Jede Schwangere ist wohl beunruhigt, wenn etwa ab Mitte der Schwangerschaft plötzlich Schmerzen im Unterleib auftreten. Ruhig Blut, in aller Regel sind diese Schmerzen nicht muttermundswirksam – es handelt sich dabei um Senkwehen.

Was sind Senkwehen?

Nicht nur Eltern bereiten sich voller Vorfreude auf die Geburt vor. Auch das Kind trifft Vorbereitungen. Dazu gehört, dass es sich etwa einen Monat vor der Geburt in die „Startposition“ begibt. Das heißt, dass es tiefer in das Becken rutscht und die beste Position für die Geburt einnimmt. Die Wehen dienen dabei als Unterstützung für das Kind.

Senkwehen erkennen

20/21. SSW: Alvarez-Wehen

In der 20. oder 21. Schwangerschaftswoche bemerken die meisten Schwangeren zum ersten Mal ein, oft schmerzhaftes, Ziehen. Dabei handelt es sich um die sogenannten Alvarez-Wehen. Viele fühlen sich dadurch beunruhigt und konsultieren ihren Frauenarzt. Allerdings müssen Sie in der Regel nicht besorgt sein, denn Ihre Gebärmutter tut genau das, was Mutter Natur vorgesehen hat: Sie übt für die in wenigen Wochen anstehende Entbindung.

Übungswehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen)

Außer den oben genannten Wehen gibt es noch die Übungswehen, die Braxton-Hicks-Kontraktionen genannt werden. Dabei werden die glatten Uterusmuskeln kurzzeitig zusammengezogen. Sie werden kräftiger, um die baldige Geburt besser meistern zu können, und sorgen zugleich für eine optimale Durchblutung der Plazenta.

36. SSW: Nicht mundermundwirksame Senkwhen

Ab der 36. Schwangerschaftswoche sorgen diese nicht muttermundswirksamen Wehen außerdem dafür, dass der Kopf des Ungeborenen tief ins Becken rutscht – dies bezeichnet man als Senkwehen. Mit ihrer Hilfe nimmt Ihr Kind langsam seine natürliche Geburtsposition ein. So machen sich Uterus und Kind gemeinsam für die Geburt bereit – ein optimales Team!

Was genau geschieht bei den Senkwehen?

Senkwehen sorgen nicht nur für eine bessere Durchblutung der Plazenta, sondern auch dafür, dass das Köpfchen Ihres Kindes nach unten rutscht. Dadurch übt es Druck auf den Muttermund aus, wodurch dieser weicher wird. Dies ist ein wichtiger Vorgang, der dafür sorgt, dass sich der Muttermund während der Geburt langsam öffnet.
Gleichzeitig werden sämtliche Muskelgruppen Ihres Unterleibs gestärkt. Auf diese Weise wird Ihnen und Ihrem Baby die Geburt erleichtert. Die Gebärmutter schafft es, das Ungeborene quasi nach unten zu massieren. Man könnte auch sagen: Alles, was Sie bereits während des letzten Schwangerschaftsdrittels geschafft haben, brauchen Sie nicht mehr unter der Geburt zu meistern. So hilft Ihnen die Natur!

Sind Senkwehen besorgniserregend?

Generalprobe für die Mutter

Doch keine Panik! Diese Wehen sind weniger stark als die späteren Geburtswehen. Sie sind sozusagen die Generalprobe vor der Geburt. Für die werdende Mutter sind die Senkwehen daher eine gute Möglichkeit erlernte Atemtechniken auszutesten und zu trainieren und sich langsam auf die Geburt einzustellen.

Sie müssen sich bei Senkwehen keine Sorgen machen! Wichtig ist, dass alle zuvor genannten Wehenarten keine Auswirkungen auf den Muttermund oder den Gebärmutterhals haben. Das bedeutet: Auch wenn sich die Muskulatur Ihres Uterus regelmäßig zusammenzieht, Ihrem Kleinen geht es gut!
Sie können die verschiedenen Wehenarten im Prinzip schlecht voneinander unterscheiden. Lediglich der Zeitpunkt, zu dem sie auftreten, ist verschieden. Während Übungswehen etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche einsetzen, treten Senkwehen erst im dritten und somit letzten Trimester auf.
Meist fühlen sich diese Arten vorzeitiger Kontraktionen wie ein Ziehen im Unterleib an. Dieses kann mal mehr, mal weniger deutlich zu spüren sein und Menstruationsschmerzen ähneln. Es gibt allerdings auch Frauen, die überhaupt kein Ziehen wahrnehmen. Sie stellen nur irgendwann überrascht fest, dass sich ihr Bauch abgesenkt hat.

Auch interessant:  Möglichkeiten zur Schmerzlinderung bei der Geburt

Wann setzen die Geburtswehen ein?

