann. Auch in diesem Fall sind Saughütchen nicht das richtige Hilfsmittel.

  • Zu heftiger Milcheinschuss

Ein starker Milcheinschuss kann den Körper der Frau sehr belasten. Die Brüste spannen unangenehm. Dieses Unwohlsein kann jedoch vor allem durch das Anlegen des Säuglings gelindert werden und nicht durch die Anwendung eines Stillhütchens.

Bei welchen Stillproblemen sind Stillhütchen sinnvoll?

Es können jedoch auch Anfangsschwierigkeiten beim Stillen auftreten, bei denen die Nutzung eines Saughütchens sinnvoll ist.

  • Schlupf- oder Flachwarzen

Bei Schlupf- oder Flachwarzen fällt es dem Neugeborenen meist schwer, die Brust der Mutter angemessen zu stimulieren. Es fehlt ihnen schlicht die Kraft, den Saugschluss zu meistern. Dadurch kommt es nur zu einem ungenügenden und daher ineffektiven Entleeren der Brüste. Ein Brusthütchen kann hier Abhilfe schaffen.

  • Frühchen oder geringes Geburtsgewicht

Ist Ihr Baby ein kleines Leichtgewicht und fehlt ihm geburtsbedingt die Kraft, die Brustwarze zu ergreifen, kann auch hier ein Saughütchen beim Stillen sinnvoll sein. In dem Fall ist dieses Hilfsmittel absolut angeraten und kann unter Umständen später, wenn der Säugling größer und kräftiger ist, wieder abgewöhnt werden.

  • Von der Flasche zum Stillen

Ist ein Baby mit der Flasche gefüttert worden, können Stillhütchen wie eine Brücke von der Flaschenfütterung hin zum Stillen funktionieren. Die Stillhütchen fühlen sich im kindlichen Mund ähnlich an wie ein Flaschensauger. Vor dem Anlegen kann die Mutter die Brusthütchen bereits mit Muttermilch füllen, so dass Ihr Baby nicht zu ungeduldig auf den Milchspendereflex warten muss. So kann auch mit vorheriger Flaschenfütterung noch eine wunderbare Stillbeziehung gelingen.

Die Anwendung: Wie werden Stillhütchen aufgesetzt?

Die Anwendung des Stillhütchens ist nicht schwer. Hier gilt: Mehrere Wege führen zum Ziel. Sie dürfen sich gern den für Sie passenden auswählen:

  • Falten Sie den Rand des Stillhütchens nach oben. Zentrieren Sie es über dem Warzenhof und legen Sie es auf. Dann streichen Sie den äußeren Rand glatt.
  • Auch eine leichte Drehbewegung kann helfen. Gehen Sie wie oben beschrieben vor und drehen Sie beim Auflegen das Saughütchen leicht.
  • Sie können auch das Hütchen fast komplett nach außen stülpen. Dann bringen Sie es auf die Brustwarze auf und stülpen es zurück. So saugt es sich perfekt fest und schmiegt sich an die Brust an. Hierbei wird oft bereits der Milchfluss stimuliert.
  • Generell können Sie vor jedem Anlegen die Brusthütchen mit lauwarmen Wasser anfeuchten. Dadurch haften diese besser an der Brust und sie werden dehnbarer, wodurch sie sich einfacher anbringen lassen.
  • Wichtig ist, dass das Baby eine korrekte Mundstellung hat; Es sollte den Mund weit geöffnet haben und nicht nur den Schaft des Stillhütchens (die Brustwarze), sondern auch einen großen Teil des Brustwarzenvorhof im Mund haben – so wird das Hin- und Herrutschen des Stillhütchens vermieden.
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Wodurch merke ich, dass mein Baby genug Milch erhält?

Gewicht sowie Ausscheidungen des Babys sollten beim Einsatz von Brusthütchen stets im Auge behalten werden. Gedeiht Ihr Kind gut, erhält es genug Milch von Ihnen. Dies gilt auch für den Einsatz von Stillhütchen. Auch Maßnahmen zur Erhöhung der Milchbildung sind empfehlenswert, beispielsweise zusätzliches Abpumpen und die Einnahme von Stilltees.

Wo kann ich Stillhütchen kaufen, und auf was muss ich achten?

Stillhütchen können in Drogerien erworben werden, aber auch im Internet. Wichtig ist, auf die richtige Größe zu achten, denn nur wenn diese stimmt, können die kleinen Helfer effektiv eingesetzt werden. Hersteller wie Medela, Lasinoh, Philips Avent , NUK oder MAM bieten die Stillhilfen meist in drei verschiedenen Größen an.

Achten Sie außerdem auf folgende Merkmale:

  • Die Brusthütchen sollten eine Nasenaussparung haben. So kann Ihr Kind Ihren Geruch wahrnehmen, so dass das Bonding besser gelingt und die hormonell bedingten Effekte beim Milchspendereflex zum Tragen kommen können.
  • Die Stillhütchen sollten so dünn wie möglich sein, damit sie die mütterliche Brust simulieren. Sie sollten beweglich und weich sein und nicht so hart wie ein Sauger.
  • Auf keinen Fall sollte das Hütchen so geformt sein wie ein Flaschensauger, sonst droht eine Saugverwirrung.

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Wie lange soll ich Stillhütchen verwenden?

