Auch wenn Kinder hin und wieder liebevoll als “junges Gemüse“ bezeichnet werden, stehen sie mit selbigem meistens auf Kriegsfuß. Insbesondere dann, wenn es sich um grünes Gemüse handelt. Aber oft genug werden auch die anderen Farben verweigert, genauso wie Obst.

Wenn auch Sie so einen kleinen Gemüse-Muffel ihr eigen nennen dürfen, können Ihnen vielleicht die nachfolgenden Tricks und Kniffe weiterhelfen, um ihre Wände, Böden und Decken zukünftig zu schonen – und trotzdem Ihren Nachwuchs mit ausreichend Vitaminen und Nährstoffen zu versorgen.

Den Geschmack des Auges berücksichtigen

Wie heißt es so schön: Das Auge isst mit! Und genau daran sollten Sie denken, wenn Sie Ihrem Kind das verhasste Gemüse schmackhaft machen möchten. Ein lustiges Gemüsegesicht, oder schiefes Gemüse-Haus oder auch ein rollendes Gemüse-Auto auf dem Teller weckt die Neugier und lässt das Gemüse gleich schon nicht mehr ganz so fies aussehen wie sonst vielleicht klein gegabelt auf dem Teller.

Magische Obst- und Gemüse-Geschichten erfinden

Da Kinder bekanntlich Geschichten lieben, sind sie auch gegen magische Obst- und Gemüse-Geschichten nicht immun. Diese charmante Schwäche können Sie nutzen, um Ihrem Kind einzelne Gerichte schmackhaft zu machen. So können die Kraft-Karotten Ihr Kind stark und mutig machen, die Chaos-Kohlrabi das Aufräumen des Kinderzimmers viel einfacher und schneller von der Hand gehen lassen, der Spaß-Spinat für einen lustigen Nachmittag sorgen. Hier sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Allerdings sollten Sie sich Namen und Kräfte einfallen lassen, von denen das Kind im Nachhinein denkt, sie wären ihm wirklich verliehen worden. Sei es, weil Sie nach dem Mittagessen auf dem Spielplatz waren und es seinen dort seinen Mut am Klettergerüst beweisen konnte, weil Sie ihm beim Aufräumen des Kinderzimmers geholfen haben, wodurch wie versprochen viel schneller von der Hand ging, oder aber weil Sie Ihr Kind am Nachmittag quer durch die gesamte Wohnung gejagt und ausgekitzelt haben. Entsprechend dürfen Sie natürlich auch nicht vergessen, diese Erlebnisse lautstark in Zusammenhang mit dem gegessenen Gemüse zu bringen. Denn nur dann wird Ihr Kind auch beim nächsten Mal wieder davon kosten.

Die Teller dekorativ gestalten

Auch wenn gar kein Obst oder Gemüse auf dem Plan steht, sollten Sie sich angewöhnen, bei kleinen Obst– und Gemüse-Muffel die Teller immer ein wenig zu dekorieren. Mal mit ein paar dekorativen Kräutern, dann wieder mit einigen Salatblättern, beim nächsten Mal mit einem kleinen Arrangement aus Tomaten, Paprika und Gurke, zum Milchreis vielleicht mit ein paar Mandarinenscheiben, Erdbeeren oder Apfelstückchen. So versteht sich die Garnitur zwar nur als Angebot und nicht als Zwang, verzehrt zu werden. Aber was immer wieder angeboten wird, wird auch irgendwann einmal probiert. Und sei es in dem Moment, in dem niemand hinschaut.

Sich mit dem Lieblings-Stofftier verbünden

In einem gewissen Alter des Kindes kann man sich auch noch mit seinem Lieblingsstofftier verbünden, das man bittet, Sohnemann oder Töchterchen zu erklären, warum es so wichtig ist, das Gemüse zu essen. Nicht nur, weil es eigentlich sehr lecker ist, sondern auch, weil es – jetzt aber bitte nicht erzählen, dass es ja so gesund ist – sondern stattdessen: Weil es das Blut viel schneller durch Deinen kleinen Körper spült, so dass Du es fast bis in die Ohren rauschen hören kannst.

