Eine Plazentainsuffizienz – zu Deutsch „Mutterkuchenschwäche“ – beschreibt eine mangelhafte Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des ungeborenen Babys im Mutterleib. Diese Mangelversorgung kann das gesunde Wachstum des Kindes stark beeinträchtigen, während die werdende Mutter häufig gar keine Symptome wahrnimmt.

Diese Plazentastörung kommt bei rund 2-5 % aller Schwangerschaften vor, doch sie ist erfreulicherweise nicht vererbbar.

Plazenta – was ist das konkret?

Die Plazenta – auch als Mutterkuchen bezeichnet – ist ein scheibenförmiges Körperorgan, das sich nach der Einnistung der befruchteten Eizelle in die Wand der Gebärmutter einnistet. In der Plazenta treffen die Gefäße der Mutter auf die Gefäße des ungeborenen Babys, um einen Nährstoff- und Sauerstoffaustausch zwischen Kind und Mutter zu ermöglichen.

Die Plazenta versorgt das Ungeborene über die Nabelschnur die ganze Zeit der Schwangerschaft mit Sauerstoff sowie mit wichtigen Nährstoffen. Ebenso transportiert sie Stoffe ab, die der Stoffwechsel des Babys nicht mehr braucht.

Ein Organ mit sehr wichtigen Aufgaben

Faszinierend an diesem Organ ist, dass die sogenannte „Plazentaschranke“ dafür sorgt, dass der Blutkreislauf der Mutter vom Kreislauf des Kindes getrennt bleibt. Die zum Baby gewandte Plazentaseite ist mit drei Zellschichten ausgestattet. Sie verhindern den direkten Austausch und lassen nur Sauerstoff- sowie Nährstoffmoleküle durchschlüpfen. Sie halten jedoch die Stoffe und Substanzen zurück, die dem ungeborenen Kind Schaden zufügen könnten.

Bedauerlicherweise werden nicht alle Stoffe von der Plazentaschranke abgewehrt: Stoffe wie Nikotin, Alkohol oder Arzneimittelwirkstoffe können ebenso wie Krankheitserreger diese Plazentaschranke passieren und somit zum Baby vordringen.

Eine weitere zentrale Aufgabe des Mutterkuchens ist die Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron. Der Botenstoff Progesteron sichert den Erhalt der Schwangerschaft und sorgt dafür, dass die Gebärmutter zusammen mit dem Baby wächst. Die Östrogene bereiten die weiblichen Brüste auf das Stillen des Kindes vor.

Nach der Geburt löst sich die Plazenta von der Wand des Uterus (Gebärmutter) ab und wird kurze Zeit nach der Geburt mit der Nachgeburt ausgeschieden.

Die Plazenta hat nach der Entbindung ungefähr einen Durchmesser von 15 bis 20 cm und ein Gewicht von rund 500 Gramm.

Die wichtigsten Aufgaben der Plazenta im Überblick

  • Das ungeborene Baby mit Sauerstoff versorgen
  • Den Fetus mit essenziell wichtigen Nährstoffen versorgen, damit es optimal wachsen und gedeihen kann.
  • Hormone und Antikörper aus dem Blutkreislauf der Mutter an das ungeborene Baby übertragen.
  • Das Ungeborene vor Schadstoffen wie Schwermetallen schützen
  • Stoffwechselendprodukte aus dem Fruchtwasser ableiten
  • Bildung des Schwangerschaftshormons hcG
  • Produktion anderer Hormone zur Schwangerschaftsunterstützung: Hierzu gehören die Botenstoffe Östrogen, Relaxin sowie Progesteron.
  • Bildung diverser Enzyme zum Schutz des Ungeborenen.
  • Trennung des mütterlichen Blutkreislaufs vom kindlichen.

Der Mutterkuchen übernimmt also in den 40 Wochen der Schwangerschaft nahezu alle Organfunktionen des Kindes. Das Kind und die Plazenta sind über die Nabelschnur miteinander verbunden. Mit der werdenden Mutter ist die Plazenta über die Blutgefäße sowie die Gebärmutterschleimhaut verwachsen.

