Es ist eine uralte Idee, die heute wieder an Beachtung gewinnt und dementsprechend auch einen neuen Namen bekommen hat: Baby Led Weaning, kurz: BLW und bedeutet soviel, das eigene Baby so früh wie möglich an feste Nahrung zu gewöhnen und dabei entweder vollkommen oder aber größtenteils auf Breikost, püriertes Obst oder püriertes Gemüse zu verzichten. Entsprechend bekommt das Kleine beim Baby Led Weaning weiterhin alle wichtigen Nährstoffe aus der Muttermilch, lernt sonst aber alleine zu essen – ohne Löffel, Pürierstab oder kleine, passend zurechtgeschnitzte, mundgerechte Stücke, sondern – wie man es modernerweise auch ausdrücken könnte – anhand von Fingerfood. Denn die eigenen Finger des Babys sind beim Baby Led Weaning das A und O.

Warum Baby Led Weaning (BLW)?

Mit BLW entdeckt das Baby die Nahrungsmittel mit all seinen Sinnen: Es fühlt und ertastet beispielsweise einzelne Gemüse- und Obstsorten mit seinen eigenen Händen, sieht ihre Farben und erkennt ihre Form, nimmt ihren natürlichen Geruch durch die Nase auf und wird sie nach ausgiebiger Erkundung irgendwann auch eigenständig erschmecken. Das macht nicht nur dem Kind Spaß und ist ein Abenteuer für all seine Sinne, sondern auch für die Eltern hält es tolle Augenblicke bereit, in denen sie ihr Kind dabei beobachten können, wie es sich ganz allein mit seinem Essen beschäftigt, es eingehend untersucht, erkundet und irgendwann mit seinen kleinen Fäusten endlich in die richtige Richtung – nämlich Richtung Mund – schiebt, daran lutscht oder sich die ersten kleinen Stücke abbeißt.

Dementsprechend ist Baby Led Weaning nicht nur ein Riesenspaß für die Kleinen, sondern auch eine tolle Art, ihre Entwicklung zu fördern. Das allerdings fordert den Eltern jede Menge Geduld und Gelassenheit ab. Denn wenn Babys mit ihrem Essen spielen dürfen, kann man sich sicher sein, dass es dabei nicht gerade manierlich zugeht.

Die Nachteile von Baby Led Weaning

Wer hat ihn noch nicht gehört? Den Satz “Mit Essen spielt man nicht“? Beim Baby Led Weaning ist jedoch gerade das ausdrücklich erwünscht. Und genau deshalb hat diese Methode auch ihre Nachteile. So eignet sie sich wenig bis gar nicht für ungeduldige Mütter, die nicht mehr Zeit als nötig in die Mahlzeiten ihres Kindes investieren möchten, und ebensowenig für Mütter, die einen hohen Wert auf Sauberkeit und Hygiene legen. Denn Gematsche, Gekrümel und Geschmiere sind beim Baby Led Weaning definitiv vorprogrammiert. Wie sonst auch sollte das Baby den Brokkoli oder die Banane mit all seinen Sinnen begreifen können? Denn bekanntermaßen hat der Ausdruck  “begreifen“ seinen Ursprung in dem Wort “greifen“.

Da ein großer Teil des Essens gerade zu Beginn immer wieder auf dem Boden statt im Mund landen wird, ist klar, dass beim Baby Led Weaning zudem auch ein hohes Maß an Lebensmitteln verschwendet wird, da diese später mit sicherer Wahrscheinlichkeit im Abfalleimer landen werden – zumindest, wenn man keinen eigenen Komposthaufen hat.

Zu guter Letzt ist Baby Led Weaning nicht für alle Babys geeignet. Insbesondere dann nicht, wenn Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Verdauungsprobleme in der Familie bekannt sind und auf das Kind vererbt worden sein könnten. In diesen Fällen empfiehlt es sich, vor dem Beginn von Baby Led Weaning ein Gespräch mit dem behandelnden Kinderarzt zu führen. Gleiches gilt, wenn das Baby als Frühchen zur Welt gekommen ist. Auch hier sollte der Kinderarzt vorab sein Okay geben, damit das Kind in seiner Entwicklung nicht überfordert wird. Denn: Alleine essen zu dürfen, ist zwar auf der einen Seite ein sinnliches Vergnügen, auf der anderen Seite bedeutet es aber auch Schwerstarbeit für die Kleinen.