Grundsätzlich sind Stillhütchen nur so lange empfehlenswert, wie Stillprobleme bestehen. Selbst dann sollte die Anwendung dieser Hilfsmittel immer wieder geprüft werden. Empfehlenswert ist nur der kurzzeitige Einsatz. In der Regel lassen sich die meisten Schwierigkeiten beim Stillen mithilfe einer gut geschulten Hebamme oder einer Stillberaterin beheben.

Wie Stillhütchen abgewöhnen?

Wurden die Anfangsschwierigkeiten beim Stillen auf zufriedenstellende Art gelöst, können die Stillhütchen abgewöhnt werden. Damit das Unterfangen klappt haben sich folgende Tipps als erfolgreich herausgestellt:

Viele Babys sind im Halbschlaf zugänglicher, wenn es um das Entwöhnen von Saugern oder Hütchen geht. Entziehen Sie Ihrem Kind beim schläfrigen Nuckeln sanft das Hütchen und bieten Sie ihm sofort die bloße Brustwarze an.

Kuscheln Sie viel mit Ihrem kleinen Schatz, am besten Haut an Haut. Oft suchen die Kleinen dann ganz von allein die Brustwarze und beginnen mit dem Saugen. Auch im Tragetuch ist diese Taktik empfehlenswert. Die dabei entstehende Bewegung beruhigt zugleich, so dass der Protest Ihres Lieblings vielleicht schneller abebbt als in einem bewegungslosen Umfeld wie dem Bett.

Versuchen Sie außerdem, bei jedem Stillvorgang gleich nach dem Anlegen und Einsetzen des Milchspendereflexes das Brusthütchen zu entfernen und die bloße Brustwarze anzubieten.

Das Fingerfeeding in Kombination mit der Brusternährung ist ebenfalls einen – oder mehrere – Versuche wert. Füttern Sie Ihr Kind zunächst mit dem Finger und tauschen Sie diesen dann schnell gegen die Brust aus. Vor dem Anlegen sollte zudem bereits der Milchspendereflex ausgelöst werden, um den kleinen Liebling bei Laune zu halten.

Egal, welche Methode zum abgewöhnen Sie wählen, wichtig ist insbesondere: Geduld. Verzagen Sie nicht, wenn die Entwöhnung vom Saughütchen nicht sofort klappt. Manche Kinder lassen sich schnell umgewöhnen, während andere ein bisschen mehr Zeit dafür benötigen.

Stillen und Hygiene: Wie werden Stillhütchen gereinigt?

Hygiene ist in den ersten Lebenswochen das A und O, denn Ihr Säugling ist noch sehr jung und sollte bestmöglich vor Keimen geschützt werden. Dies bedeutet nicht, dass Sie regelmäßig alles desinfizieren müssen, was mit Ihrem Kind in Kontakt kommt. Saughütchen jedoch sollten, ebenso wie Flaschensauger und Schnuller, regelmäßig ausgekocht werden. Dies geschieht einmal am Tag.

Vor und nach jeder Benutzung sollten die Saughütchen gründlich mit warmem Wasser gereinigt werden. Danach legen Sie sie zum Trocknen auf ein frisches Taschentuch oder Küchenkrepp. Sind die Hütchen trocken, können Sie diese in eine geschlossene Aufbewahrungsbox legen. Auch diese sollte regelmäßig gereinigt und getrocknet werden.

Vor jedem Stillen sollten die Hände gründlich mit Seife gewaschen werden. Achten Sie außerdem auf kurze, saubere Fingernägel und verzichten Sie in den ersten Monaten auf Nagellack.

Wie kann ich Stillhütchen vermeiden?

Der wichtigste Schritt zur Vermeidung dieser Stillhilfsmittel ist die Information vorab. Kontaktieren Sie am besten noch vor der Geburt eine Stillberaterin oder sprechen Sie mit Ihrer Geburtshelferin. Wenn Sie gut über das Stillen Bescheid wissen, können Sie oftmals sowohl unangenehme Überraschungen als auch ungewollte Einmischungen vermeiden.

Treten Schwierigkeiten beim Stillen auf, so fordern Sie aktiv Hilfe ein. Nicht immer nimmt sich das Klinikpersonal die Zeit, die eine junge Mutter braucht. Scheuen Sie sich nicht, Fragen zu stellen – dafür sind Hebamme und Pflegepersonal da.

Auch in einer Stillgruppe können Sie Hilfe bekommen. Suchen Sie sich Gleichgesinnte und sprechen Sie viel über Ihre Probleme beim Stillen, denn Sie sind nicht allein. Verunsichert zu sein und Unterstützung zu benötigen ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Sich Hilfe zu suchen zeugt von innerer Stärke.

In seltenen Situationen können Stillhütchen großartige Hilfsmittel sein, um Mutter und Säugling den Start beim Stillen zu erleichtern. In vielen Momenten jedoch ist bei der Verwendung der Stillhütchen mit Risiken verbunden, denn sie können zu einer Saugverwirrung führen. Ebenso können sie sich negativ auf die Milchbildung auswirken. Wichtig ist die richtige Wahl der Brusthütchen, vor allem jedoch die richtige Beratung durch eine fähige Hebamme oder Stillberaterin, um deren Einsatz möglichst zu vermeiden.

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