Gehören Sie auch zu den Müttern, die den Morgen wie in Trance erleben, weil es in der Nacht mal wieder eindeutig an Schlaf gefehlt hat? Und zwar nicht, weil sie bis nachts noch DVD geschaut haben, mit ihrem Liebsten aus waren oder mit ihrer besten Freundin bis früh in den Morgen am Telefon geplaudert haben. Sondern einzig und allein aus dem Grund, dass Sie wieder und wieder Ihr Kind beruhigen mussten, weil es permanent wach geworden ist und somit von dem Wunschdenken des Durchschlafens noch meilenweit entfernt zu sein scheint.

Warum schläft mein Kind nicht durch?  Die Frage aller Fragen

Die Frage ist: Was tun? Weitermachen wie bisher und dem Kind immer wieder die Sicherheit vermitteln, dass jemand da ist? Auf Kosten des eigenen Schlafes? Oder das Kind versuchsweise einfach mal schreien lassen? Dafür ist es doch schon alt genug, oder? Andere Kinder in seinem Alter schlafen doch auch schon durch …

Formulieren wir es einmal so: Wenn Ihr Kind wirklich schon alt oder in diesem Fall wohl besser “reif“ genug wäre, dann würde es durchschlafen. Und zwar von ganz alleine. Völlig egal, ob es nun ein, zwei, drei, vier oder fünf Jahre alt ist. Solange es dies nicht macht, braucht Ihr Kind die Rückversicherung, dass es nachts nicht alleine ist und dass jemand reagiert, wenn es weint oder schreit. Das gehört zu seiner Entwicklung und vollzieht sich in der Geschwindigkeit, die Ihr Kind braucht. Wie bei allen anderen Entwicklungsschritten auch.

Wenn Sie Ihr Kind hingegen wirklich schreien lassen, um ihm das Durchschlafen “beizubringen“, zerstören sie damit nur sein Vertrauen – in Sie und in sich. Denn ist das kindliche Urvertrauen gestört, kann das Kind auch kein gesundes Selbstvertrauen entwickeln, da das eine auf dem anderen basiert. Vertrauen ist auch hier das Fundament. Und wenn das Fundament fehlt, lässt sich darauf nichts aufbauen. Höchstens etwas, was auf sehr, sehr wackeligen Beinen steht.

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Wie lang ist die Ewigkeit?

Natürlich haben viele von uns das Durchschlafen “beigebracht“ bekommen, indem man uns als Baby oder Kind hat schreien lassen und nicht permanent nachts ans Bett geeilt ist, um uns zu versichern, dass wir nicht alleine sind. Unsere Eltern haben es gehandhabt, wie sie es für richtig gehalten haben und wie es ihnen wahrscheinlich empfohlen oder geraten wurde. Damals nahm man allerdings auch noch an, dass Säuglinge und Babys verhätschelt werden könnten und das Schreien lassen das Volumen der Lungen fördern würde.

Dann doch lieber wissenschaftlich fundiert, oder? So muss auch Dr. Richard Ferber gedacht haben, der Mitte der 80er Jahre ein Programm entwickelt hat, um Kindern das Allein-Einschlafen und vor allem das Durchschlafen beizubringen – die sogenannte Ferber-Methode. Dahinter verbirgt sich vor allem ein Zeitplan, der die Minuten, die Eltern ihr Kind weinen lassen, bevor sie nach ihm sehen, kontinuierlich erhöht. Angefangen bei drei Minuten, aufhörend bei 30 Minuten.

In Anbetracht dessen, dass Babys oder kleine Kinder weder die Uhr lesen können, geschweige denn überhaupt ein Zeitgefühl haben, ist das ein gewagtes Unterfangen. Denn Fakt ist, Ihr Kind hat Angst, wenn es nachts aufwacht, alleine ist und auf sein Rufen oder sein Weinen niemand reagiert. Völlig egal, ob eine Minute, fünf Minuten oder eine Stunde lang. In dem Moment hat ihr Kind Angst. Die Tatsache, dass niemand reagiert, macht es dabei nicht besser.

