Hinter dem lateinischen Fachbegriff verbirgt sich eine schwangerschafttypische Stoffwechselerkrankung. Präeklampsie umschreibt nicht irgendeine Vergiftungserscheinung der werdenden Mutter, sondern um einen kritischen toxischen Zustand nach der 20. Schwangerschaftswoche (SSW). Charakteristisch für dieses Krankheitsbild ist das gebündelte Auftreten von mehreren Merkmalen. Einzeln gesehen begleiten sie viele Frauen in anderem Umständen. So klagen etwa 8 von 10 angehenden Müttern in den letzten Monaten über geschwollene Füße und Beine (Wassereinlagerungen = Ödeme). Bei etwa 10% der Schwangeren wird ein Bluthochdruck (Hypertonie) festgestellt.

Schwangerschaftsvergiftung: Zu viel Eiweiß im Urin, Blutdruck über 140/90 mmHg

Diese Kombination ist gefährlich: „Normalerweise reduzieren Hormone in der Schwangerschaft den Widerstand der Blutgefäße. Das Blut kann dann schneller fließen, die Plazenta wird gut durchblutet und das Kind mit besonders viel Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.“  Bei der Symptomatik Präeklampsie nehmen die Gefäßwände in ihren Zellen ernsthaften Schaden, sie sind weniger durchlässig. Danach steigt der Blutdruck, zwischen dem Ungeborenen und der Schwangeren zirkuliert das Blut nur noch eingeschränkt. Das zieht funktionelle Probleme im mütterlichen Organismus, speziell der Nieren, nach sich. Mit dem Urin scheidet er zu viel Eiweiß aus, wobei Wasser und Salze im Körper verbleiben.

Eine gestörte Nierenfunktion äußert sich so:

  • deutlich verringerte Urinmenge oder erhebliche Zunahme von Gewicht
  •  Ödeme in Füßen, Unter- und Oberschenkeln, Unterarmen, Händen und Gesicht

In Zusammenhang des erhöhten Blutdruckes klagen die Frauen oft über Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und/oder Ohrensausen. Derartige Zeichen sind also ernst zu nehmen und erfordern intensive ärztliche Kontrolle. „Das Risiko der Frühgeburtlichkeit steigt mit dem Schweregrad der Präeklampsie.“ Etwa jedes zweite, vor der 37. Schwangerschaftswoche entbundene Kind könnte wegen dieses funktionellen Stoffwechselleidens als Frühchen geboren sein, verdeutlicht Prof. Dr. Stefan Niesert, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Elisabeth-Krankenhaus Essen.

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Überwachen ja, Panik nein

Im Vergleich zu den europäischen Nachbarn werden Deutschlands schwangere Frauen umfassend betreut. Die Termine der Routineuntersuchungen liegen so, dass eine eventuelle Präeklampsie rechtzeitig diagnostiziert werden kann.

Es heißt aber: Je früher die Stoffwechselstörung in der Schwangerschaft auftritt, umso folgenreicher ist deren Krankheitsverlauf. Außerdem dem gilt: Der Grad der Erkrankung bestimmt die therapeutischen Maßnahmen. Bei leichten Zuständen reicht es häufig aus, der werdenden Mutter Auszeiten und Stressabbau zu verordnen. Sinkt der psychologische Druck, sinkt auch meist der Blutdruck. Führen Schonung und genügend Schlaf zu keinem dauerhaften Erfolg, folgt eine engmaschigere, meist stationäre Überwachung.

Erst bei konstanten Werten von über 169/100 mmHg verordnet man blutdrucksenkende Medikamente. Das bedingt konsequente Beobachtungen von Blut, Harn und Allgemeinzustand. Die Gabe von entwässernden Arzneimitteln ist überholt, die klassischen Reis-Obst-Tage sind nicht mehr zeitgemäß. Den erkrankten Schwangeren darf es aufgrund ihres Eiweißverlustes nicht an eiweißreichem, vollwertigem Essen und genügend Flüssigkeit mangeln.

Gesundheit für Mutter und Kind

Parallel zum mütterlichen Befinden wird das Ungeborene sorgfältig beobachtet. Ultraschalluntersuchungen vervollständigen die „Standarddaten“ – Wachstum, Bewegung im Mutterleib, Fruchtwasservolumen, Herztöne. Mit der Dopplersonografie kann der Arzt Fließgeschwindigkeit und Durchblutungsqualität überprüfen. Greifen wieder Erwarten die therapeutischen Schritte nur ungenügend und die Lebensbedingungen für das Baby verschlechtern sich, drängt die Zeit. Wann und auf welche Art und Weise dann die vorzeitige Entbindung stattfindet – diese Entscheidung trifft der behandelnde Gynäkologe zum Wohle von Mutter und Kind.

Heutzutage müssen Schwangere keine Langzeitfolgen der Präeklampsie befürchten, vorausgesetzt sie befinden sich unter Aufsicht und regelmäßiger Kontrolle. Zumal die Erfahrung zeigt, dass sich nach der Geburt Blutdruck und Eiweißwerte im Urin normalisieren. Der Körper braucht dazu etwa 4 – 6 Wochen.