Mit dem Zeitpunkt der Geburt gibt die Plazenta ihre Aufgaben auf und die kindlichen Organe nehmen ihre eigene Funktion auf. Der Mutterkuchen wird also nicht mehr benötigt.

Dementsprechend wird sie vom Körper abgestoßen und später dann vom Neugeborenen abgenabelt.

Plazentainsuffizienz – was bedeutet die Diagnose?

Mediziner sprechen von einer Plazentainsuffizient, wenn dieses Organ nicht im Stande ist, das Ungeborene mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.

Dafür kann es unterschiedliche Gründe und Ursachen geben:

  • die Plazenta ist nicht richtig entwickelt oder angelegt
  • wenn die Blutversorgung durch den Mutterkuchen nicht ausreichend ist
  • der Mutterkuchen zu klein ist
  • im Falle von Komplikationen wie beispielsweise einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta.

Akute und chronische Plazentainsuffizienz

Mediziner differenzieren zwei Formen der Plazentainsuffizienz: Die akute und die chronische Erscheinungsform.

Akute Plazentainsuffizienz

Hier gibt die Plazenta ganz unerwartet und plötzlich ihre Funktionen auf.

Die akute Erscheinungsform ist mit bestimmten Risiken verbunden:

  • Kann dieser Akutzustand nicht umgehend beseitigt werden, dann besteht eine große Gefahr für die Gesundheit des Kindes.
  • In dem Fall muss ein Notfall Kaiserschnitt durchgeführt werden.
  • Bleibt eine akute Plazentainsuffizienz unbemerkt, ist die Gefahr einer Früh- oder Fehlgeburt gegeben.

Chronische Plazentainsuffizienz

Wenn der Mutterkuchen nicht ordnungsgemäß seinen Funktionen nachkommt, ist das Baby unterversorgt. Das hat negative Auswirkungen auf die körperliche und geistige Entwicklung und das Wachstum. Zudem kann es infolgedessen dazu kommen, dass auch nicht mehr ausreichend Fruchtwasser produziert wird.

Symptome – durch welche Anzeichen äußert sich eine Plazentainsuffizienz?

Eine Plazentainsuffizienz kommt erfreulicherweise nicht sehr häufig vor, dennoch ist der Gedanke an eine solche mögliche Unterversorgung für sehr viele schwangere Frauen äußerst beunruhigend. Denn im Allgemeinen kann die werdende Mama selbst nicht feststellen, ob Ihr ungeborenes Baby optimal versorgt wird oder nicht. Von außen kann alles ganz normal aussehen.

Folgende Anzeichen können auf eine Plazentainsuffizienz hindeuten, müssen es aber nicht:

  • Krämpfe oder frühzeitige Wehen
  • geringe Gewichtszunahme der Schwangeren
  • erhöhter Blutdruck

(hier müssen Sie jedoch vorsichtig mit Ihrer Beurteilung sein, denn oftmals schlafen Ungeborene im Mutterleib auch einfach sehr tief oder haben einige ruhigere Tage. Jedes Baby ist einzigartig und so kann hierzu keine pauschale Aussage getroffen werden, wie oft sich das Baby im Bauch zu bewegen hat).

  • hellrot gefärbte, periodenartige Blutungen: Das kann ein möglicher Hinweis auf eine Ablösung der Plazenta sein. Hier sollte umgehend eine Untersuchung und Behandlung durch den Arzt erfolgen!

Welche möglichen Gründe und Ursachen stecken hinter der Plazentainsuffizienz?

Eine chronische Form der Plazentainsuffizienz tritt nicht von einem Tag auf den nächsten auf, vielmehr entwickelt sie sich langfristig über viele Tage oder gar Wochen.

