Häufig leiden Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder an KISS. Ob der „Schiefhals“ als glaubwürdig gilt oder einer Pseudodiagnose entspricht, kann dieser Artikel nicht klären. Denn darüber streiten Fachärzte aus Schul- und Alternativmedizin. Während die konventionellen Vertreter die Diagnose einer Kopfgelenks induzierten Symmetrie-Störung (KISS) ablehnen und auf fehlende wissenschaftliche Studien hinweisen, sehen ganzheitliche Spezialisten echten Behandlungsbedarf.

Was ist KISS?

Das KISS-Syndrom beschreibt eine Asymmetrie im Bereich der oberen Halswirbelsäule, deren Ursache eine Blockade des Kopfgelenkes ist. Darunter versteht man die eingeschränkte Funktion zwischen Schädelbasis und angrenzenden ersten Halswirbeln. In diesem Bereich verlaufen wesentliche Nervenbahnen, Muskelstränge und Blutgefäße; er hat also eine beträchtliche Wirkung auf den gesamten Organismus. Ist der Abschnitt gehandikapt, wirkt sich das nachteilig auf das frühkindliche Gedeihen aus. Die Kinder weisen Fehlhaltungen auf, haben Defizite in der Koordination, leiden unter Verdauungsbeschwerden (siehe Dreimonatskoliken) und sind oft in ihrer Motorik beeinträchtigt. KISS entsteht gewöhnlich unter den harten Bedingungen der Geburt, kann aber auch nachträglich durch Sturz, Erschütterung oder sonstige Traumata erworben werden. Eingriffe in den Geburtsvorgang, wie z.B. Saugglocke, Zange oder die mechanischen Kräfte während des Kaiserschnittes, lösen vielmals das KISS-Syndrom aus.

KISS-Kinder

Schreikinder sind Gedeihkinder. Dieser alte Spruch ist längst überholt und einfach nur falsch. Wenn ein Säugling weint, stimmt etwas nicht. Schreit er dauernd, liegt etliches im Argen. Neben seinem ausgeprägten Wehklagen fällt den Eltern das vermehrte Liegen nach einer Seite auf. Später überspringen die kleinen Patienten ganze Entwicklungsschritte. Sie krabbeln kaum, rutschen eher auf dem Po durch die Gegend oder erlernen verhältnismäßig früh das Laufen. Wenn die Krabbelphase kurz ausfiel, konnte die Fuß – Hand- -Augenkoordination nicht perfektioniert werden. Im Kindergarten– und Grundschulalter sind dann motorische und geistige Verzögerungen möglich.

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Das KISS-Syndrom tritt inzwei Varianten auf.

KISS I:

  • Kopfgelenk und Halswirbel einseitig verschoben
  • Kind tendiert zu einer Seite (Kopfdrehung, -neigung)
  • dadurch Schonhaltung (Schiefhals, C-Skoliose, Stillprobleme auf einer Seite, platter Hinterkopf und einseitiges Abwetzen der Haare)
  • zum Abstützen wird auf einer Seite gefäustelt
  • Schlafstörungen

KISS II:

  • Kopfgelenk und Halswirbel ebenfalls blockiert, aber Beschwerden führen zum deutlichen Überstrecken des Kopfes nach hinten
  • KISS-Fleck: typischer, kreisförmiger Haarabrieb in der Mitte des Hinterkopfes
  • Abflachen des Hinterkopfes
  • Kind scheut Bauchlage
  • Kopfhalteschwäche
  • Kopfhaltung kann bei lang anhaltendem Schreien gefährlichen Sauerstoffmangel auslösen

Beide KISS-Typen haben noch Anzeichen gemein:

  • Kind spuckt, sabbert, erbricht vermehrt
  • schwächelt beim Saugen und Trinken
  • verminderte Muskelspannung
  • Mütter berichten von erschwertem Stillen und Brustentzündungen, Dreimonatskoliken

Professionelle Hilfe suchen

Ob ein KISS-Syndrom oder andere Gesundheitsstörungen vorliegen, kann nur die/der Fachfrau/mann klären. Dabei sollten Sie als Mutter auf ihr Herz und ihren Verstand hören und unter gegebenen Umständen eine Zweitmeinung einholen. Geschulte Physiotherapeuten erkennen oft auch asymmetrische Haltungen. Idealweise wird ihr Kind dann von einer/m Osteopathin/en oder Manualtherapeutin/en behandelt. Wer eine/n ganzheitlich praktizierende/n Orthopädin/en in der Nähe hat, ist sehr gut beraten. Allerdings erstatten die gesetzlichen Krankenkassen dafür keine Kosten.

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