Einführung des Mutterpasses

Nach einer Testphase im Jahr 1960 wurde der Mutterpass  1961 in Deutschland eingeführt.  Allerdings ist die Ausstellung des Mutterpasses an werdende Mütter durch einen Arzt oder eine Hebamme erst seit 1968 verpflichtend.  

Wann wird der Mutterpass ausgestellt?

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger! Wurde die Schwangeschaft offiziell von Ihrem Arzt oder ihrer Hebamme bestätigt, wird der Mutterpass  automatisch für Sie ausgestellt. Fortan werden alle Vorsorgeuntersuchungen und Befunde im Schwangerschaftsverlauf im Mutterpass dokumentiert.

Ab sofort sollten Sie den Mutterpass immer bei sich tragen und zu den Vorsorgeterminen mitbringen. Im Notfall hat auch ein Arzt der nicht mit Ihrer Vorgeschichte betraut ist, wichtige Informationen über die Befunde und den Schwangerschaftsverlauf.

Mit dem Mutterpass auf Reisen

Bei einer Auslandsreise empfehlen wir zur Sicherheit den Mutterpass in der englischen Version downzuloaden. Ein englischsprechender Arzt kann anhand dieser Information schneller agieren.

Was wird im Mutterpass dokumentiert?

Im Mutterpass werden fortlaufend Befunde der Laboruntersuchungen, Vorsorgeuntersuchungen und Informationen über die Krankheitsgeschichte der Schwangeren und die Entwicklung des Ungeborenen notiert.

Aufbau von dem Mutterpass
Aufbau vom Mutterpass

Was finde ich wo?

Der Mutterpass: 16 Seiten erklärt

Die Abkürzungen:

  • Ein negativer Befund = „neg.“ oder “ –„ oder „? „
  • Ein positiver Befund = „ pos. „ oder „ + „
  • Kein Befund ( ohne Befund) = o.B.

Seite 2: Laboruntersuchungen und Röteln-Antikörpertest

  • Blutgruppenzugehörigkeit und Bestimmung des Rhesusfaktor
  • Antikörper-Suchtest 
  • Röteln-HAH-Test ( Feststellung des Titerwertes)

Seite 3: Infektionskrankheiten

  • Nachweis von Chlamydien
  • Weitere Kontrolle des Röteln-HAH-Test (ca. 24-27. Schwangerschaftswoche)
  • Hbs-Antigen-Test: Blutuntersuchung zur Feststellung einer Hepatitis B Infektion
  • Toxoplasmose-Screening (optional) Nicht alle Krankenkassen übernehmen den Test.
  • HIV Test (optional) Nur mir Einverständnis der Schwangeren. Das Testergebnis wird nicht im Mutterpass eingetragen. Vermerkt wird das Datum des Beratungsgesprächs.
  • LSR=Lues-Such-Reaktion: Blutuntersuchnung um Syphilis-Erreger festzustellen (hier wird die nur das Datum der Untersuchung vermerkt, kein Testergebnis)

Seite 4: Angaben zur vorausgegangen Schwangerschaften

  • Ablauf aller vorangegangenen Schwangerschaft(en) und Geburtsverläufe ,eventuelle Komplikationen (z. B Kaiserschnitt)
  • Fehlgeburten
  • Abtreibungen

Seite 5: Anamnese: Allgemeine Krankheitsgeschichte der Schwangeren

  • Fragenkatalog zu Vorerkrankungen: 26 Punkte zur Krankengeschichte der Schwangeren, und das Untersuchungsergebnis der ersten Vorsorgeuntersuchung ermöglichen die frühe Erkennung möglicher Risiken
  • Risikoschwangerschaft
  • voraussichtlicher Geburtstermin (ET=Entbindungstermin)
Auch interessant:  Medizinische Indikation für einen Kaiserschnitt

Seite 6: Befunde und Komplikationen im Schwangerschaftsverlauf und Schwangerenberatung

Seite 7 + 8: Das Gravidogramm

  • Befund der Vorsorgeuntersuchungen
  • Ergebnisse weiterer Untersuchungen (z.B. Triple Test)
  • Entwicklung des Kindes (Fundusstand, Kindslage, Kindsbewegungen, Herztöne)
  • Gesundheitszustand der werdenden Mutter ( Gewichtszunahme, Krampfadern, Ödeme, Ergebnisse der Blutdruckmessung (RR), Hb-Wert zur Emittlung der Eisenwerte)

Seite 9: Ergänzung zur allgemeinen Krankheitsgeschichte, CTG Befunde

  • Therapeutische Maßnahmen oder genetische Beratung (aufgrund der der Befunde, siehe Seite 5 und 6)
  • Krankenhausaufenthalt während der Schwangerschaft
  • Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)
  • CTG Befunde

Seite 10 bis 13: Die Ultraschalluntersuchungen

Seite 14: Normkurven zum Wachstum des Ungeborenen

  • Aufzeichnung der Körperlänge ( SSL) , Kopfdurchmesser (BPD) und Bauchdurchmesser (ATD) des ungeborenen Kindes (Ergebnis der 3. Unterschalluntersuchunungen Seite 10-13)

Seite 15 +16: Abschlußuntersuchung ( Epikrise) : Geburt und Wochenbett

  • Geburt: Spontangeburt (SP), Kaiserschnittgeburt (S), Saugglockengeburt oder Zangengeburt (Vag.Op) , Schädellage (SL), Beckenendlage (BEL), Steißlage (QL)
  • Untersuchung des Neugeborenen: APGAR-Test Ergebnis, Anti-D-Prophylaxe, ph-Wert Ermittlung
  • Abschlußuntersuchung bei Klinikentlassung und eine weitere Untersuchung zum Ende des Wochenbettes: Kontrolle der Gebärmutter-Rückbildung und Geburtsverletzungen wie Dammschnitt oder Dammriss

Was passiert mit dem Mutterpass nach der Geburt?

Bei der Nachsorgeuntersuchung, die zum Ende der Wochenbett-Zeit erfolgen soll, bringen Sie den Mutterpass ein letztes Mal mit. Bewahren Sie das Dokument anschließend gut auf, denn später werden alle weiteren Schwangerschaften ebenfalls in diesem Mutterpass dokumentiert.

Mutterpass verloren: Was nun?

Haben Sie den Mutterpass verloren oder verlegt, kann ihr Arzt oder Hebamme einen neuen Mutterpass ausstellen. Alle wichtigen Daten und Befunde sind in ihrer Patientenakte gespeichert. Da die Neuausstellung des Mutterpasses mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden ist, können Kosten entstehen. Diese Kosten werden in der Regel nicht von der Krankenversicherung übernommen und sind von Ihnen zu tragen.