Oder: Weil es Dich mit ganz vielen Vitaminen versorgt, die Dich schneller wachsen lassen, damit Du schon bald so groß bist wie Dein großer Bruder! Seien Sie kreativ und wecken Sie so die Neugier Ihres Kindes. Nein, Sie natürlich nicht, sondern das Lieblings-Stofftier Ihres Kindes, dem es bedingungslos vertraut und dem Sie ausnahmsweise Ihre Stimme leihen dürfen.

Insbesondere aber kann das Lieblings-Stofftier hilfreich sein, wenn Ihr Kind krank ist und ganz dringend Vitamine braucht, um schnell wieder auf die Beine zu kommen und draußen herumzutoben. Denn wie schnell ihm hier die Vitamine helfen können, wird ihm gerade dann wahrscheinlich am besten sein liebster Plüsch-Freund plausibel machen können.

Niemals zum Essen zwingen

„Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!“, ist für kleine Obst- und Gemüsemuffel, aber auch generell keine Lösung. Denn jedes Kind hat seinen eigenen und vor allem jeweils unterschiedlichen Geschmack, der nun einmal auch leider nicht dem ihren entsprechen muss.

Deshalb lautet die oberste Regel: Geduld!

Die Regel direkt darunter heißt: Immer wieder anbieten!

Die dritte Regel lautet: Es muss nicht gegessen, aber zumindest probiert werden!

Und die vierte Regel lautet: Wenn Ihr Kind auch beim zehnten Mal festgestellt hat, dass es noch immer nicht vom Brokkoli begeistert ist und diesen definitiv nicht mag, sollten Sie Ihrem Kind das glauben.

Was hier nur noch hilft, auch wenn es weh tut, ist, die eigenen Kochkünste zu hinterfragen. Denn vielleicht ist es gar nicht der Brokkoli an sich, sondern Ihre Art der Zubereitung? Ist er zu matschig, zu bissfest, zu salzig, zu viel gewürzt, oder liegt es an der Sauce Bernaise darüber?

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Als Vorbild fungieren

Wenn Sie selbst kein Obst- oder Gemüse-Fan sind, wird es sehr schwierig sein, Ihr Kind dazu zu bringen, Obst und Gemüse zu mögen. Denn Kindern lernen durch Nachahmung – manchmal eben auch hinsichtlich des “guten Geschmacks“.

Wenn Papa am Frühstückstisch von den traumhaft leckeren Birnen-Stückchen in seinem Müsli schwärmt, Mama aber nicht davon probieren lässt, und sich dem Kind eine lustiger Kampf um die Birnen-Stücke bietet, wird es vermutlich ganz schnell die Finger lang machen, selbst aus Papas Müslischale stibitzen und sich das Diebesgut ganz schnell in den Mund stecken. Das funktioniert bei fast jedem Essen und mit fast jeder Obst- und Gemüsesorte. Achten Sie also darauf, dass Sie Vorbild bleiben und zumindest selbst auch jedes Obst und jedes Gemüse vor den Augen Ihres Kindes probieren.

Einen gemütlichen Fernseh-Abend mit Gemüse-Dip veranstalten

Auch wenn Fernsehen an sich gar nicht so gesund ist, ab und an ist es auch für Kinder erlaubt. Studien haben bewiesen, dass Kinder gerade vor dem Fernseher am meisten essen und dort vor allem liebend gerne einige Kleinigkeiten knabbern. Das allerdings müssen ja nicht immer Chips, Erdnuss-Flips, Schokolade oder Salzstangen sein. Versuchen Sie es doch einfach mal mit einer kunterbunt und einladend gestalteten Rohkostplatte, zu der Sie verschiedene Dips anbieten. Wenn das Gemüse dann noch in lustige Formen geschnitten ist, die Sie ganz einfach mit speziellen Schneidern selbst gestalten können, sieht die Platte gleich doppelt einladend aus. Es müssen ja schließlich nicht immer Würfel und Scheiben sein.

