Muttermilch ist ein wahres Wunder. Sie dient nicht nur der Ernährung, sondern auch der Immunabwehr. Dabei enthält sie von Anfang an alles, was ein Baby braucht. Doch nicht nur das – ihre Zusammensetzung ist nicht konstant, sondern verändert sich im Laufe der Stillzeit immer wieder. Die erste gravierende Veränderung der Zusammensetzung erfährt die Muttermilch durch den Milcheinschuss, wenn sich das Kolostrum in Übergangsmilch und schließlich in die reife Frauenmilch umwandelt. Dieser kann für die frischgebackene Mama unangenehm sein und manchmal sogar schmerzhaft. In unserem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie mit einem zu heftigen Milcheinschuss sowie einer dadurch verursachten Brustdrüsenschwellung umgehen.

Was versteht man unter Milcheinschuss?

Bereits in der Schwangerschaft verändern sich die Brüste einer werdenden Mutter. Sie werden größer und bereiten sich auf die Stillzeit vor.
Direkt zu Beginn der Stillzeit verfügt eine Frau bereits über Nahrung fürs Baby – die sogenannte Vormilch. Diese enthält alles, was ein Neugeborenes in den ersten Lebenstagen braucht.

Wann kommt der Milcheinschuss?

Nach etwa drei bis fünf Tagen findet dann der Milcheinschuss statt, der von dem laktotropen Hormon Prolaktin ausgelöst wird und für die Mütter durchaus schmerzhaft sein kann. Er setzt umso früher ein, je öfter Sie Ihr Neugeborenes anlegen, denn dadurch wird die Milchbildung am besten angeregt. Nun folgt auf das Kolostrum zunächst die Übergangsmilch und hierauf die reife Frauenmilch. Dabei ändert sich die Zusammensetzung der Muttermilch gravierend.

Kolostrum oder Vormilch – was ist das eigentlich?

Als Kolostrum oder Vormilch wird die Milch bezeichnet, die das Neugeborene in den ersten Lebenstagen von der Mutter trinkt. Es hat im Vergleich zur reifen Muttermilch einen relativ geringen Fett- und Kalorienanteil, verfügt allerdings über ein sehr hohes Maß an Immunabwehrstoffen. Dadurch wird das noch unreife Immunsystem des Neugeborenen perfekt unterstützt.

Die Vormilch hat eine gelbliche, cremige Konsistenz. Das Baby trinkt davon nur wenige Milliliter. Sorgen Sie sich also nicht, wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie in den ersten Tagen nur wenig Milch haben. Dies ist ganz normal!

Auf die Vormilch folgt nach drei bis fünf Tagen der Milcheinschuss und somit die Übergangsmilch. Diese hat eine wässrige Konsistenz und schimmert weiß-bläulich. Sie hat einen hohen Anteil an Fett und Kohlenhydraten, dafür allerdings weniger Eiweiß und Immunabwehrstoffe als das Kolostrum.

Nach zwei Wochen ändert sich erneut die Zusammensetzung. Nun hat die Mutter die reife Frauenmilch, die reich an Fett, Eiweiß, Folsäure und Vitaminen ist.

Wann ist der Milcheinschuss nach einem Kaiserschnitt?

Stillen nach Bedarf ist immer wichtig, nach einem Kaiserschnitt jedoch unerlässlich. Lassen Sie sich nicht einreden, Sie müssten einen Rhythmus einhalten. Ein Neugeborenes hat keinen Rhythmus und das ist absolut in Ordnung!

Gerade nach einer operativen Geburt findet der Milcheinschuss oft verzögert statt, so dass die Mütter vielleicht vom Pflegepersonal verunsichert werden. Es wird ihnen geraten, zuzufüttern, da ihr Kind sonst nicht satt werde. Dabei ist es normal, dass die Übergangsmilch etwas länger auf sich warten lässt. Dies liegt vermutlich an der veränderten Hormonausschüttung. Wichtig ist, das Neugeborene sofort anzulegen und am besten dabei Haut an Haut zu kuscheln. Mit einer PDA ist dies gut möglich.