Auch interessant:  Die Nachgeburt: Die dritte Geburtsphase

Mögliche Gründe und Ursachen einer chronischen Plazentainsuffizienz

  • Präeklampsie: Hinter diesem Fachbegriff steht eine mögliche Schwangerschaftsvergiftung
  • Anämie
  • Starker Eisenmangel
  • Nierenschwäche oder sonstige Nierenleiden
  • Angeboren oder im Lebensverlauf erworbene Herzfehler
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel ein permanent niedriger Blutdruck (Hypotonie) oder ein Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Entwicklungsbeeinträchtigungen oder Anlagestörungen der Plazenta
  • Stoffwechselerkrankungen wie etwa Diabetes
  • Gebärmutterinfektionen
  • Eklampsie: Schwangerschaftsstörung durch Krampfanfälle
  • Fehl- oder Mangelernährung der werdenden Mutter
  • Rauchen: Der Zigarettenkonsum beeinträchtigt unter anderem die Durchblutung
  • Drogenmissbrauch oder Missbrauch anderer Substanzen wie etwa Alkohol.

Mögliche Gründe und Ursachen einer akuten Plazentainsuffizienz

Im Fall einer akuten Plazentainsuffizienz ist das Leben des ungeborenen Kindes unmittelbar bedroht, denn es bekommt weder ausreichend Sauerstoff, noch genügend Nährstoffe. Das ist ein Notfall, dem unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen können:

  • Vorzeige Plazentaablösung
  • Probleme mit der Nabelschnur wie etwa Verdrehungen: Hierdurch kann es zu einer Blutflussunterbrechung zum Fetus kommen.
  • Placenta praevia und damit verbundene Blutungen
  • Häufig vorkommende oder sehr intensive Wehen (sogenannter Wehensturm)
  • Starker Abfall des Blutdrucks bei der schwangeren Frau durch die PDA (Peridural-Anaästhesie).

Ein möglicher Grund für eine akute Plazentainsuffizienz können auch schwere Kreislaufprobleme der Mutter sein, weil das Ungeborene zum Beispiel in liegender Position auf die untere Hohlvene drückt. Mediziner sprechen in einem solchen Fall vom sogenannten „Vena-Cava-Syndrom“.

In den allermeisten Fällen ist ein sofortiger Notkaiserschnitt erforderlich, um das Leben des Babys zu retten.

Wie kann eine Insuffizienz der Plazenta diagnostiziert werden?

Anhand einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt eine möglicherweise vorhandene Plazentainsuffizienz feststellen:

  • Wenn ein Baby über die Plazenta mangelversorgt ist, stellt die behandelnde Frauenärztin beziehungsweise der Frauenarzt zunächst einmal mögliche Entwicklungsverzögerungen beim Ungeborenen fest.

So kann es beispielsweise sein, dass das ungeborene Baby für die entsprechende SSW zu klein ist. Ebenso kann es sein, dass der Kopf des Kindes im Vergleich zum restlichen Körper zu groß ist. Das hat den Hintergrund, dass die wichtigen Nährstoffe vor allem zu den lebensnotwendigen Organen wie Herz oder Gehirn geleitet werden. Für den restlichen Körper bleiben keine Nährstoffe mehr übrig, sodass es hier zu Entwicklungsstörungen kommt: Der Körper wächst also wesentlich langsamer!

  • Ein weiterer, häufiger Hinweis auf eine Plazentainsuffizienz ist eine zu geringe Fruchtwassermenge.

Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von einer sogenannten Oligohydramnion. Aber der 20. Schwangerschaftswoche kann der Arzt den werdenden Eltern durch eine sogenannte Doppler-Sonographie genauere Informationen geben.

Diese spezielle Ultraschalluntersuchung überprüft die Geschwindigkeit des Blutflusses in der kindlichen Nabelschnur.

  • Eine chronische Plazentainsuffizienz kommt sehr selten vor und ist somit nur in äußersten Fällen lebensbedrohlich für das Ungeborene. Tritt sie jedoch auf, kann es zu gefährlichen Entwicklungsbeeinträchtigungen oder Verzögerungen kommen – körperlich wie auch geistig.

Eine Verschlechterung des Babywachstums kann ab der 24. Schwangerschaftswoche zu einer vorzeitigen Entbindung führen. Das ist wichtig, um die Entwicklung des Babys nicht noch weiter zu gefährden.

Das heißt, dass eine solche Störung im Rahmen der üblichen Mutterschaftsvorsorge auffallen sollte. In einer leichten Ausprägung wird diese Störung zunächst einmal stationär in der Klinik behandelt und anschließend bei strenger Schonung in den eigenen vier Wänden.