Ihr Kind zum Hilfskoch ernennen

Wenn Ihr Kind bei der Zubereitung und der Auswahl des Mittagessens mit entscheiden darf, haben Sie den oder die Kleine fast schon auf Ihrer Seite. Dabei beginnt die Küchenverantwortung natürlich schon mit der Auswahl der geeigneten Zutaten. Nehmen Sie Ihr Kind also mit zum Wochen- oder Supermarkt und lassen Sie es selbst aussuchen, welches Gemüse es zum Mittagessen haben möchte. Macht es bei diesem kleinen Spiel direkt mit, versuchen Sie bitte nicht, ihm ein einmal ausgewähltes Gemüse wieder auszureden, weil Sie vielleicht etwas anderes im Sinn hatten, oder die Zubereitung umständlicher ist als gedacht. Denn genau das wäre kontraproduktiv und verdirbt ihrem Kind die gerade gewonnene Gemüse-Faszination nur. Danach heißt es auch in der Küche miteinander zu werkeln. Denn was gemeinsam mit der Mama zubereitet, geschnippelt, gewürzt, gedünstet, gekocht oder gebraten werden durfte, das wird in den meisten Fällen auch gegessen, zumindest aber probiert.

Ihr Kind gärtnern lassen

Eine kleine Steigerung zum Hilfskoch oder auch eine passende Ergänzung ist es, Ihrem Kind einen kleinen Kräutergarten zu schenken, für den es mit Ihrer Hilfe oder nach Ihrer Einweisung verantwortlich ist. Dieser kann seinen Platz im Garten, auf Balkon oder Terrasse, auf der Küchenfensterbank, aber auch auf der Fensterbank im Kinderzimmer finden. Wo auch immer er schlussendlich gewässert, gehegt und gepflegt wird: Das, was das Kind selbst voller Eifer groß gezogen und geerntet hat, wird es mit Sicherheit auch liebend gerne aus Mamas Kochtopf probieren.

Gemüse-Memory

Um generell die Neugier Ihres Kindes auf Obst und Gemüse zu wecken, hilft manchmal auch ein gemeinsam gestaltetes Memory-Spiel, bestehend aus verschiedenen Obst- und Gemüsesorten. Dafür müssen Sie einmal quer die Obst- und Gemüseregale leer kaufen bzw. so viele verschiedene Sorten wie möglich zusammenbekommen, mindestens jedoch 15 bis 20. Auch bei dieser Aktion sollte Ihr Kind schon dabei sein und mit Ihnen gemeinsam die benötigten Zutaten für das Spiel zusammentragen dürfen. Zuhause wird dann jede Obst- und Gemüsesorte einmal fotografiert, zweifach ausgedruckt, für eine bessere Haltbarkeit auf festeren Karton geklebt und anschließend in Form der Spielkarten zurecht geschnitten. Und schon kann es losgehen. Beim Spiel lernt Ihr Kind nicht nur die einzelnen Obst- und Gemüsesorten kennen und zu unterscheiden, Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren kleinen Tyrannen mit wohl dosierten Informationen zu Geschmack, Herkunft und Besonderheiten sehr, sehr neugierig zu machen.

Würfel eine 6

Dieses Spiel ist so simpel wie genial. Dafür brauchen Sie nur ein paar klein geschnittene Obstsorten, ein Schokoladen-Fondue und einen Würfel. Würfelt Ihr Kind beispielsweise eine 1, muss es ein Stück Banane essen, bei einer 2 ein Stück Apfel, bei einer 3 darf es sich etwas aussuchen, bei einer 4 darf es aussetzen, bei einer 5 muss es eine Erdbeere nehmen, und bei einer 6 darf es sich eine Obstsorte aussuchen und diese sogar in die Schokolade tunken. Was bei welcher Zahl zu tun ist, können Sie natürlich selbst definieren. Aber auf jeden Fall sollte bei einer 6 die Schokolade ins Spiel kommen.

Wenn nichts mehr hilft

Wenn gar nichts mehr hilft und Sie auch nicht herausfinden konnten, in welcher Form Ihr Kind Gemüse oder Obst vielleicht doch mag, dann lässt es sich wirklich nur noch verstecken – am besten in unauffälliger und damit zumeist pürierter Form. Das funktioniert beispielsweise sehr leicht bei Kartoffelpuffern und Waffeln, bei Desserts und in Muffins, in selbst gebackenen Keksen, leckeren Milch-Shakes oder gemixten Soft-Drinks. Wird die Mogelei erkannt und fortan ebenfalls verweigert, müssen Sie dafür sorgen, dass Ihr Kind dennoch ausreichend Vitamine zu sich nimmt. Dabei helfen Fleisch und Hülsenfrüchte, Nüsse, Milchprodukte und vor allem Pflanzenöl.