Die Vorteile von Baby Led Weaning

Richtig schmecken und schlucken von Anfang an. Baby Led Weaning hat wie beschrieben einige Nachteile. Doch die Vorteile überwiegen. So braucht das Baby beispielsweise keinen gesonderten Speiseplan, sondern isst im Prinzip, was die Eltern und Geschwister auch essen. Im besten Fall sogar zur gleichen Uhrzeit und gemeinsam mit ihnen am Tisch. Teure Babybreie und Babygläschen werden überflüssig, und selbst der Pürierstab findet wieder in den Schrank zurück. Denn in letzter Konsequenz sollten beim Baby Led Weaning alle Nahrungsmittel, die dem Kind angeboten werden, immer groß genug sein, dass es sie gut greifen und festhalten kann.

Besonders betont wird beim Baby Led Weaning die Tatsache, dass das Kind auf diese Art und Weise von Anfang an richtig zu schmecken und zu schlucken lernt und sich als positive Begleiterscheinung später zudem wesentlich weniger mäkelig beim Essen zeigt. Das gilt insbesondere für die verschiedenen Gemüsesorten. Leidgeprüfte Eltern wissen, was gemeint ist. Denn gerade bei Gemüse – vor allem, wenn es sich dabei auch noch um grüne Sorten handelt – werden von vielen Kindern verweigert. Durch das Baby Led Weaning jedoch lernen Kinder schon frühzeitig verschiedene Nahrungsstrukturen kennen und vor allem, diese unbefangen oder unvoreingenommen zu akzeptieren. Dies gilt insbesondere dann, wenn mit Baby Led Weaning vor dem 10. Lebensmonat begonnen wird.

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Wie anfangen? Der richtige Weg zum Baby Led Weaning

Wer neugierig geworden ist, kann Baby Led Weaning (BLW) ganz einfach für sich und sein Baby ausprobieren. Der beste Zeitpunkt dafür ist der, zu dem das Baby schon aufrecht sitzen kann. Denn sobald es dies beherrscht, ist die Gefahr, dass es sich beim Essen des Fingerfoods verschluckt, nur noch gering. Denn dass Babys sich ab und an verschlucken, ist absolut normal. Bei Milch und Brei ist das sogar weitaus häufiger der Fall. Aber auch beim Baby Led Weaning gilt deshalb: Das Kind mit dem Essen auf keinen Fall unbeaufsichtigt lassen.

Welche Lebensmittel sind für BLW geeignet?

Zu Beginn eignen sich vor allem verschiedene Obst- und Gemüsesorten. Obst ist dabei natürlich die einfachste aller Varianten, da dieses vorher zumeist noch nicht einmal gekocht werden muss. Bei zu festen Obstsorten wie beispielsweise knackigen Äpfeln kann es aber durchaus sinnvoll sein, diese vorab ein wenig zu dünsten.

Gleiches gilt für Gemüse: Auch hier lassen sich viele Sorten finden, die als Rohkost angeboten werden können. Ist das Gemüse jedoch  zu hart, sollte es vorher ebenfalls ein wenig gekocht werden.  Denn: Feste Stücke sind nichts, solange das Baby noch nicht richtig kauen oder halbwegs beißen kann. Dies ist üblicherweise erst im ca. 8. Lebensmonat des Kindes der Fall.

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Nicht einsam, sondern gemeinsam essen

Eines der schönsten Dinge am Baby Led Weaning ist, dass alle Familienmitglieder zusammen essen können – selbst das jüngste. Denn das Baby kann im Prinzip genau dasselbe bekommen wie die Großen auch. Mit ihnen gemeinsam an einem Tisch. Dafür muss nur der Teil, der für das Baby bestimmt ist, bei der Essenszubereitung vor dem Würzen entnommen werden.

