Süße Früchtchen für eine entspannte und schnellere Geburt? Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Dass sich der Verzehr von Datteln am Ende der Schwangerschaft tatsächlich günstig auf den Verlauf der Geburt auswirken kann, haben Wissenschaftler im Rahmen mehrerer Studien herausgefunden.

Was sind Datteln?

Die nährstoffreichen Früchte schmecken süß, ein bisschen nach Honig oder Karamell. Die Früchte der Dattelpalmen gelten als gesunde Alternative zu Schokolade und Süßigkeiten und lassen sich vielfältig in den Speiseplan einbauen. Datteln sind ballaststoffreich und enthalten jede Menge Mineralstoffe und Vitamine, weshalb sie auch als „Brot der Wüste“ bezeichnet werden. Dattelpalmen wachsen vor allem dort, wo es trocken ist, zum Beispiel in den Ländern Nordafrikas wie Ägypten, Marokko und Tunesien.

Frische oder getrocknete Datteln?

Hierzulande sind Datteln überwiegend in getrockneter Form erhältlich – was die Entscheidung deutlich vereinfacht. Frische Datteln werden zumeist nur in den Herbst- und Wintermonaten angeboten. Der Energiegehalt getrockneter Datteln ist deutlich höher als in den frischen Produkten, dafür stecken jedoch mehr Mineralstoffe wie Kalium und Eisen darin. Getrocknete Datteln kurbeln dank der enthaltenen Ballasstoffe die Verdauung an und halten den Cholesterinspiegel niedrig. Frische Datteln punkten mit weniger Kalorien und viel Vitamin C.

Prostaglandin und Oxytocin: Die Sache mit den Hormonen

Eine leichte Geburt, die spontan einsetzt und möglichst ohne die Gabe wehenfördernder Hormone auskommt: Welche schwangere Frau wünscht sich das nicht? Essen Sie zur Geburtsvorbereitung am Ende der Schwangerschaft täglich einige Datteln und Sie können diesem Wunsch einen großen Schritt näherkommen. Aber der Reihe nach.

Prostaglandin:

Zum Ende der Schwangerschaft hin – etwa ab der 35. Schwangerschaftswoche – schüttet der Körper verstärkt das Hormon Prostaglandin aus. Dies wirkt sich lockernd auf das Gewebe des Muttermundes aus. Darüber hinaus bewirkt Prostaglandin die Verkürzung des Gebärmutterhalses.

Oxytocin:

Und es kommt noch ein weiteres Hormon ins Spiel: das Oxytocin. Gemeinsam sorgen beide für das Auslösen der Wehen.

Da der Hormonhaushalt jedoch vielfältigen Einflüssen unterliegt, funktionieren diese Abläufe im Körper längt nicht immer reibungslos. Um eine überfällige Geburt einzuleiten, wenn die Wehen ausbleiben oder für das Voranschreiten der Geburt nicht stark genug sind, setzen Mediziner daher oft auf die Gabe von synthetisch hergestelltem Oxytocin. Dies gilt in aller Regel als unproblematisch. Dennoch werden auch verschiedene Nebenwirkungen und Beschwerden als Folge der Verabreichung beschrieben.

Datteln in der Schwangerschaft: Das sagen die Studien

Mehrere Forschergruppen haben sich in Studien daher die Frage gestellt, ob es zu diesen künstlichen Medikamenten nicht natürliche Alternativen gibt. Obgleich es sich dabei um kleinere Untersuchungen handelte, die nicht immer sämtliche Faktoren berücksichtigen konnten, sind die Ergebnisse aus Sicht der Wissenschaftler durchaus als positiv zu bewerten.

Untersucht wurden im Rahmen der Studien unter anderem folgende Aspekte:

  • Hat der Verzehr von Datteln in den letzten Schwangerschaftswochen Einfluss auf die Weitung des Muttermundes?
  • Verkürzen sich die Austreibungsphase sowie die Phase der Nachgeburt?
  • Lässt sich die Gabe synthetischer Medikamente zur Einleitung der Geburt oder zur Verstärkung der Wehen durch den Genuss von Datteln verringern?
  • Gibt es eine Wirkung auf die Dauer der sogenannten Latenzphase?
  • Wie sieht es mit dem Blutverlust im Wochenbett aus?

Das passiert, wenn Sie Datteln in der Schwangerschaft essen

Weniger Oxytocin zur Weheneinleitung oder Wehenverstärkung notwendig

Im Rahmen einer 2017 veröffentlichen Studie („Date fruit consumption at term: Effect on length of gestation, labour and delivery.“) hatte ein Forscherteam um Nuguelis Razali in Malaysia eine Gruppe von 77 zufällig ausgewählten Erstgebärenden – alle mindestens in der 36. Schwangerschaftswoche – angehalten, täglich sieben Datteln zu essen. Dies entsprach einer Menge von etwa 80 Gramm.

Das Ergebnis: Bei diesen Frauen war eine deutlich geringere Verstärkung der Wehen durch Oxytocin erforderlich: lediglich bei 37 Prozent der Beteiligten im Vergleich zu 50 Prozent in der Kontrollgruppe. Darüber hinaus erfolgte die Gabe der Medikamente in größeren Abständen.

