Neugeborenengelbsucht ist im Gegensatz zur allgemeinen Erwartung sehr häufig vertreten, wird aber von vielen Eltern nicht sofort als solche erkannt. Denn das Kind sieht gesund aus, mit einem frischen, fast sonnengebräunten Teint. Wenn sich die Haut des Neugeborenen innerhalb weniger Tage von zartem babyrosa zu einem sonnigen Gelb-Braun oder Gelb-Orange verändert, verbirgt sich dahinter kein heimlicher Kurzurlaub, sondern vielmehr die reduzierte Leistungsfähigkeit der Leber. Davon betroffen sind mehr als die Hälfte aller neugeborenen Babys. Zumeist tritt die Verfärbung der Haut innerhalb der ersten zwei oder drei Tage nach der Geburt auf, ist nach zwei Wochen schon wieder vollständig verschwunden.

Entstehung der Neugeborenengelbsucht

Verursacher der Neugeborenengelbsucht ist ausschließlich der hohe Hämoglobingehalt des Blutes, der das Baby während seiner Entwicklung im Mutterleib und während der Geburt beim Sauerstofftransport unterstützt hat. Unmittelbar nach der Geburt jedoch, muss sich dieser relativieren, da das Kind nun eigenständig atmet und entsprechend weniger Hämoglobin zur Unterstützung braucht. Beim Abbau der roten Blutkörperchen wird der überflüssige Blutfarbstoff Bilirubin normalerweise über die Leber ausgeschieden. Da die Leber eines Neugeborenen dazu nicht immer sofort in der Lage ist, lagert sich das Bilirubin in den Augen und der Haut ab. Es wird hier sozusagen zwischengeparkt, bis die Leber ihre eigentliche Arbeit vollständig leisten kann. Meistens wie bereits erwähnt innerhalb eines Zeitraums von bis zu 14 Tagen. Bis dahin entsteht die klassische Gelb-Braun-Tönung der Haut, die Neugeborenengelbsucht.

Behandlung der Neugeborenengelbsucht

Gefährlich ist die Neugeborenengelbsucht dabei zumeist nicht. Es sei denn, die Bilirubinwerte überschreiten den zulässigen Höchstwert, was durch eine Blutuntersuchung überprüft wird, jedoch nicht allzu oft auftritt. Betroffen sind zumeist nur Neugeborene, die zu früh oder unter erschwerten Bedingungen das Licht der Welt erblickt haben, während des Geburtsvorgangs ins Fruchtwasser gemacht haben, das sich dementsprechend grünlich verfärbt (im Fachjargon als Mekonium-Ausscheidung bekannt), oder auch Babys, die nach der Geburt Blutergüsse oder Infektionen aufweisen und unzureichend Nahrung aufnehmen. Dann können die Bilirubinwerte zusätzlich ansteigen. Sollte dies der Fall sein, wird das Baby mit einer so genannten “Phototherapie“ behandelt, wozu es mehrmals täglich für einige Stunden unter eine Lampe gelegt wird, die spezielles blaues Licht abgibt. Innerhalb von wenigen Tagen zeigt die Behandlung üblicherweise bereits den gewünschten Erfolg, und der Bilirubinspiegel geht wieder zurück.

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Unterstützende Maßnahmen zum Abbau des Bilirubins

Auch wenn eine Behandlung nicht erforderlich ist, können Sie Ihrem Kind helfen, den Abbau des Bilirubins zu beschleunigen.

  1. Setzen Sie Ihr Baby in den ersten Lebenswochen keinem unnötigen Stress aus, da Stress den Abbau des Bilirubins negativ beeinflusst.
  2. Achten Sie darauf, Ihr Kind möglichst oft und lange zum Stillen anzulegen. Die Vormilch regt die Darmtätigkeit des Babys an und fördert die Ausscheidung des Bilirubins über den Darm.
  3. Sofern Sie Ihr Kind nicht stillen, sollten Sie es in den ersten Lebenswochen mit Pre oder Pre HA Nahrung füttern.
  4. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind immer warm gehalten wird, da der Stoffwechsel am besten bei einer konstanten Temperatur von 37 Grad arbeitet. Dies ist insbesondere auch beim Baden und Wickeln des Kindes wichtig.
  5. Vermeiden Sie es, Ihr Neugeborenes während der Hautverfärbung zu baden und verzichten Sie so lange wie möglich darauf.
  6. Wie bei der Phototherapie hilft auch natürliches Licht dabei, den Abbau des Bilirubins zu beschleunigen. Spaziergänge, bei denen ihr Baby im Kinderwagen genug Tageslicht abbekommt, sind hier ebenso zu empfehlen wie ein lauschiger Platz der Wiege oder des Bettchens am Fenster, durch das die Sonne auf das Köpfchen ihres Kindes scheinen kann.

Sonderform: Die Muttermilchgelbsucht

In seltenen Fällen wird auch eine Muttermilchgelbsucht beobachtet, die – wie der Name vermuten lässt – nur bei Babys in Erscheinung tritt, die gestillt werden. Auslöser sind hier bestimmte Hormone, die in der Muttermilch enthalten sind und sich den Enzymen, die das Bilirubin abbauen, quasi in den Weg stellen. Auch hier wird das Bilirubin in Augen und Haut des Neugeborenen zwischengelagert. Eine Behandlung ist, sofern eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen werden kann, in diesen Fällen jedoch nicht erforderlich, auch wenn die Verfärbungen bei einer Muttermilchgelbsucht bis zu zwei Monate andauern können.   Eine Muttermilchgelbsucht ist eher selten, so dass nur etwa 0,5 Prozent aller Säuglinge davon betroffen sind.