Beckenendlage – Hat das Baby die Drehung verpasst?
Kategorie: Schwangerschaft Gruppe: Öffentlich

Steiß- oder Beckenendlagen (BEL) - kein Grund zur Sorge zu keinem Zeitpunkt der Schwangerschaft? In Zeiten moderner Geburtshilfe und der entsprechenden Schwangerschaftsvorsorge kommen die meisten Babys gesund und munter auf die Welt. Was dennoch bleibt: Beckenendlage ist kein Start aus der Pole Position, sondern ein beträchtlicher Kraftakt für das Kind.

Für Akrobatik fehlt der Freiraum

Bis zur 36. Schwangerschaftswoche (SSW) kann Ihr Baby sich drehen und wenden, wie es will. Es ist eine geniale Einrichtung der Natur, dass sobald es eng wird, das Baby sich in Position bringt. In den meisten Fällen passiert die finale Wendung zwischen der 28. und 33. SSW. Einige trödeln noch herum, schaffen es aber bis zur Geburt rechtzeitig. Etwa drei bis fünf Prozent machen ihr „eigenes Ding“, bleiben mit dem Kopf oben – quasi am Mutterherz. Gynäkologen und Hebammen differenzieren den Oberbegriff Beckenendlage so:

  • eindeutige Steißlage, beide Beine hochgeschlagen
  • vollkommene Fuß-Steißlage, beide Beine angehockt
  • vollkommene Fußlage
  • unvollkommene Fußlage

Die ungünstigen Startbedingungen haben verschieden Auslöser. Allem voran werden familiäre Dispositionen beobachtet, d.h. wer selbst als Beckenendlagen-Kind das Licht der Welt erblickte, gibt dies häufig an seinen Nachwuchs weiter. Die Hälfte aller Mütter, deren Baby als Steißlage klassifiziert ist, entbindet zum ersten Mal. Folgende Umstände sollen für die BEL verantwortlich sein:

  • Frühgeburt
  • dezimierte Fruchtwassermenge (eventuell mangelhafte Plazentafunktion)
  • groß gewachsenes Kind (Diabetes mellitus der Mutter)
  • gestraffte Uteruswand (z. B. bei spät Erstgebärenden)
  • nachgiebige Uteruswand (z. B. mehrere Schwangerschaften innerhalb kürzester Zeit)
  • Fehlbildungen des Babys, wie Spina bifida (ungenügende Sauerstoffzufuhr infolge einer geschädigten Plazenta)
  • widrige Lage der Plazenta (z. B. Eileiter reicht in Uterus)
  • Myome (gutartige Tumore an der Muskulatur der Gebärmutter)
  • Missbildungen Uterus
  • Tumore im Becken-oder Genitalbereich

Sicher und gesund von Anfang an

Eine BEL-Geburt ist für das Kind purer Stress. Rutschen zuerst Beine oder Po durch den Geburtskanal, bleibt der Kopf noch drin. Dann gibt es mitunter Probleme mit der Nabelschnur: Wird sie zusammengedrückt oder teilweise abgeklemmt, wird der Sauerstoff knapp. Manchmal verursacht die missliche Lage Oberarm- und Schlüsselbeinfrakturen oder Lähmungserscheinungen im Bereich der Achsel.
Landläufig gilt ein Kaiserschnitt (Sectio) als Mittel der Wahl. Obwohl der Trend wieder zu natürlicher Entbindung bei BEL geht und etliche Geburtszentren sich direkt auf Steißlagen-Geburten spezialisiert haben. Die Ärzte und Hebammen wenden hier alte, erprobte Handgriffe an; die – sofern Mutter und Baby kerngesund sind – von sogenannten invasiven Maßnahmen absehen.
Eine Spontangeburt ist für Mütter mit engem Becken, Gestose, vorzeitiger Blasensprung, verlangsamter Austreibungsphase, anormalen Herzfrequenzen oder Zustand nach Sectio oder Uteruserkrankungen nicht möglich. Liegt das zu erwartende Geburtsgewicht über 4.000 g oder das Baby hat seinen Kopf gestreckt, reduziert ein Kaiserschnitt sämtliche Risiken.

Tipps zum Drehen und Wenden

Es gibt verschiedene Methoden, unter deren Einfluss sich das Baby in Schädellage begeben soll. Vor der 36. Schwangerschaftswoche kommen diese Verfahren zum Einsatz:

  • Indische Brücke: Klingt nach Yoga, fühlt sich auch so an. Die Mutter legt sich in Rückenlage. Beine werden auf einem Stuhl o.ä. ca. 40 cm höher positioniert, Unterschenkel befinden sich im rechten Winkel. Durch das hochgelagerte Becken besteht die Chance, dass das Kind sich dreht. Achtung: Atmen nicht vergessen! Ab der 32. SSW ein bis zweimal täglich ausführen. Bei Übelkeit, Luftnot sofort aufhören!
  • Moxibustion: Beifuß-Zigarre und Akupunktur. Diese Kombination stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Die Wärme wirkt entspannend auf die Energieleitbahnen des schwangeren Körpers. Moxen ist schulmedizinisch umstritten; das Verfahren wird in der ganzheitlichen Medizin eingesetzt.
  • „Sanfte Lichtwende“: Babys sind neugierig. Bereits im Mutterleib wenden sie ihren Blick dem Licht zu. Die Lichtwende nutzt diesen Fakt wie folgt: Durch das Kreisen einer lichtstarken Taschenlampe (von oben nach unten) soll sich das Baby drehen. Das klappt nicht auf Anhieb – deshalb mehrmals wiederholen!
  • Zilgrei-Methode: Atmen und Massieren. Damit kann die Mutter Reize setzen, die das Kind zur Lageänderung anregen.

Wenn all diese Versuche vergeblich bleiben, kann der Arzt ab der 37. SSW von „außen" nachhelfen. Diese Grifftechnik ist gängig - allerdings von komplexer Natur. Dabei manipuliert man im Form einer Vorwärts- oder Rückwärtsrolle die Kindslage. Das geschieht unter der Gabe von Wehenhemmern und in Seitenlage der Schwangeren. Absolutes Muss: Mutter und Kind sind gesund!

Foto: © Friday - Fotolia.com

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