Was vor Jahren noch unvorstellbar war, ist heute absolute Gewissheit: Es gibt sie die natürliche menschliche Chimäre.

Was bedeutet Chimäre?

Um zu verstehen, was der Begriff der “Chimäre“ bedeutet, ist ein Ausflug in die griechische Mythologie unvermeidlich. Denn schon in ihr wird ein Zwitterwesen namens Chimaira beschrieben, welches aus drei verschiedenen Arten besteht. Vorne ein Löwe, in der Mitte eine Ziege, hinten ein Drache.

Insgesamt ein Feuer speiendes und in sich geschlossenes Wesen. Sein skurriles Erscheinungsbild war kaum zu beschreiben und noch weniger zu begreifen. Kein Wunder, dass der Begriff der “Chimäre“ im umgangssprachlichen Sinn oftmals auch für ein Hirngespinst oder ein Fantasiegebilde verwendet wird.

Die Bauweise von Chimären

Erstmals geprägt wurde der Begriff der Chimäre 1908 durch den Botaniker Prof. Dr. Hans Winkler. Seitdem werden in Medizin, Biologie und hier insbesondere innerhalb der Genetik alle Organismen als Chimären bezeichnet, die aus unterschiedlichen Zellen und Geweben bestehen, dabei aber ein einziges und in sich geschlossenes Individuum bilden.

Kurz: Ein Organismus, der über mehr als nur ein Erbgut verfügt.

Pflanzliche, tierische und menschliche Chimären

Dass es menschliche Chimären gibt, ist noch nicht allzu lange bekannt. Erst die technischen und vor allem medizinischen Errungenschaften haben es möglich gemacht, hierauf einen Hinweis zu geben. Demgegenüber stehen pflanzliche Chimären, die schon seit 1675 bekannt sind. Damals beschrieb Petrus Natus eine Pflanze als Mischung aus Zitrone und Orange, die er in Florenz entdeckt und die sich auf natürliche Weise entwickelt hatte.

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Bei den Tieren ist nur der Maulesel als natürliche Chimäre bekannt – als Mischung aus Muli und Esel. Das Beispiel der künstlichen Zeugung, mit denen US-Wissenschaftler 1980 ein Schaf und eine Ziege miteinander gekreuzt haben. Die so genannte Schiege. Im Englischen “geep“ als Kurzform aus “goat – das Schaf“ und “sheep – die Ziege“ hingegen ging um die Welt. Bekannt ist auch die Tomoffel, die pflanzliche Kreuzung aus einer Tomate und einer Kartoffel.

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Menschliche Chimären: Verschwundener Zwilling

Menschliche Chimären hingegen waren bis zur Entdeckung des Vanishing Twin Syndromes, dem plötzlichen Verschwinden eines Zwillings im Mutterleib nicht denkbar. Erst die Erkenntnis, dass der abgestoßene Zwilling vom Uterus komplett resorbiert wird, haben in Verbindung mit modernsten medizinischen und mikroskopischen Untersuchungsinstrumenten nachweisen können, dass auch natürliche menschliche Chimären existieren.

Bei eineiigen Zwillingsschwangerschaften, bei denen einer der Föten vom mütterlichen Körper abgestoßen und gleichzeitig vollständig resorbiert wird, kann es passieren, dass der überlebende Zwilling diese Zellen über- und in sich aufnimmt. Aus zwei Föten wird plötzlich einer, der nicht nur sein eigenes, sondern auch das Erbgut seines Geschwisterchens in sich trägt.

Also ein einzelnes und in sich geschlossenes kleines Individuum, das aber dennoch über komplett unterschiedliche Erbanlagen verfügen kann. Diese können sich weit über den Körper verteilen, in unterschiedlichen konzentriert Körperregionen niederlassen. Beispielsweise als unterschiedliche Pigmentierung bestimmter Hautregionen zeigen, aber auch in Form von zwei unterschiedlichen Blut-Typen auftreten. Die natürliche DNA eines solchen menschlichen Chimären wird immer gemischt sein, auch wenn die Zellgruppen des toten Geschwisterchens manchmal so gering sind, dass sie kaum auffallen.