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Hatten Sie eine Vollnarkose, so bonden Sie sofort mit Ihrem Baby, sobald dies möglich ist. Auch dabei können Sie sofort stillen, denn die Konzentration des Narkosemittels ist nach dem Aufwachen so niedrig, dass sie dem Neugeborenen keinen Schaden zufügt.

Mütter sollten sich, gerade nach einem Kaiserschnitt, die Hilfe einer erfahrenen Stillberaterin suchen, da die Infos durch das Personal der Klinik manchmal spärlich sein können.

Ist der Milcheinschuss unangenehm?

Der Milcheinschuss ist oft mit unangenehmen Spannungsgefühlen für die Mutter verbunden. Es wird vermehrt Lymphflüssigkeit sowie Blut in die Brüste gepumpt und diese füllen sich. Dadurch fühlen sie sich hart an, sie werden heiß und spannen. Dies ist manchmal mit leichten Schmerzen verbunden, jedoch nur vorübergehend.

Nach ein bis zwei Tagen ist das Spannungsgefühl bereits deutlich abgemildert, sofern das Baby gut trinkt.

Der Milcheinschuss kann jedoch auch durch eine vorübergehende Brustdrüsenschwellung für Mütter sehr unangenehm werden und die Schmerzen dabei so groß, dass die stillende Frau Hilfe braucht. Der Busen fühlt sich hart, heiß und knotig an und die Schmerzen reichen in manchen Fällen bis zu den Achselhöhlen. Dann bedarf es einer besonderen Behandlung, damit die Mutter das Wochenbett und die Stillzeit genießen kann.

Leiden Sie unter einer Brustdrüsenschwellung, brauchen Sie einen guten Ratgeber, am besten in Form einer Stillberaterin. Denn unbehandelt kann sie sogar zu einer Mastitis, einer Brustentzündung, führen. Durch die extreme Schwellung kann Ihr Neugeborenes die Brustwarze nicht mehr richtig fassen, so dass die gestaute Milch nicht mehr genügend abgetrunken wird. Dann verschlimmern sich die Symptome.

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Schmerzen – was hilft?

Die Brüste spannen und vielleicht leiden Sie sogar bereits unter oben genannter Brustdrüsenschwellung. Dann sollten Sie unsere Tipps befolgen, um sich Linderung zu verschaffen:

  • Legen Sie Ihr Baby so oft wie möglich an, damit das Spannungsgefühl nachlässt und sich die Milchmenge optimal einpendelt
  • Pumpen Sie auf keinen Fall zusätzlich ab, denn dadurch wird die Milchbildung weiter erhöht, so dass die Brüste noch voller werden
  • Wird das Spannungsgefühl unerträglich, streichen Sie etwas Milch mit der Hand aus – allerdings gerade so viel, bis die Spannung etwas nachlässt
  • Wenden Sie Quarkwickel oder kalte Kompressen zwischen den Stillmahlzeiten an, denn diese kühlen und ziehen die Entzündung aus dem Gewebe
  • Lassen Sie sich von einer Hebamme oder Stillberaterin die richtige Anlegeposition zeigen und lassen Sie sie auch überprüfen, ob Ihr Neugeborenes die Brust richtig erfasst – nur eine Brust, die richtig im Mund des Babys liegt, wird auch optimal geleert!
  • Die geschwollene Brust vor und während des Stillens anzuwärmen und leicht zu massieren, lässt die Milch besser fließen
  • Tragen Sie keinen oder nur einen sehr locker sitzenden BH, um die Brust nicht zu sehr einzuengen

Sorgen Sie sich übrigens nicht, wenn bei Ihnen die Muttermilch ein bis zwei Tage länger auf sich warten lässt als bei Ihrer Bettnachbarin. Jede Frau ist anders und jede Stillbeziehung ebenso. Entspannen Sie sich und versuchen Sie, die ersten Tage mit Ihrem Kind und das Stillen zu genießen. Entspannung ist ohnehin die beste Medizin im Wochenbett.

Letzte Aktualisierung am 10.04.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API