Senkwehen sagen im Allgemeinen nichts darüber aus, wann Ihr Baby kommt. Befinden Sie sich in einer späten Schwangerschaftswoche, kann es sich in wenigen Tagen auf den Weg machen oder erst in vier Wochen. Wichtig sind ausschließlich Faktoren wie die Verkürzung des Gebärmutterhalses und die langsame Öffnung des Muttermundes.
Sind Sie sich unsicher, sprechen Sie bitte immer mit Ihrem/Ihrer Frauenarzt/-ärztin. Ärzte und Ärztinnen sind nicht nur zur Untersuchung Ihres Unterleibs da, sondern auch, um Ihnen eventuelle Unsicherheiten zu nehmen. Gerade wenn Sie die erste Schwangerschaft erleben, zögern Sie nicht, Fragen zu stellen. Sicherlich werden Sie auf Verständnis stoßen.

Senkwehen: Was hilft gegen die Schmerzen?

Senkwehen und Vorwehen ziehen im Unterleib und können auch richtig schmerzhaft werden. Ob dies bei Ihnen der Fall sein wird, kann nicht vorhergesagt werden; es ist von Frau zu Frau und sogar von Schwangerschaft zu Schwangerschaft unterschiedlich.
Im Allgemeinen entsteht ein mildes oder auch heftiges Ziehen im Unterleib, das allerdings auch in die Oberschenkel ausstrahlen kann. Der untere Rücken kann ebenfalls betroffen sein. Dort hilft oft eine sanfte Massage durch den/die Partner*in.
Werden die Schmerzen einmal zu heftig, zögern Sie nicht, sie zu lindern. Dies geht ganz natürlich mit Hilfe von Homöopathie oder Hausmitteln wie einem warmen Bad oder einer Wärmflasche. Achten Sie aber darauf, das Wasser – sowohl in der Badewanne als auch in der Wärmflasche – nicht zu heiß werden zu lassen. Wenn es gar nicht anders geht, ist auch mal das Schmerzmittel Paracetamol erlaubt.

Senkwehen: Die Auswirkungen

Hat sich Ihr Bauch erst einmal gesenkt, ist es möglich, dass Sie öfter die Toilette aufsuchen müssen. Denn der Druck, den das Baby nach unten ausübt, kann sich auch auf Ihre Blase auswirken. Wird der Druck zu unangenehm, können Sie einen speziellen Bauchgurt verwenden, um den Bauch zu stützen. Dies verringert auch das Druckgefühl.
Doch bei allen negativen Nachrichten – es gibt auch eine positive! Die meisten Schwangeren leiden in der schönsten Zeit

Sodbrennen lässt nach – Durchatmen fällt wieder leichter

ihres Lebens unter enormem Sodbrennen. Dieses ist zum Teil so heftig, dass sie aufrecht sitzend schlafen müssen und kaum noch wissen, wie sie dieses sehr unangenehme Gefühl lindern sollen.
Nun hat sich der Bauch gesenkt und das Gewicht, das Ihren Magen zusammengedrückt hat, lässt nach. Und mit ihm auch das Sodbrennen und der Druck auf Ihre Lunge. Sie können nun durchatmen und sich endlich wieder eine größere Portion schmecken lassen!

Wann sollte ich zum Arzt?

Sollten Sie über den ganzen Tag verteilt Menstruationsschmerzen haben und die Wehen regelmäßig alle paar Minuten kommen, zögern Sie nicht, einen Arzt/eine Ärztin aufzusuchen. In aller Regel wird alles mit Ihrem Baby in Ordnung sein, aber lieber einmal zu viel hingeschaut als einmal zu wenig. Auch Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird das verstehen.
Der Frauenarzt/die Frauenärztin wird einen Ultraschall durchführen und den Muttermund abtasten. Außerdem wird höchstwahrscheinlich die Länge des Gebärmutterhalses überprüft. Auch ein CTG ist angeraten. Dadurch kann überprüft werden, ob die Kontraktionen sich auf den Muttermund auswirken.
Ebenso sollten Sie einen Arzt/eine Ärztin konsultieren, wenn das Ziehen allzu schmerzhaft wird und Sie oft das Gefühl haben, Sie könnten es nicht mehr aushalten. Hierzu können Sie auch gern Ihre Hebamme befragen, denn auch sie ist natürlich eine Expertin auf diesem Gebiet. Fragen Sie sie auch nach den Möglichkeiten der natürlichen Schmerzlinderung, beispielsweise durch Akupunktur.

Fazit

Kontraktionen, die den Bauch absenken (Senkwehen), sind also noch keine Geburtswehen und daher kein Grund zur Besorgnis. Sollten die Schmerzen allerdings zu stark werden und Sie beeinträchtigen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Sicher finden Sie gemeinsam eine Lösung. Schließlich soll die Schwangerschaft zu einer schönen Zeit werden und Sie sollen die Vorfreude auf Ihr Baby voll und ganz genießen dürfen.

Foto © Syda Productions Adobe Stock