Anfangs wird das Baby mit dem Essen voraussichtlich nur spielen. Im besten Fall nur daran herumlutschen, ohne wirklich etwas zu essen. Deshalb sollten die Milchmahlzeiten aus Brust oder Flasche weiterhin so regelmäßig erfolgen wie vorher auch. Erst, wenn das Baby immer mehr Fingerfood wirklich isst, können die Milchmahlzeiten entsprechend reduziert werden. Keine Panik, Ihr Kind wird Ihnen schon zeigen, wann es satt ist oder wann es noch Hunger hat. Allerdings: Je weniger Milch das Kleine bekommt, desto mehr zusätzliche Flüssigkeit braucht es. Hier eignet sich beispielsweise abgekochtes Wasser aus dem Trinklernbecher perfekt.

Brust- und Flaschenkinder

Generell ist es egal, ob Sie Ihr Baby von der Brust oder der Flasche an feste Nahrung gewöhnen möchten. Brustkinder haben es jedoch zumeist ein wenig einfacher, sich ins BLW einzufinden. Sie sind daran gewöhnt, massiv mit Zunge und Kiefer zu arbeiten, um Milch aus der Brust heraussaugen zu können. Flaschenkinder werden sich unter Umständen ein wenig schwer damit tun, von Anfang an den richtigen Dreh zu finden, was sie mit dem Fingerfood machen sollen. Da die kindliche Neugier und der Drang, sich Dinge in den Mund zu stecken, jedoch bei allen Kindern gegeben ist, lassen sich somit auch Flaschenkinder ans Baby Led Weaning gewöhnen. Es dauert vielleicht nur ein wenig länger.

Baby Led Weaning (BLW): 10 Regeln

Wenn auch Sie Ihrem Baby den Übergang von der Milchnahrung zu fester Nahrung anhand von BLW (Baby Led Weaning) – der eigenständigen Nahrungsaufnahme Ihres Kindes ohne Löffel, ohne Brei, ohne Püriertes – ermöglichen möchten, gilt es dabei einige Regeln zu beachten. Die zehn wichtigsten haben wir hier als schnellen Überblick für Sie zusammengestellt:

1. Beginnen Sie nicht zu früh

Beginnen Sie mit Baby Led Weaning erst, wenn ihr Baby aufrecht sitzen kann. Denn damit reduziert sich die Gefahr, dass es sich verschluck. Gänzlich auszuschließen ist die Möglichkeit des Verschluckens natürlich auch dann nicht, denn selbst wir Erwachsenen sind hin und wieder nicht davor gefeit.

2. Beginnen Sie nicht zu spät

Wann genau Sie mit Baby Led Weaning beginnen (abgesehen davon, dass Ihr Kind aufrecht sitzen können sollte), ist eigentlich unerheblich. Dennoch empfiehlt es sich, vor dem10. Lebensmonat des Kindes zu starten. Danach sind Babys gegenüber neuen Nahrungsstrukturen weniger offen und könnten entweder mäkelig reagieren oder das dargebotene Fingerfood komplett verweigern, womit sich eigentlich auch Sinn und Nutzen des Baby Led Weaning verlieren.

3. Beachten Sie die natürliche Entwicklung Ihres Kindes

Verlangen Sie nicht zu viel von Ihrem Kind. Solange Ihr Kind noch nicht richtig kauen und beißen kann, sollte das Fingerfood weich genug sein, um daran herumzulutschen. Festere Nahrungsmittel funktionieren hingegen erst ab dem etwa 8. Lebensmonat Ihres Kindes, wenn sich Kiefer und die ersten Zähnchen entsprechend entwickelt haben. Wie immer gilt aber auch hier: Versuch macht klug. Denn natürlich gibt es auch Babys, die schon sehr viel früher Gefallen am Abknabbern des Maiskolbens finden.

4. Denken sie nicht mund-, aber handgerecht

Generell sollte das Fingerfood, das Sie Ihrem Baby anbieten, nicht mundgerecht sein, sondern vielmehr den kleinen Fingerchen Ihres Kindes gerecht werden – deswegen auch “Fingerfood“. Die filigrane Spreizhaltung wird Ihr Baby erst lernen müssen, so dass Sie anfangs die Stücke so dimensionieren sollten, dass Ihr Kind sie gut in seiner kleinen, geballten Faust halten kann.

5. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend Eisen bekommt

Über die Muttermilch wird Ihr Baby ausreichend mit Eisen versorgt. Auch wenn sich hier die Geister scheiden und manche Kinderärzte Meinung sind. Solange die Eisenwerte Ihres Babys in Ordnung sind, brauchen Sie sich keinerlei Gedanken zu machen. Sind Sie hingegen zu niedrig, sollte dementsprechend beim Baby Led Weaning ein besonderes Augenmerk auf der Zufuhr von Eisen liegen. Im Internet finden sich zahlreiche Blogs zum Thema, die auch Ideen, Rezepte und Anregungen bereithalten.

6. Geben Sie die Milchnahrung weiter wie gewohnt

Da Ihr Kind anfangs eher mit seinem Fingerfood*  spielen als es wirklich essen wird, braucht es weiterhin seine Milchmahlzeiten – genauso wie vorher auch. Die Milchnahrung wird sich erst dann reduzieren, wenn Ihr Baby ausreichend Kalorien über die feste Nahrung zu sich nimmt. Ein ganz natürlicher Prozess, bei dem Sie darauf vertrauen dürfen, dass Ihr Kind satt ist, wenn es meint, satt zu sein – und Ihnen genau das auch zeigt.

7. Sorgen Sie für ausreichend Flüssigkeit

Wenn sich die Milchmahlzeiten Ihres Kindes durch das Baby Led Weaning reduzieren, erhöht sich der Bedarf an Flüssigkeit, die Ihr Kleines braucht. Bieten Sie ihm deshalb ausreichend Wasser oder Tee an, damit es Ihrem Baby an nichts fehlt und es sich rundum wohl fühlen kann.

8. Machen Sie es sich und Ihrem Baby so einfach wie möglich

Nutzen Sie Baby Led Weaning am besten in seiner reinsten Form. Das heißt: Lassen Sie Ihr Baby an den gemeinsamen Mahlzeiten der gesamten Familie teilhaben und bieten Sie ihm das an, was auch Sie selbst und die anderen Familienmitglieder essen – zumindest Stücke davon.

Damit Ihr Kleines sein Fingerfood mit allen Sinnen greifen und vor allem begreifen kann – womit Gekrümel, Geschmiere und Gematsche logischerweise dazu gehören – besorgen Sie sich große Lätzchen*  oder Babykleidung, die schmutzig werden darf, da sie auch auf hohen Temperaturen gewaschen werden kann. Ein Duschvorhang oder eine große Gartentischdecke über dem Teppich oder unter Babys Hochstuhl erleichtert nicht nur Aufräumen, sondern sorgt auch dafür, dass heruntergefallenes Essen wieder aufgehoben und dem Baby noch einmal angeboten werden kann.

9. Bleiben Sie anwesend

Gerade weil Ihr Kind sich trotz allem verschlucken könnte, sollten Sie es beim Essen niemals allein bzw. ohne Aufsicht lassen. Auch dann nicht, wenn alle gefährlichen Gegenstände außer Reichweite sind und Ihr Kleines es bereits oft geschafft hat, die Banane oder den Brokkoli ohne besondere Vorkommnisse zu verspeisen.

10. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Insbesondere, wenn in der Familie bereits Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichlichkeiten bekannt sind, die auf das Kind vererbt worden sein könnten, sollten Sie, bevor Sie Baby Led Weaning ausprobieren, den Kinderarzt konsultieren. Gleiches gilt für zu früh geborene Kinder. Auch hier sollte die Meinung des Kinderarztes ausschlaggebend sein, um das Kleine in seinen Entwicklungsschritten nicht zu überfordern.

Fazit

Auch wenn Baby Led Weaning als fließender Übergang von der flüssigen Milch zur festen Nahrung beschrieben wird, muss dieser nicht wirklich zwingend so erfolgen.  Natürlich können Sie Ihrem Baby auch einen Mix aus Milch, Brei, Püree und Fingerfood anbieten, was somit beispielsweise den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (kurz: WHO), der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (kurz: DGE), der Europäischen Union und einer Vielzahl von Ernährungswissenschaftlern entspricht.

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