Natürlich funktioniert die Ferber-Methode. Aber wie Wissenschaftler herausgefunden haben, schläft Ihr Kind deshalb nicht durch. Es wacht immer noch auf, ruft Sie aber nicht mehr, weil es gelernt hat, dass Sie nicht kommen werden. Es bleibt mit seiner Angst allein und ganz, ganz still – eine gefühlte Ewigkeit lang, bis es wieder einschläft. Das gilt umso mehr für Kinder, die noch nicht gelernt haben, dass die Eltern vielleicht nur einen Raum weiter im Schlafzimmer oder im Wohnzimmer sind. Sind sie nicht in ihrem Sichtbereich, sind die Eltern für die Kinder nicht da und haben sie allein gelassen, wenn nicht sogar verlassen. Traurig, oder?

Auch interessant:  "Lass das Kind doch schreien" und andere gut gemeinte Ratschläge

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Aktiv durch die Nacht

Säuglinge, Babys, Kleinkinder und Kinder sind wie kleine Fledermäuse in der Nacht sehr aktiv. Zwar schlafen sie, aber nicht so wie wir Erwachsenen. Auch wir wachen in der Nacht ab und an auf, aber nur so kurz, dass wir uns daran kaum erinnern können. Warum wir aufwachen? Vielleicht aus demselben Grund, aus dem auch Kinder aufwachen. Um uns zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist, wir in Sicherheit sind, keine Angst zu haben brauchen und uns beschützt fühlen können. Bei uns Erwachsenen sind es vielleicht die eigenen vier Wände, die uns Halt geben, die kuschelige Bettdecke, die uns wärmt, der Lebenspartner, der beruhigend gleichmäßig neben uns atmet.

Bei Säuglingen, Babys, Kleinkindern und Kindern sind es die Eltern oder die sonstigen Bezugspersonen, die ihnen Halt und Sicherheit geben – niemand und nichts anderes. Erst, wenn sie für sich gelernt haben, dass sie sich immer auf ihre Bezugsperson verlassen können, werden sie auch durchschlafen. Von sich aus. Bei den einen geht das schneller, bei den anderen dauert es eine gefühlte Ewigkeit.

Dennoch hält sich hartnäckig das Gerücht, dass das Durchschlafen mit etwa einem Jahr passieren müsse oder erlernt werden könne. Zu genau dem gleichen Zeitpunkt, an dem Kinder ihren Aktionsradius erweitern und nicht mehr permanent an Mamas oder Papas Rockzipfel hängen? Frei nach dem Motto: Wenn die Kleinen sich schon tagsüber so unabhängig zeigen, dann können sie auch in der Nacht allein sein?

Ein fataler Irrtum! Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Nachts verarbeiten Kinder das am Tag Erlebte. All das, was sie gesehen und gehört, gerochen und geschmeckt, gefühlt und gelernt haben. All ihre kleinen und großen Abenteuer. Natürlich wachen sie dabei nachts auf und brauchen, wenn sie weinen, rufen oder schreien die Rückversicherung, dass sie weder in ihrem Traumwelt noch in der realen Welt alleine sind. Wenn nicht jetzt, wann dann?

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Das Fazit

Auch wenn es mitunter anstrengend ist, das Beste, was sie für Ihr Kind tun können, ihm nicht beibringen zu wollen, durchzuschlafen. Reagieren Sie, wenn ihr Kind nachts aufwacht und nach Ihnen ruft, weint oder schreit. Je schneller Sie reagieren, desto besser. Denn je jünger das Kind ist, desto weniger Zeitgefühl hat es. Da werden fünf Minuten schnell zu einer Ewigkeit.

Sie müssen kein komplettes Bespaßungsprogramm durchführen, sondern sollten darauf achten, dass sie so wenig Unruhe wie möglich in die Nacht Ihres Kindes bringen. Gedimmtes Licht, beruhigende Worte, leise Stimme, sanfte Streicheleinheiten sollten die ersten Versuche sein, Ihr Kind zurück in den  gleiten zu lassen. Auch, damit Sie selbst schnell wieder einschlafen können und nicht plötzlich hellwach sind und die Nacht zum Tag machen müssen.

Auch wenn Ihr Kind bereits über ein Jahr alt ist, vielleicht sogar schon zwei, drei oder vier Jahre, geben Sie ihm die Zeit, die es braucht, um von ganz alleine durchzuschlafen. Jetzt und vielleicht auch noch für einen längeren Zeitraum wird das an Ihren Energiereserven und an Ihren Nerven zehren, später aber werden Sie dafür reichlich beschenkt. Mit einem Kind, das Ihnen vertraut und das vor allem auch sich selbst vertraut. Ist das nicht das, was wir uns für unsere Kinder wünschen?

Photo by Minnie Zhou on Unsplash