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Gebärmutterhals mehr geweitet

Um die Wirkung des Dattelverzehrs auf die Weitung des Gebärmutterhalses ging es in einem Zufallsexperiment der Forscher um Masoumeh Kordi im Iran, dessen Ergebnisse 2014 veröffentlich wurden („The effect of late pregnancy consumption of date fruit on cervical ripening in nulliparous women.“) 105 Erstgebärende ab der 37. Schwangerschaftswoche aßen täglich 70 bis 75 Gramm Datteln.

Dabei erwies es sich, dass der Gebärmutterhals dieser Frauen bei der Aufnahme ins Krankenhaus mehr geweitet war als derjenigen in der Kontrollgruppe.

Lediglich 20 Prozent der Frauen aus der Dattel-Gruppe benötigten zur Einleitung der Wehen zudem Oxytocin, 45 Prozent waren es in der Kontrollgruppe.

2017 veröffentlichte das Team um Kordi im „Iran Journal of Nursing and Midwifery“ Ergebnisse weiterer Studien („Effect of Dates in Late Pregnancy on the Duration of Labor in Nulliparous Women“. Demnach wirkte sich der Dattelkonsum außerdem positiv auf die Dauer der Austreibungsphase sowie der Phase der Nachgeburt aus.

Wehen setzten spontan ein

Spontanes Einsetzen der Wehen in 96 Prozent der Fälle, eine deutlich größere durchschnittliche Weitung des Muttermundes sowie eine geringere Verwendung wehenfördernder Medikamente. Dies sind Ergebnisse einer 2011 in Jordanien veröffentlichten Studie. (Al-Kuran, O. et al.: „The effect of late pregnancy consumption of date fruit on labour and delivery“). Die Wissenschaftler hatten dafür 69 Frauen gebeten, in den letzten vier Wochen der Schwangerschaft täglich sechs Früchte zu verzehren und die Resultate mit einer Kontrollgruppe verglichen. Außerdem war die Fruchtblase der Frauen, die Datteln aßen, häufiger intakt und auch die Latenzphase verkürzte sich deutlich. Das ist der Zeitraum spürbarer Wehen, während der Muttermund noch geschlossen ist.

Blutverlust im Wochenbett geringer

Wie wirkt sich Dattelkonsum im Vergleich zu Oxytocin-Gaben auf den Blutverlust im Wochenbett aus? Dieser Frage ging ein Forscherteam um N. Kahdem im Iran in einer Studie nach, deren Ergebnisse 2007 veröffentlicht wurden. („Comparing the efficacy of dates and oxytocin in the management of postpartum hemorrhage“).

31 Frauen, die gerade entbunden hatten, aßen eine Portion von 50 Gramm Datteln; einer zweiten Gruppe wurde intramuskulär zehn Einheiten Oxytocin gespritzt. Das Ergebnis: Der Blutverlust der Frauen in der Dattel-Gruppe fiel eine Stunde nach der Geburt um 26,55 Prozent geringer aus als derjenigen, die das Oxytocin erhielten. Mit 26,37 Prozent war der Blutverlust in der Dattel-Gruppe auch nach drei Stunden deutlich kleiner.

Ab wann sollten Schwangere Datteln essen?

Mit Blick auf die Studienergebnisse zeigt sich, dass ein regelmäßiger Verzehr der Datteln erst zum Ende der Schwangerschaft hin sinnvoll ist, also ab der 36. SSW.

Unabhängig davon enthalten insbesondere getrocknete Datteln viel Fruchtzucker. Geht es nach Prof. Frank Louwen – Namensgeber der Louwen-Diät – sollten Frauen ab der 32. Woche der Schwangerschaft aber möglichst auf stark kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel verzichten. Denn der Konsum dieser Produkte habe einen starken Anstieg des Insulinspiegels zu Folge, was sich wiederum negativ auf die Wirkung des wichtigen Hormons Prostaglandin auswirke. Lesen Sie dazu unsern Louwen-Diät Ratgeber. Der Verzehr der Trockenfrüchte lediglich in den letzten vier Wochen der Schwangerschaft gilt aus Sicht von Hebammen aber als tolerabel.

Wie viele Datteln verzehren?

Als geburtsvorbereitende Maßnahme hat sich eine Menge von 60 bis 80 Gramm Datteln am Ende der Schwangerschaft als wirksam erwiesen. Dies entspricht etwa fünf bis sieben Früchten pro Tag.

Fazit

Der tägliche Verzehr von Datteln am Ende der Schwangerschaft kann sich positiv auf den Verlauf der Geburt auswirken und ihn erleichtern. Dies betrifft das spontane Einsetzen der Wehen, die Weitung des Gebärmutterhalses, die Dauer der Latenzphase, der Austreibungs- und Nachgeburtsphase sowie die Menge an synthetischem Oxytocin, das zur Förderung der Wehen eingesetzt wird. Auch gibt es Hinweise darauf, dass die Datteln den Blutverlust im Wochenbett reduzieren können.

Zwar handelte es sich zumeist um kleinere Studien und Zufallsexperimente, die nicht sämtliche Aspekte berücksichtigen konnten. Die Situation von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes wurde nicht berücksichtigt. Dennoch geben die Ergebnisse positive Anhaltspunkte zur Wirkung der Datteln. Nebenwirkungen wurden keine beschrieben.