Welche Folgen hat eine Plazentainsuffizienz für Mama und Kind?

Im Idealfall kommt es überhaupt nicht zu Spätfolgen beim Kind und es kann später ein ganz normales und glückliches Leben führen.

Eine akute Störung kann aber unter Umständen zu einem Sauerstoffmangel führen: Das kann binnen weniger Minuten sehr negative Auswirkungen auf das Gehirn haben. Je nach Dauer und Ausprägungsgrad des Sauerstoffmangels können die Anzeichen kaum wahrnehmbar sein. So kann es zu physischen oder geistigen Beeinträchtigungen kommen.

Die Unterversorgung durch eine solche Plazentainsuffizienz kann sich bei einigen Kindern durch bestimmte Folgeerscheinungen auch erst viel später im Lebensverlauf äußern. Rein statistisch gesehen haben betroffene Kinder später ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie:

  • Arteriosklerose
  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Adipositas (Fettleibigkeit).

Wie sieht die Behandlung einer chronischen Insuffizienz aus?

Sobald die Diagnose „Plazentainsuffizienz“ fällt, muss die werdende Mama engmaschig ärztlich untersucht werden. Der Arzt überprüft den Zustand des Ungeborenen per CTG- oder Ultraschalluntersuchung.

Schonung und ausreichend Ruhe sind von zentraler Wichtigkeit. Unter Umständen kann es sein, dass auch einige Tage stationär im Krankenhaus verbracht werden müssen. In dieser Zeit werden die Mediziner versuchen die Ursache der Störung zu ermitteln, zum Beispiel eine Diabetes- oder Bluthochdruckerkrankung.

Sollte infolge der Plazentainsuffizienz eine Frühgeburt drohen, kann es sein, dass spezielle Behandlungsmaßnahmen erforderlich sind, um die Lungenreifung des Kindes zu beschleunigen. Ungefähr ab der 25. Schwangerschaftswoche und einem Körpergewicht von mindestens 500 Gramm kann das Baby auch außerhalb des Mutterleibes überleben. Solche Frühgeborenen brauchen jedoch noch viel Unterstützung, die jedoch durch die moderne pränatale Intensivmedizin sichergestellt werden kann.

Lässt sich eine solche Funktionsstörung des Mutterkuchens vermeiden?

Eine Prävention dieser Schwangerschaftskomplikation ist leider nicht möglich und ebenso wenig eine Heilung. Schwangere Frauen sollten aber in jedem Fall auf Nikotin, Alkoholgenuss oder sonstige Drogen verzichten. Auch ausreichend Bewegung sowie eine gesunde, vollwertige und abwechslungsreiche Ernährungsweise sind sehr wichtig. So bekommt das ungeborene Baby alle essenziellen Nähr- und Vitalstoffe, die für eine gesunde Entwicklung notwendig sind.

Fazit – eine seltene, dennoch ernstzunehmende Schwangerschaftskomplikation

Erfreulicherweise kommt eine Plazentainsuffizienz nicht bei vielen schwangeren Frauen vor. In jedem Fall gilt jedoch: Je früher die Diagnose erfolgt, desto rascher kann eine geeignete Behandlung erfolgen. So lassen sich Komplikationen oder Beeinträchtigungen für das Baby frühzeitig verhindern. Wenn Sie das Gefühl haben, dass mit dem Baby oder Ihrem Schwangerschaftsverlauf etwas nicht stimmt, sollten Sie immer rasch das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen! In solchen Fällen sollte immer auf Nummer sicher gegangen werden und lieber eine Untersuchung zu viel als zu wenig erfolgen.

Auch die Untersuchungen im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge sollten immer wahrgenommen werden. Bei diesen Terminen können mögliche Beeinträchtigungen erkannt und umgehend behandelt werden.

Ansonsten ist es zielführend, die Zeit der Schwangerschaft positiv und entspannt zu begehen. Achten Sie auf einen gesunden Lifestyle, bestehend aus Bewegung, Entspannung und einer nährstoffreichen Ernährung.