Röteln? Das ist doch eine Kinderkrankheit. Stimmt! Eigentlich sollten Röteln (engl. Rubella) kein Thema mehr sein: Denn die Immunisierung gehört zu den empfohlenen Impfungen der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin). Doch die Realität bestätigt immer wieder Ausnahmen. Weshalb die Virusinfektion ein ernstes Problem für das Ungeborene im Mutterleib wird, erklären Art und Weise der Ansteckung und die Zahl der Antikörper bei der Mutter.

Tröpfcheninfektion: Wenn Erwachsene an einer Kinderkrankheit erkranken

Sprechen, Niesen, Husten, Küssen: Das sind die gängigsten Wege, die das Rötelnvirus nimmt. Zuerst sucht es die oberen Atemwege heim, um sich dann mittels der Lymphe im ganzen Körper auszubreiten. Danach zeigen sich folgende Symptome:

  • typische Erkältungszeichen wie Husten, Schnupfen
  • Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen
  • manchmal Bindehautentzündungen mit Lichtsensibilität
  • angeschwollene Lymphknoten im Bereich Nacken und Hals (etwa 5-6 Tage nach Infektion)
  • hellroter, kleinfleckiger Hautausschlag zuerst an Gesicht, Körper, Armen und Beinen (Abklingen nach 3-4 Tagen)
  • bisweilen Gelenkschmerzen

Das eigentliche Problem der Rötelninfektion ist das Alter der Betroffenen. Aufgrund der lückenhaften Immunisierung im Kindesalter leiden mehr und mehr Jugendliche und Erwachsene daran. Etwa 20% der Infizierten durchleben Röteln ohne erkennbare Anzeichen. Und genau darin liegt die Gefahr: Besteht zu diesem Zeitpunkt eine Frühschwangerschaft (1.-12. Woche), wird es schwierig für den Embryo. Denn das Virus verursacht die sogenannte Rötelnembryopathie, löst aber auch Fehl- und Frühgeburten aus.

  • 2.-6. Schwangerschaftswoche (SSW): mehr als die Hälfte der Föten tragen gravierende Behinderungen davon
  • 7.-12. SSW: etwa 1/4 der Kinder haben Defekte, z. B. Mikrocephalie (verkleinerter Schädel), Gleichgewichtsprobleme, verlangsamte geistige Entwicklung,
  • 13.-17. SSW: Organschäden an jedem zehnten Embryo, z. B. Innenohrschwerhörigkeit
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Generell gilt: je früher die Rötel-Infektion bei der werdenden Mutter, desto schwerwiegendere Komplikationen beim Kind.

Rötelnembryopathie – Was ist das?

Hinter dem medizinischen Fachbegriff verbergen sich komplexe Symptome, die Schwangere verunsichern und besorgt machen. Dennoch ist es wichtig, dass sich Frauen mit Kinderwunsch darüber informieren. Ist eine Schwangerschaft angedacht, kann immer noch der fehlende Impfschutz nachgeholt werden.

Rötelnviren dringen über die Plazenta (Mutterkuchen) das Baby. Folgende Syndrome können entstehen:

  • Gregg-Syndrom: Auge (Grauer Star), Ohr (Taubheit) und Herzfehler,
  • erweitertes Rubella-Syndrom: Blutkrankheiten (Anämie, Thrombozytopenie), Hirnhaut-,Lungen-, Herzmuskelentzündung, Gelbsucht, Hautausschlag
  • Late-Onset-Rubella-Syndrom (zwischen 4.-6. Lebensmonat): chronisches Exanthem (Ausschlag), wiederkehrende Lungenentzündungen, verzögertes Wachstum
  • Langzeitfolgen (im Teeniealter): Diabetes mellitus, Störungen des Gehörs und des Hormonstoffwechsels, Hirnentzündungen

Infiziert sich die werdende Mutter im letzten Schwangerschaftsdrittel, erkrankt unter Umständen der Säugling. Das Baby ist dann über die Zeitspanne eines ganzen Jahres extrem ansteckend, denn es gibt den Virus über Stuhl, Urin und Speichel ab. Das Kind selbst ist immun gegen den Rubella-Erreger.

Röteln-HAH-Test – Was sagt der Titer aus?

Jede Frau sollte sich vor der Schwangerschaft den Röteln-Titer bestimmen lassen; die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen. Die Blutuntersuchung gibt Auskunft darüber, ob im Falle einer Rötelninfektion ausreichend Antikörper vorhanden sind. Bei dem Messwert von 1:32 hat der Organismus die Erkrankung durchgemacht oder eine Schutzimpfung sorgte für die Immunisierung.

Liegt der Titer unter dem Richtwert, bringt eine zweite Laboranalyse Sicherheit. Zeigt die Kontrolle Daten unter 1:16, besteht akute Ansteckungsgefahr.
Dann heißt es: Impfung nachholen oder auffrischen, Ansteckungsherde (Kindergärten) meiden, mindestens 28 Tage und bestenfalls drei Monate Safer Sex.

Besteht eine Schwangerschaft, der Titer ist dürftig und der Verdacht einer Ansteckung, braucht es schnelle medizinische Unterstützung. Über die Gabe von Rötelnhyperimmunglobulinen (Antikörperpräparate) wird je nach Situation entschieden.